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Erkelenz
Liebe in Variationen

Erkelenz: Liebe in Variationen
Ragna Schirmer spielte in der Erkelenzer Stadthalle auf einem original Streicher-Flügel von 1861. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Ragna Schirmer spielte im Erkelenzer Meisterkonzert Werke des wohl bekanntesten Musikerpaars des 19. Jahrhunderts, Clara und Robert Schumann. Von Kurt Lehmkuhl

Zum 175. Hochzeitstag von Clara und Robert Schumann hatte sich Ragna Schirmer 2015 intensiv mit der musikalischen Beziehung dieses Paares beschäftigt. Die weltweit agierende Pianistin konzipierte ihr Programm "Liebe in Variationen", in dem sie nicht nur die Entwicklung des Liebespaares, sondern auch dessen kompositorische Entwicklung darstellte. In den Genuss dieser musikalischen Auseinandersetzung mit dem wohl bekanntesten Musikerpaars des 19. Jahrhunderts kam das Publikum beim zweiten Meisterkonzert der Saison der Kreisvolkskochschule in Erkelenz. Es honorierte die bemerkenswerte Leistung von Schirmer mit langanhaltendem Applaus.

Das Meisterkonzert wartete mit einer Überraschung auf. Schirmer spielte auf einem original Streicher-Flügel von 1861. Auf einem derartigen Flügel konzertierte auch Clara Schumann. Die VHS hatte dieses Instrument aus dem Pianomuseum Haus Eller in Bergheim auf die Bühne geholt. Der Klang, ein wenig metallisch, im Begleitheft als "silbrig" beschrieben, war gewöhnungsbedürftig und lenkte zunächst von der Interpretation des ersten Stückes ab. Schirmer hatte Schumanns "Papillons op. 2" ausgewählt. Nicht ohne Grund, hatte Schumann dieses Werk doch zu seiner Zeit als Schüler von Friedrich Wieck, dem Vater von Clara, komponiert. Bemerkenswert, mit welcher Konzentration Schirmer das Werk darbot, selbst auf die Tastatur fliegende Notenblätter konnten sie nicht stören. Sie wischte sie mit einem leichten Schmunzeln zur Seite. "Bei alten Instrumenten muss man immer mit Überraschungen rechnen. Da wird man gezwungen, auswendig zu spielen", kommentierte die 1972 geborene, preisgekrönter Künstlerin, die im Alter von 28 Jahre als Professorin an eine Musikhochschule berufen wurde und die nun neben ihrer Konzerttätigkeit in Halle an der Saale unterrichtet.

Spätestens beim zweiten Stück spielten Flügel und Notenblätter keine Rolle mehr. Die "Romance variée pour le piano dédiée à Mons. Robert Schumann op. 3!" machte die Zuhörer vertraut mit dem eigentlichen Thema des Abends, der Liebesziehung zwischen Clara und Robert. Als Zwölfjährige hatte Clara dieses Stück komponiert, basierend auf einem schlichten Thema, von dem nicht gänzlich geklärt ist, ob es von Clara oder Robert stammt. Sie jedenfalls hatte dieses Thema in sieben Variationen bearbeitet und dem damals 19-jährigen gewidmet. Sie wollte ihn damit beeindrucken. Beeindruckt waren aber auch Zuhörer über die Leichtigkeit, mit der Schirmer das Werk spielte. Schumann erwiderte Claras Sympathie und übernahm das leichte, musikalische Thema in seinen "Impromptus über einer Romanze von Clara Wieck op. 5". Schirmer verstand es ausgezeichnet, die Unterschiede zwischen der beachtlichen Komposition von Clara Wieck und der von Robert Schumann darzustellen.

Nach der Konzertpause "und 20 Jahre später mit Heirat, sieben Kindern", kommt das romantische Thema wieder zum Tragen. Schumann leidet schon unter seiner psychischen Erkrankung. Er komponiert, seine Frau konzertiert, wird aber wieder zur Komponistin, um ihrem Mann ein neues Werk zu widmen. Die "Variationen für das Pianoforte über ein Thema von Robert Schumann op. 20" zeigen nach Schirmers Worten deutlich den "Wechsel vom jugendlichen Überschwang zur gereiften Frau". Es gelingt Schirmer, diese Veränderung eindrucksvoll zu dokumentierten. Claras Entwicklung ist nachvollziehbar, erlebbar.

Schirmer motiviert die Zuhörer, sich intensiver mit dieser Musik zu beschäftigen. Und sie bringt einen weiteren Komponisten ins Spiel: Johannes Brahms. Er war Freund von Clara und Robert Schumann und nach dessen Tod eine Stütze und ein Begleiter der Witwe. Ihr widmete er "Variationen über ein Thema von Robert Schumann op. 9", in denen auch er das durchgängige musikalische Thema des Abends bearbeitete. Schirmer hatte den Kreis geschlossen, ihren Zuhörern einen intensiven Musikgenuss beschert und spielte als Zugabe noch einmal eine der "Papillons", die auf einmal noch leichter, noch harmonischer, noch nachvollziehbarer erklang.

Quelle: RP
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