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Erkelenz
"Mehr Sagen als Wahrheiten über Keyenbergs Motte"

"Es gibt mehr Sagen als Wahrheiten über die Keyenberger Motte", sagt Hans-Josef Pisters, der mit der Heimatgeschichte von Keyenberg bestens vertraut ist. Das geht sogar so weit, dass in Zweifel gezogen wird, ob es sich überhaupt um eine Motte gehandelt hat. Stattdessen könnte es sich auch um die Reste einer steinernen Burg handeln.

Angeblich soll es eine unterirdische Verbindung gegeben haben zwischen der Motte und dem Haus Keyenberg. Dem Vernehmen nach soll im 8. Jahrhundert Herzogin Plektrudis, die Gattin Pippins des Mittleren, mit ihrer Nichte Notburga die Motte bewohnt haben. Als Beleg dafür dient ein Gemälde in der Heilig-Kreuz-Kirche in Keyenberg. Es zeigt Plektrudis mit ihrer Nichte vor der Kirche.

Aber ganz sicher sind sich die Historiker auch nicht. Es bleibt vieles im Unklaren und eine fast schon romantisch verklärte Darstellung von Keyenberg und der Motte: "Wer zum ersten Mal nach Keyenberg kommt, ahnt nicht, dass der so unscheinbar daliegende Ort mit Überraschungen aufwarten kann, die niemand hier vermutet. Mag auch der Platz, an dem einmal die Wallburg der merowingischen Herzogin Plektrudis gestanden haben soll, immer mehr im Unrat gedankenloser Anrainer versinken, Haus Keyenberg, erneuert und restauriert, bewahrt manches Fundstück der wieder hergestellten Wasserburg", so heißt es in einem 1969 veröffentlichten Text.

In wenigen Jahren werden die Motte und das bisherige Keyenberg Geschichte sein. Fernab der Niers ist am Umsiedlungsort im Erkelenzer Norden, der ab dem Jahresende, vom näherrückende Tagebau gefordert, bebaut wird, kein Platz für das Naturdenkmal. Und dennoch soll die Motte in Erinnerung bleiben: Zwei Straßennamen mehr als bisher benötigt Keyenberg am Umsiedlungsstandort. Darüber haben die Bürger mit der Erkelenzer Stadtverwaltung beraten und ihre Ergebnisse im zuständigen Bezirksausschuss vorgestellt. Sie haben sich für die "Sebastianusstraße" entschieden und für "Zur Motte".

Eine Straße an einem Regenüberlaufbecken soll diesen Namen tragen. Zwangsläufig wird dann die Frage aufkommen, was es mit der Motte auf sich hat. Und dann wird Gelegenheit bestehen, über das frühere Keyenberg, die sprudelnde Quellvielfalt, Herzogin Plektrudis und diesen ehemaligen Erdhügel zu erzählen.

(kl)
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