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Erkelenzer Land
Löhrmanns Vorstoß: Schulen in der Region warten ab

Erkelenzer Land. NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann bringt wieder die Debatte um acht bzw. neun Jahre bis zum Abitur ins Rollen. Die Gymnasien verfolgen das Thema - sie wünschen sich schnelle Klarheit. Von Anke Backhaus

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) hat in den vergangenen Wochen gehörig auf sich aufmerksam gemacht. Grund ist ihr neuer Vorstoß in Sachen Turbo-Abi, dem besonders der Landeselternschaft (LE) der Gymnasien in Nordrhein-Westfalen sehr entgegenkommt. Denn: Die LE will zurück zu G 9, um den Schülern wieder das Abitur nach neun statt derzeit acht gymnasialen Jahren zu ermöglichen. Mehr noch: Die Ministerin schlägt vor, nicht mehr starr nach G 8 und G 9 zu unterscheiden, sondern die Länge der Schulzeit an die individuelle Leistungsfähigkeit der Schüler anzupassen. "Flexible Schulzeit" ist da das große Stichwort.

Auch Dr. Barbara Tillmanns, Schulleiterin des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums in Wegberg, hat die neuen Ideen der NRW-Schulministerin längst zur Kenntnis genommen. Mehr aber auch nicht. "Ich habe mich mit der Thematik noch gar nicht beschäftigt. Und zwar deshalb nicht, weil ich das mit Blick auf die anstehende Wahl im nächsten Jahr einfach erstmal für Wahlkampf halte." Trotzdem sagt sie, dass das Lehrerkollegium irritiert wegen der Aussagen der Ministerin sei. Und weiter: "An unserer Schule ist G 8 seit Jahren normal. Sicherlich gibt es an der ein oder anderen Stelle noch Probleme." Doch die seien zu schultern. Mit Blick auf die Elternschaft sagt Dr. Barbara Tillmanns: "Die Eltern unserer Schüler machen in diesem Zusammenhang keinen Druck. Einige von ihnen bringen zwar zum Ausdruck, dass der schulische Alltag etwas stressig sei, aber es gibt keine ständigen Nachfragen, ob eine Rückkehr zu G 9 Thema wird."

"Wir haben uns G 8 ja gar nicht gewünscht", erklärt unterdessen Rita Hündgen, die Schulleiterin des Cusanus-Gymnasiums in Erkelenz. "Aber wir haben G 8 unter großem Arbeitseinsatz erfolgreich umgesetzt. Dazu zählen etwa die Kürzung der schulischen Lehrpläne, die Erarbeitung neuer schulischer Curricula und auch die Entwicklung eines neues Hausaufgabenkonzeptes, um den Kindern Freizeit zu bewahren."

Das CGE hatte damals übrigens eine aufwendige Evaluation durchgeführt und die Jahrgänge 2012 (beide Jahrgänge waren in G 8 und G 9 vertreten) und 2013 (Doppeljahrgang im Abitur) verglichen. Beide Gruppen - jeweils 175 Abiturienten - schnitten etwa gleich gut in den Abiturprüfungen ab. Rita Hündgen: "Das bedeutet, dass speziell die G 8-Schüler gut aufs Abitur vorbereitet waren." Generell begrüßt Rita Hündgen eine dreijährige Vorbereitung auf das Abitur.

Erstmal abwarten will Peter Boidol, Schulleiter des Cornelius-Burgh-Gymnasiums in Erkelenz. Vor etwa sieben, acht Jahren führte das CBG den gebundenen Ganztag ein. Damit einher gingen gewaltige Veränderungen im Alltag der Schule. Beispiel Lernzeitkonzept. Dabei - auf einen einfachen Nenner heruntergebrochen - erhalten die Schüler Lernpläne, die sie selbstständig bearbeiten müssen. Die Schüler können selbst entscheiden, ob sie Aufgaben in Deutsch, Englisch oder Mathe lösen wollen. Die Fachlehrer stehen den Schülern bei Fragen zur Verfügung. Dieser Weg hat sich am Burgh-Gymnasium bewährt, darum möchte Boidol nur ungern erneut den schulischen Alltag umkrempeln. "Das ist vor allen Dingen gerade an kleinen Schulen wie unserer dann nicht einfach umzusetzen."

Am Gymnasium Hückelhoven sieht die Sache derweil so aus: Schulleiter Arnold Krekelberg verfolgt die Diskussion "sehr intensiv", wie er sagt. "Wir reagieren an unserer Schule allerdings zunächst verhalten darauf, weil ja überhaupt noch nicht klar ist, wohin der Weg führen wird." Auch im Lehrerkollegium werden daher keine großen Debatten geführt, wenngleich manvorsichtig darüber spricht.

Wohl aber hat Krekelberg in vielen Gesprächen mit Eltern festgestellt, dass es Sorgen gibt. "Die Eltern der Schüler, die nicht so leistungsstark sind, sehen gerade in G 8 Stress. Ich erlebe das auch in Aufnahmegesprächen mit künftigen Fünftklässlern, wo sich die Eltern ernste Fragen stellen, ob ihr Kind G 8 bewältigen kann. Auf der anderen Seite sehe ich Eltern und Schüler, für die G 8 ganz normal ist und es keine schulischen Probleme gibt."

Die flexible Schulzeit kann Schulleiter Arnold Krekelberg sich nur sehr schwer vorstellen. "Die Einrichtung von Profilklassen, die im Rahmen von G 8 zum Abitur gehen, ließe sich dagegen wohl umsetzen. Problematisch würde das aber für kleine Schulen werden." Krekelberg hat einen Wunsch: "Ich wünsche mir eine schnelle Präzisierung des künftigen Weges, um handeln zu können."

Quelle: RP
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