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Erkelenz
Meisterhaftes eines Unbekannten

Erkelenz: Meisterhaftes eines Unbekannten
Das G.A.P. Ensemble mit den Musikern Emilio Percan, Luca Quintavalle und Oriol Aymat Fusté (v.l.) begeisterte mit seinen subtilen Interpretationen das Publikum beim Konzert in der Stadthalle. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Das G.A.P. Ensemble war zu Gast beim vierten Erkelenzer Meisterkonzert. Der Name des Trios verweist auf Giovanni Antonio Piani, einen Komponisten und Virtuosen des 18. Jahrhunderts, den die Musiker neu entdeckt haben. Von Angela Wilms-Adrians

Ein rotes antikes Cembalo war der Augenfänger zum vierten Erkelenzer Meisterkonzert in der Stadthalle. Doch im sympathisch unprätentiösen Auftreten und grandiosen Spiel setzten die drei Virtuosen des G.A.P. Ensembles ausschließlich auf die wunderbare Aura der instrumentalen Barockmusik.

Der zunächst geheimnisvoll anmutende Ensemblename ist rasch erklärt: Die Initialen beziehen sich auf den italienischen Geigenvirtuosen Giovanni Antonio Piani, dessen Werk im 18. Jahrhundert gefeiert wurde, später aber in Vergessenheit geriet. Ensemblemitglied Emilio Percan entdeckte es in Archiven wieder und bezauberte im Trio damit das Publikum.

Zudem stellten er sowie Oriol Aymat Fusté (Barockvioloncello) und Luca Quintavalle am Cembalo Werke von Heinrich Ignaz Franz von Biber, Alessandro Scarlatti sowie von dessen Sohn Domenico und Nicolas Chédeville vor. Jeder der beiden Konzertteile endete mit Kompositionen des Namenspatrons, auf dessen Schaffen auch für die Zugaben als Dank für den überaus herzlichen Beifall zurückgegriffen wurde.

Behutsam war die Werkauswahl auf das Weihnachtsfest angelegt. Von den Rosenkranz-Sonaten von Biber wurden die ersten drei ausgewählt: Mariae Verkündigung, Mariae Besuch bei Elisabeth und die Geburt Christi. Dazu passte thematisch Domenico Scarlattis Sonate "Pastorale". Zum Einstieg bewiesen die drei aus Spanien und Italien stammenden Künstler sogleich ihre Qualität. Violinist Percan brillierte mit virtuosen Läufen, Quintavalle gestaltete den Cembalopart ungemein subtil, während Fustés Cellospiel das Ganze im warmen Ton vollendet abrundete.

Zu Bibers Sonaten, von denen die erste der aufgeführten in der Standardstimmung geschrieben ist, erklärte Percan die vom Komponisten vorgeschriebene Skordatur. Diese verlangt das Umstimmen einzelner Saiten. Tatsächlich überraschte die so ungewöhnliche Klangfarbe der Violine.

Das Gros der aufgeführten Werke ist für Violine und Basso Continuo bestimmt, Alessandro Scarlattis Sonate C-Dur Nr. 3 aber für Cello und Basso Continuo. Dazu entfaltete Fusté ein reich differenziertes Spiel von berührender Intensität, mit unendlich feinen Nuancen, aber auch pointierten, fast übermütigen Einsätzen zur filigranen Begleitung des Cembalos.

Auch dieses Mal hielt das Programm aufschlussreiche Informationen bereit. Hinter der Veröffentlichung von Nicolas Chédevilles Sonate "Il Pastor Fido" stehe eine Betrugsgeschichte, war dort zu lesen. Der Komponist habe das Werk unter dem Namen des berühmten Venezianers Vivaldi veröffentlicht, um vermutlich den eigenen Musikstil aufzuwerten. Was auch immer Chédevilles Beweggründe gewesen sein mögen, sein Werk ist gelungen. Das Trio kristallisierte grandios diese Schönheit heraus. Beinahe feurig und dabei doch leicht anmutend, servierte es den raschen Satz mit seinen virtuosen Anforderungen. Bis ins feinste Pianissimo nahm es die dynamischen Entwicklungen der Pastorale zurück und brillierte im abschließenden Allegro.

Das Finale gehörte natürlich G.A.P., also Piani. Nach dieser Darbietung dürften die Besucher dankbar gewesen sein, dass die schöne Musik nicht auf immer verloren gegangen ist.

Quelle: RP
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