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Erkelenz
"Living history" rund um Burg Erkelenz

Erkelenz: "Living history" rund um Burg Erkelenz
Rund um Burg Erkelenz schlugen Mittelalterfreunde ihre Lager auf. Die Troubadoure "Satyrias" spielten Melodien aus der mittelalterlichen Welt, deren Klang sich über die gesamte Burganlage legte. FOTO: Uwe Heldens
Erkelenz. Zum zweiten Mal hatten die "Freunde der Burg" zum Mittelaltermarkt nach Erkelenz eingeladen. Bei Schwertkämpfen, zünftigen Speisen und Musik ging es darum, Geschichte erlebbar zu machen. Von Jessica Balleer

Wer an eine mittelalterliche Burg denkt, hat romantische Bilder im Kopf. Von dunklem Bruchstein, runden Türmen und Elementen aus Zinn. Der Backsteinbau im Erkelenzer Stadtzentrum lädt weniger zum Träumen ein. "Aber wenn wir hier Lager aufschlagen und die Ritterrüstungen anziehen", sagte Norbert von Thule von der Veytaler Ritterschaft, "dann erkennt man die Burg plötzlich wieder", die einst als uneinnehmbare Festung galt."

Plötzlich fühlen sich leichtfüßige Mägde in schweren Kleidern auf dem Burghof zum Tanz angeregt. Die Troubadoure "Satyrias" spielen Melodien aus der mittelalterlichen Welt, deren Klang sich über die Burganlage legt. Elektronische Verstärker für Dudelsack und Gitarre gingen beim zweiten mittelalterlichen Sommerfest zwar auf Kosten der Authentizität, die vermisste allerdings kein Besucher. Man fand sie in der Tasse Würztee, im Krug mit Met oder auf dem Teller mit Fleisch oder Flammlachs. Was im Laufe eines Wikingerlebens an Gewänden, Waffen und Lagerausstattung zusammenkommt, sah man am Zelt des Bergthors "Skalli" Yngvasson. In weißem Gewand und genähten Lederschuhen erzählte er davon, wie das Leben in Erkelenz um das Jahr 800 ausgesehen haben muss. Als Karl der Große in die Schlacht gegen die Wikinger zog. Als das Erkelenzer Volk fast unberührt davon sein Leben in der Siedlung führte. Interessiert blieb auch Familie Radek stehen. Manuel (11) und David (13) probierten sich an Pfeil und Bogen, mit Lanze und Schild. Vater Christoph Radek enttarnte die Maskerade des Bergthors, hinter der sich ein Vereinsmitglied der Freunde der Burg versteckte: Christoph Stolzenberger, Kulturmanager der Stadt Erkelenz, hatte Hemd und Haus eingetauscht gegen Gewand und Zelt. Seit über 30 Jahren sind Nordmänner und Wikinger sein Thema. Seit sechs Jahren ist es das Mittelalter, das nicht bloß sein Hobby ist: "Ich lebe die Geschichte."

Passend dazu präsentierte sich das Erkelenzer Wahrzeichen mit neuem Anstrich an Gittern und Türen voller Leben. Rund um die Burg hatten zehn Lager eine Zeltstadt erbaut und für Besucher eintrittsfrei geöffnet. "Das Fest wird durch die Verkaufseinnahmen finanziert", sagte Frank Müller. "Wir wollen Besuchern und Bewohnern ihr Wahrzeichen näher bringen." Die Erkelenzer Definition von "Living History" teilten am Wochenende viele Besucher. Eine gelungene Mischung aus Denkmalpflege und lebendiger Präsentation von Geschichte charakterisiert die Vereinsarbeit der Freunde der Burg und zeichnet sie aus. Im Winter gelingt das mit dem mittelalterlichen Adventsmarkt. Seit 2014 ist auch das Sommerfest ein Termin, an dem die Geschichte der Stadt und Region - zumindest für einen Moment - wieder einen Platz im Bewusstsein der Bürger findet.

Quelle: RP
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