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Unsere Orgellandschaft Folge 2
Majestätisch strahlend und fein

Unsere Orgellandschaft Folge 2: Majestätisch strahlend und fein
Die Orgel in der Lövenicher Kirche St. Pauli Bekehrung - die Wendt-Orgel ist die größte und wichtigste in der Pfarrei Christkönig. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Die Orgel in St. Pauli Bekehrung ist die größte im Raum Erkelenz. Sie ist eine romantische Orgel, in ihrer Disposition auch geeignet für barocke Literatur. Ein Besuch der Christian-Wendt-Orgel mit Kantor Knauer. Von Angela Wilms-Adrians

Ein Meister seines Fachs entlockt der Christian-Wendt-Orgel in St. Pauli Bekehrung ein herrliches Spektrum von majestätisch strahlender Fülle bis hin zu unendlich feinen, sonoren Klängen. Das Pedalwerk ist auf Gravität angelegt und füllt den großen Kirchenraum mit profundem Bass.

Als Verwalter von 21 Orgeln weiß Christkönig-Kantor Stefan Emanuel Knauer die Vielfalt der ihm anvertrauten Orgellandschaft sehr zu schätzen. Die Wendt-Orgel ist die größte und wichtigste in seinem Aufgabenbereich und hat 28 Register. "Das ist schon eine Hausnummer", begeistert er sich. Das Hauptwerk ist noch Spätbarock orientiert. Besonders prägnant sind hier die mächtigen Zungenstimmen der Trompete und des Clairon. Über Pedal und Nebenwerk verbindet sich aber das Ganze zur romantischen Orgel.

Kantor Knauer FOTO: Jörg Knappe (Archiv)

1874 wurde die jetzige Kirche eingeweiht, 1876 die von Christian Wendt gebaute Orgel. Knauer bedauert, dass über die Herkunft des Orgelbauers so wenig bekannt ist. "Man weiß nur, dass er etwa von 1830 bis 1900 gelebt und im Raum Aachen bis in die Niederlande gewirkt hat. Vermutlich steht er in der Nachfolge des wichtigen Orgelbauers Balthasar König. Vielleicht wurde er von einem seiner ehemaligen Lehrlinge ausgebildet", berichtet der Organist. Dabei verweist er auf das Hauptwerk mit Registern, wie sie auch König gebaut hätte. Balthasar König war seinerzeit ein renommierter Orgelbauer im Rheinland, dessen Instrumente in der Schlosskirche Schleiden und im Kloster Steinfeld zum Beispiel noch erhalten sind. Die Vorvorgängerin der Lövenicher Orgel war ebenfalls von Balthasar König. Sie wurde 1794 von französischen Revolutionstruppen geplündert. Inzwischen gibt es nicht mehr viele Wendt-Orgeln. Unter ihnen ist das Lövenicher Instrument das größte, das noch erhalten ist.

In den 1970er Jahren bis in die 90er hinein war die heutige Orgel nicht bespielbar und stillgelegt. Damals stand bis 1995 eine Interimsorgel im Chor, um die umfassende Renovierung und Restaurierung zu überbrücken. Denn auch in Lövenich hatte der Zeitgeist dafür gesorgt, dass die Orgel dem veränderten Klanggeschmack entsprechend umgebaut worden war.

Zurzeit leidet das Instrument an Schimmel, da es bei Baumaßnahmen nicht vor Staub geschützt wurde und zu kalt stand. Doch "mit strammen Schritten" will der Kantor dafür sorgen, dass die Orgel vom Schimmel befreit und auch sonst instandgesetzt wird. "Das ist kein Problem, da der Orgelbauer auf die Arbeiten von 1995 aufbauen und sie wieder in einen Topzustand bringen kann", versichert er. Für die Zeit nach der Renovierung plant Stefan Emanuel Knauer ein feierliches Orgelkonzert.

Quelle: RP
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