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Erkelenz
Modell von Brunnen mit Fluchtkammern

Erkelenz: Modell von Brunnen mit Fluchtkammern
FOTO: Schuler/LVR
Erkelenz. Forscher haben einen Brunnen mit Geheimverstecken nachgebaut, der auf Erkelenzer Stadtgebiet an einer römischenVilla aus dem 3. Jahrhundert entdeckt worden war. Beim Tag der Archäologie wird der Nachbau erstmals präsentiert. Von Willi Spichartz

Archäologisch gesehen ist Erkelenz ein Quell für alte und uralte Brunnen: Nach dem mehr als 7000 Jahre alten Kückhovener Brunnen wurde jüngst bei Borschemich (alt) ein römerzeitlicher Brunnen entdeckt, dessen Besonderheit einige in dreieinhalb Metern Tiefe eingegrabene Fluchtkammern sind. Ein Modell dieses Erdwerks kann am Samstag, 2. Juli, beim Tag der Archäologie des Landschaftsverbands Rheinland in der Außenstelle Titz-Höllen besichtigt werden. Dort werden außerdem weitere Grabungsergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der nun nachgebaute Brunnen war einer von fünfen, die zu einem großen römischen Landgut bei Borschemich gehörten und war in Holz-Blockbauweise ausgeführt, hatte ein Walmdach und war etwa sieben Meter tief. Vermutlich im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurden die Fluchtgänge und Fluchtkammern gegraben, die nur durch den Brunnenschacht zu erreichen waren, in dessen Wand dazu ein Zugangsloch in mehr als drei Metern Tiefe ausgeschnitten war, das von oben nicht zu sehen gewesen ist. Die Decke des Fluchtstollens war spitzgiebelig gearbeitet und rund 2,10 Meter hoch. Durch diese Form war der Stollen vor Einsturz gesichert. Der Niederrhein gehörte bis zum Ende des römischen Reichs um das Jahr 500 zu dessen Provinz Niedergermanien, die zunehmend von vor allem fränkischen Völkern angegriffen wurde.

Professor Dr. Jürgen Kunow als Leiter des Amts für Bodendenkmalpflege des LVR und Beiratsmitglied in der Stiftung Archäologie im Rheinischen Braunkohlenrevier, die Ausgrabungen und wissenschaftliche Bearbeitungen von Bodendenkmälern im Jahr mit rund einer halben Million Euro unterstützt, wies gestern im Vorfeld des Tages der Archäologie auf die reiche Fundkulisse der Region hin. Die durch die drei Braunkohlentagebaue Inden, Hambach und Garzweiler begründeten Funde seien ziemlich einmalig in Europa, gleichzeitig gingen davon zahlreiche verloren.

Dr. Udo Geilenbrügge stellte als Leiter der Titzer Außenstelle das Programm der samstäglichen Traditionsveranstaltung vor, bei der auch für Spannung gesorgt ist: Restauratorin Stella Oppl wird eine 2800 Jahre alte Urne öffnen, die in einem Gräberfeld aus der Bronze-Eisenzeit gefunden und bisher nur geröntgt worden ist. Die Aufnahmen versprechen reichhaltige Beigaben.

Mit Pendelbussen werden von Titz-Höllen aus zwei aktuelle Grabungen angefahren, die beide bei Inden-Pier im Tagebau liegen. Bei der einstigen Kapelle Vilvenich wird deren eventuell karolingische Geschichte erforscht. Nicht weit davon wird eine hochmittelalterliche Siedlung aus dem 13./14. Jahrhundert besucht, die mit einem massiven Stein-Wehrturm und tiefen Gräben bestückt ist. Die Busse fahren zwischen 10 und 16 Uhr.

Weiterhin stehen im eisenzeitlichen Dorf in Titz-Höllen die Vorstellung von Forschungsprojekten, Lesungen aus historischen Romanen, archäologische Filme, die historische Schmiede, weitere Funde, Imkerarbeiten und Korbflechter an. Kinder können töpfern, weben, ausgraben und Schmuck herstellen.

Speisen kommen aus der mittelalterlichen Klosterküche und Pizzen aus dem Lehmofen im Dorfgarten, aus der Jetztzeit vom Kölner Italiener.

Quelle: RP
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