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Mein Auslandsjahr: Anna Lesmeister
"Guten Morgen, große Schwester"

Erkelenz. Nach dem Abitur ist Anna Lesmeister als "Missionarin auf Zeit" für ein Jahr nach Indien gegangen. Die 18-Jährige schilderte ihre ersten, unvergesslichen Erfahrungen bei den Steyler Missionsschwestern. Von Anna Lesmeister

"Good morning Didi" ist das erste, was ich seit anderthalb Monaten jeden Morgen unzählige Male höre. "Didi" ist Hindi und bedeutet so viel wie große Schwester. Hier im "Hush Vihar Boarding" der Steyler Missionsschwestern in Zentralindien habe ich um die 60 kleine Schwestern zwischen elf und 16 Jahren, die es jeden Tag aufs Neue schaffen, meinen Aufenthalt hier in Indien unvergesslich zu machen.

Die Mädchen kommen allesamt aus ärmlichen Verhältnissen, aus kleineren Dörfern, welche zu den Tribals gehören, und könnten sich nicht die private Ausbildung leisten, die sie hier angeboten bekommen. Der Standard an öffentlichen Schulen ist leider ziemlich gering. Meine Aufgabe ist es, die Mädchen zu beaufsichtigen, ihnen mit ihren Aufgaben zu helfen und ihnen Tag für Tag zur Seite zu stehen. Dabei fängt das früh mit der Vorbereitung für die morgendliche Messe um 5.30 Uhr an und hört erst nach der nächtlichen Lernzeit um 22.30 Uhr wieder auf.

Ich habe mich entschlossen, nach der Schule und dem Abitur am Cornelius-Burgh-Gymnasium ins Ausland zu gehen, da ich schon immer das Bedürfnis hatte, mehr zu sehen und mir ein eigene, unabhängige Meinung zu bilden. Ich wollte auch meine Dankbarkeit ausdrücken, für alles, was wir in Deutschland als gegeben hinnehmen und was doch so privilegiert ist, indem ich in dem einen Jahr etwas zurückgebe und mich sozial engagiere.

Somit war mein schon bestehender Kontakt zu den SspS (Dienerinnen des heiligen Geistes) ausschlaggebend, um in ihrem Projekt "Missionar auf Zeit" mitzuwirken, mit den Grundpfeilern mitleben, mitbeten, mitarbeiten und mitwirken.

Indien hatte es mir dabei besonders angetan, auch, da meist doch ein recht negatives Bild gezeichnet wird, was ich schon an den allgemeinen Reaktionen auf meine Entscheidung, dorthin zu gehen, gemerkt habe, und das somit den ganzen, unglaublich vielfältigen Rest Indiens überschattet. Da ich auch in einem religiösen Rahmen hier bin, faszinierte mich sowohl die Art der Verbindung der Menschen zu Gott, in einem Land, in denen Christen die absolute Minderheit bilden, als auch der vorherrschende Hinduismus.

Bisher habe ich keinen einzigen Tag meine Entscheidung, nach Indien zu gehen, bereut.

Quelle: RP
 
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