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Erkelenz
Muntere Sprünge durch die Musikgeschichte

Erkelenz: Muntere Sprünge durch die Musikgeschichte
Wolfram Goertz hilft beim Musikhören. FOTO: Endermann (Archiv)
Erkelenz. Zum vierten Mal gastierte Wolfram Goertz, Musikredakteur der Rheinischen Post, mit der Vortragsreihe "Betreutes Hören" in Erkelenz. Von Mario Emonds

Zwei vor, eins zurück oder auch mal drei vor, zwei zurück - so kennt man's von der berühmten Echternacher Springprozession. Eine Art musikalische Variante davon kredenzte Wolfram Goertz gut 120 Zuschauern im Alten Rathaus in Erkelenz. In seinem Hörprogramm "So schön kann Liebe sein - von Wolfgang Amadeus Mozart bis Joe Cocker" flog der Musikredakteur der Rheinischen Post nur so durch die Jahrhunderte, begann in der ganz jungen Vergangenheit mit Kylie Minogues und Jason Donovans Popschnulze "Especially for you", ging danach zu Mozarts Zauberflöte ins 18. Jahrhundert zurück, eilte von dort zu Elis Regina - und damit ins Brasilien des 20. Jahrhunderts.

So ging es munter weiter - ganz gemäß seiner Ankündigung. "Es wird ein Abend der großen Sprünge", hatte er zu Beginn der vierten Auflage seines "Betreuten Hörens" gesagt. Nach dem Wagner-Abend (2013), "Lieder, die die Welt bedeuten" (2014) und "Die Bestenliste des lieben Gottes" (2015) machte Goertz auf Einladung des Heimatvereins der Erkelenzer Lande auch mit seinem vierten Hörprogramm wieder in Erkelenz Station. Auf der weiteren Tourliste standen oder stehen Düsseldorf, Mönchengladbach und Viersen - so wie immer. Und wie gewohnt ist Goertz auch diesmal wieder für die gute Sache unterwegs: Der Erlös seiner kleinen Tournee kommt der Interdisziplinären Musikerambulanz am Universitätsklinikum Düsseldorf zugute, die Goertz mit ins Leben gerufen hat.

In den kurzweiligen zwei Stunden ohne Pause sparte Goertz, gebürtiger und bekennender Mönchengladbacher, nicht mit fachkundig-witzigen Kommentaren - inklusive koketter Selbstironie: "Konzentrieren Sie sich beim Hören auf die Musik - man wird ja nicht so leicht durch einen Blick auf mich abgelenkt." Oder wenn er schelmisch empfahl: "Geben Sie nicht allzu viel auf Kritiker."

Wo seine eigenen musikalischen Vorlieben liegen, das wurde bereits mehr als deutlich beim zweiten der insgesamt 14 erläuterten und danach abgespielten Stücke. Als das Duett Papageno/Papagena aus Mozarts Zauberflöte erklang, schaute Wolfram Goertz nicht mehr ins Publikum, sondern sang in sich versunken die Partitur leise mit - das war nicht fürs Publikum inszeniert, sondern echte Ergriffenheit und Begeisterung. Kurz vor Schluss ließ Goertz dann auch die Katze aus dem Sack: "Ich habe zwei Hausgötter, die sich nix tun: Mozart und Bach."

Und weil Letzterer bis dahin noch nicht zu Gehör gekommen war, schloss Goertz diese Lücke mit einer Violinsonate des großen Meisters, in der Violine und Cembalo wie ein Liebespaar harmonisch zueinander finden. Einen anderen Komponisten, der gemeinhin auch zur Champions League gezählt wird, watschte der Musikexperte Wolfram Goertz bei der Gelegenheit dagegen deftig ab: "Vivaldi wird grotesk überschätzt." Weit mehr Wohlwollen brachte der Musikkritiker da für das vorletzte Stück des Abends auf, eine mutige Adaption von Händels' Messias samt dessen Hallelujah, das Produzent Quincy Jones quasi durch den Fleischwolf dreht. "Das sind Böllerschüsse der Freude an den lieben Gott", merkte Goertz entzückt an.

Dass er zuvor beim Abspielen von "Pur ti miro" aus Monteverdis Oper "Krönung der Poppea" nach der erläuternden Einführung kurz den Raum verließ, war nicht etwa auf mangelnde Wertschätzung des Werks oder seiner Zuhörerschaft zurückzuführen. Der Grund war ein höchst pragmatischer: "Ich muss dringend mal meinen Vater anrufen", bekannte Goertz - und stapfte nach draußen.

Quelle: RP
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