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Erkelenz
Mohammad möchte barrierefrei leben

Erkelenz: Mohammad möchte barrierefrei leben
Die Treppen im Harf-Haus sind ein Hindernis für den jungen syrischen Rollstuhlfahrer. Diakoniemitarbeiterin Heidi Breidt kümmert sich um Mohammads Anliegen. FOTO: Jörg Knappe
Erkelenz. Der Zwölfjährige ist mit seinem Vater aus Syrien geflohen - als Rollstuhlfahrer. Derzeit leben beide im Erkelenzer Harf-Haus, das alles andere als behindertengerecht gebaut ist. Gesucht wird nun eine kleine barrierefreie Wohnung. Von Anke Backhaus

Mohammad hört aufmerksam zu. Dabei lächelt er herzlich. Und dann kommt ein leises, aber verständliches "Guten Tag" über seine Lippen. Allzu selbstverständlich ist es nicht, dass sich der Zwölfjährige so seiner Umwelt mitteilt. Denn Mohammad Fares Thalja, ein Junge aus Syrien, leidet an einer speziellen Form der spastischen Lähmung. Seit einiger Zeit lebt er zusammen mit seinem Vater Zeyad Thalja (46) im Harf-Haus an der Südpromenade.

Man muss kein Experte sein, um zu erkennen, dass die Wohnsituation von Vater und Sohn alles andere als praktisch ist. Im hinteren Teil des Hauses bewohnen sie ein kleines Zimmer. Wegen des Rollstuhls, auf den Mohammad angewiesen ist, ist nicht nur das Zimmer zu klein, sondern die Rahmenbedingungen im Harf-Haus für beide so gut wie unmöglich.

Zeyad und Mohammad bekommen Besuch von Heidi Breidt. Sie ist Diakoniemitarbeiterin der evangelischen Kirchengemeinde Erkelenz. "Was wir dringend für beide suchen, ist eine barrierefreie Wohnung im Zentrum von Erkelenz. Sie sollte 65 Quadratmeter groß sein und ohne Wohnberechtigungsschein zu mieten sein. Nach der Prüfung durch das Sozialamt übernimmt die Stadt Erkelenz die Miete", erzählt Heidi Breidt die nüchternen Fakten. Und weiter: "Ganz besonders die sanitären Einrichtungen in der Notunterkunft sind für die Pflege des Jungen äußerst ungeeignet." Vater und Sohn müssen nämlich ins Johanniter-Stift gehen, um den Jungen duschen zu können. Damit ist klar, was neben der Barrierefreiheit der neuen Wohnung am allerwichtigsten ist - diese Wohnung sollte über eine Dusche und Toilette verfügen, die behindertengerecht sind.

Und dann erzählt Zeyad Thalja. Der 46-Jährige spricht fließend Englisch. "Seit drei Monaten sind wir nun in Deutschland. Ich bin sehr dankbar, wie gut mein Sohn und ich hier aufgenommen wurden. 15 Tage haben wir für unsere Flucht von Syrien gebraucht. Über den Seeweg. Es war sehr schwierig, aber viele Menschen haben uns geholfen." Der Mann spricht offen, wird nachdenklich. Nicht ohne Grund, denn in Syrien sind noch seine Frau und vier weitere Kinder. Mohammad ist das älteste Kind. Zeyad wünscht sich nichts sehnlicher, als dass seine Familie so schnell es geht auch nach Deutschland kommt. Den einzigen Kontakt zueinander stellt das Handy her.

Dann erzählt er, wie die Lage in Syrien ist. "Ich habe Jura studiert, zuletzt bei einer Versicherung gearbeitet. Die Gefahrensituation im Krieg stellt sich jeden Tag anders dar. Das ist schlimm. Jeder Mensch braucht doch einen friedlichen Platz, um zu leben. Syrien ist gut für uns - wenn Frieden wäre." Ganz abgesehen von der medizinischen Versorgung für Mohammad, die es praktisch dort gar nicht mehr gibt. Zeyad Thalja blickt wieder zu seinem Sohn. "Mohammad liebt Bücher und mit dem Ball zu spielen", sagt er.

Wer Vater und Sohn eine Wohnung zur Verfügung stellen kann, melde sich bei Heidi Breidt, Telefon 02431 960611, E-Mail: breidt@ev-kirche-erkelenz.de

Quelle: RP
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