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Mein Auslandsjahr: Paula Meyersieck
Glitzersteine der Erinnerung gesammelt

Erkelenz. Paula Meyersieck ist wieder in Deutschland. Ein Jahr lang ging die Schülerin des Cornelius-Burgh-Gymnasiums in Wuxi, einer Sechs-Millionen-Stadt etwa 45 Minuten entfernt von Shanghai, zur Schule. In der RP hat sie darüber regelmäßig berichtet. Von Paula Meyersieck

Erkelenz Zum Abschied hatte mir in China meine Schule eine Überraschungsfeier vorbereitet. Während der Abschiedsfeier fiel der Unterricht für das Lehrpersonal und alle Schüler aus; ich konnte noch nicht klären, ob er am Sonntag, wie zum Beispiel bei Feiertagen in der Woche üblich, nachgeholt wurde. Während der Feier wurden verschiedene Aufführungen, Videoclips und Fotos auf einer großen Leinwand mit Szenen aus unserer gemeinsamen Zeit in Chengdu gezeigt. Zwischendurch gab es Ansprachen des Schulleiters, verschiedener Klassenkameraden und meiner Gasteltern, die auch geladen waren. Der Raum war festlich geschmückt. Es war ein Abschied, der mein Auslandsjahr perfekt abrundete. Und ich werde meine chinesischen Freunde und meine Gastgeberfamilie in China nie vergessen.

Auch wenn dieses Jahr mit Sicherheit nicht das Beste meines Lebens gewesen ist, habe ich es doch genossen und sehe es als eine einmalige Erfahrung an. Meine Entscheidung, für ein Schuljahr nach China zu gehen, würde ich immer wieder fällen.

Wenn ich an dieses Ereignis, aber auch an andere, die ich erlebt habe, zurückdenke, werde ich zwangsläufig daran erinnert, wie unterschiedlich Deutschland und China sind. Wie in einem vorherigen Artikel erwähnt, ist die Armut in China sichtbar stärker verbreitet als in Deutschland, und dies beeinflusst den Alltag enorm. Aber selbst in der Mittelschicht, in der ich mich bewegt habe, sind eine Spülmaschine oder ein Staubsauger weitgehend unbekannt. Während meines Aufenthalts wurde ich von dieser anderen Welt berührt. Ich habe mich durch die fremde Kultur und die Art des chinesischen Lebens weiterentwickelt, und ich empfinde mich nun vor allem selbstständiger als vor meinem Auslandjahr. Ich habe gelernt, mich in einem Land, in dem die offizielle Sprache Chinesisch ist, allein zurechtzufinden, so dass ich auch nach meiner Rückkehr mehr Dinge in die eigene Hand nehmen kann.

Ich habe die Sprache erlernt und werde im Winter in Düsseldorf eine offizielle chinesische Sprachprüfung (HSK) ablegen. Außerdem habe ich viele freundliche Menschen kennengelernt, Kontakte geknüpft, zwischen zwei so unterschiedlichen Kulturen vermittelt und immer mehr Verständnis für andere Menschen gewonnen.

Ich wurde in den ersten Tagen hier in Erkelenz oft gefragt, ob sich meine Erwartungen in China erfüllt haben - und meine Antwort darauf ist differenziert. Bevor ich nach China ging, hatte ich keine Ahnung, was mich erwarten würde. Ich war stark von den Medien und meinen Mitmenschen beeinflusst, so dass ich nicht sicher sein konnte, was wahr ist und was nicht. Vor Ort konnte ich mir von all dem eine eigene Meinung bilden. Ich ergriff die Chance, in eine andere Kultur einzutauchen und ein Teil von ihr zu werden. Ich genoss diese Erfahrung in vollen Zügen.

Bevor ich nach China ging, erhoffte ich mir, der Sprache, die in Deutschland als sehr kompliziert angesehen wird, näherzukommen. Ich wollte mehr über das Land erfahren, über das ich nicht viel wusste. All dies und noch viel mehr ist mir gelungen. Selbstverständlich hatte ich nicht nur Höhepunkte, sondern musste auch Hürden bewältigen, aber all das hat mich stärker gemacht. Insbesondere die bekannt negativen Dinge Chinas habe ich versucht, während meines Auslandjahres auszublenden, um nicht zu scheitern.

Ich habe mich zwar schon wieder gut in meiner Heimat eingelebt, aber ein Teil meines Herzens befindet sich immer noch in Chengdu. Und die Erinnerungen, die ich während meiner Zeit im Ausland gesammelt habe, sind wie kleine Glitzersteine, die ich in einer Schatztruhe verstaue: Sie sind einmalig und unterscheiden sich voneinander, und ich könnte mich von keiner einzigen verabschieden!

Ich habe Chengdu verlassen, und genau eine Woche später kam unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer Delegation in "meine" Stadt Chengdu, um das lokale VW-Werk zu besichtigen. Hätte ich das gewusst, hätte ich meinen Rückflug um eine Woche verschoben - das Wissen um dieses Ereignis bringt mich sofort in Gedanken an die Orte meines letzten Jahres zurück.

Quelle: RP
 
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