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Erkelenz
Museum zur Schule gebracht

Erkelenz. Fünf weiterführende Schulen aus Nordrhein-Westfalen wurden für einen Besuch des Jüdischen Museums Berlin ausgesucht: Gestern hat dessen Museumsbus in Erkelenz Station an der Städtischen Hauptschule gemacht. Von Daniela Giess

Eine Verbindung aus Wasser und Fett. Die erste Hautcreme mit langanhaltender Wirkung, der Name abgeleitet vom lateinischen Wort für Schnee. Jeder kennt sie: Nivea. Als gestern drei Museumspädagogen des Jüdischen Museums Berlin Station machen in der Städtischen Hauptschule, informieren sich Saskia Göttges, Sarah Schwabe und Jessica Gorbatenko für ein Kurzreferat über den Erfinder der legendären Creme in der blauen Dose. Oscar Troplowitz habe sie 1911 entwickelt, berichtet Saskia Göttges, er sei Jude gewesen.

Im Religionsunterricht mit der evangelischen Pfarrerin Anne Mischnick wurden die drei Mädchen aus der Klasse 6 c und ihre Mitschüler vorbereitet auf den weit gereisten Besuch aus Berlin. "Total stolz" sei sie, erzählt die Pfarrerin, auf die Berücksichtigung der Bewerbung unter zahlreichen Einsendern – nur fünf weiterführende Schulen aus ganz Nordrhein-Westfalen seien ausgewählt worden.

Knallrote Ausstellungswürfel

Die mobile Ausstellung des Jüdischen Museums, die Tanja Kinzel und ihr Kollege Johannes Schwarz aufgebaut haben, besteht aus fünf knallroten Würfeln mit integrierten Vitrinen, die ausgewählte Exponate aus dem Museum enthalten: einen siebenarmigen Leuchter, eine Kopfbedeckung, die Kippa heißt, einen jüdischen Kalender, eine kleine Gebetsrolle, die man Tora nennt. Die Würfel sind robust. Man kann auf ihnen sitzen, sie drehen, dabei die mitgebrachten Objekte selbstständig entdecken.

Ein paar Klassenzimmer weiter erarbeiten Schüler in einem Workshop mit Horst-Peter Gerlich neun Biografien. Jüdische Kindheit und Jugend nach 1945 steht dabei im Mittelpunkt: zum Beispiel die des deutsch-russischen Schriftstellers Wladimir Kaminer ("Russendisko", "Schönhauser Allee"). Aufgewachsen in Moskau, arbeitet der bekannte Autor heute in Berlin, wo er im Szenebezirk Prenzlauer Berg eine neue Heimat gefunden hat.

Sechstklässler nehmen auf den Ausstellungswürfeln Platz, lassen sich von Museumsmitarbeiter Johannes Schwarz erklären, dass Adolf Hitler zunächst als Kunstmaler völlig erfolglos gewesen sei. Daraufhin sei er in die Politik gegangen und habe den Juden zunächst "das Leben schwer gemacht": "Sie durften zum Beispiel in den Geschäften nur noch zwischen drei und vier Uhr einkaufen."

Patrick Skavinski und Tobias Pangels haben sich mit dem Museumsgebäude in Berlin-Kreuzberg beschäftigt. Es habe eine Zickzack-Form als Symbol für jüdisches Leben, das auch nicht immer in geraden Bahnen verlaufe und mit vielen Schwierigkeiten verbunden sei. Saskia Göttges und ihre Mitschüler haben abschließend einen Wunsch: "Das Jüdische Museum in Berlin besuchen, das wäre toll."

Quelle: RP
 
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