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Erkelenz
Musik voller Schmerz, Trauer, Hoffnung

Erkelenz: Musik voller Schmerz, Trauer, Hoffnung
Kantor Stefan Emanuel Knauer leitete die heute selten gespielte Markuspassion von Reinhard Keiser in der Fassung von Johann Sebastian Bach in der Erkelenzer Pfarrkiche St. Lambertus. Gesangssolisten und Musiker der Philharmonie Düsseldorf überzeugten mit eindrucksvoller Interpretation. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Die ausdrucksvolle Gestaltung von Keisers "Markuspassion" in Bachs Fassung war von berührender Intensität. Kantor Stefan Emanuel Knauer dirigierte in St. Lambertus acht Oratorien-Sänger und die Philharmonie Düsseldorf. Von Angela Wilms-Adrians

Die Tradition der Karfreitagskonzerte in der Pfarrkirche St. Lambertus ist noch nicht allzu alt, wird aber bereits sehr gut angenommen. Viele Besucher waren gekommen, um den stillen Feiertag gehaltvoll ausklingen zu lassen. Sie erlebten eine Aufführung, deren eindrucksvolle Interpretation von Musikalität und Spiritualität getragen war.

Christkönig-Kantor Stefan Emanuel Knauer hatte mit Reinhard Keisers "Markuspassion" in der Fassung von Johann Sebastian Bach ein selten aufgeführtes Werk ausgewählt, das er sehr schätzt. Für die Aufführung hatte Knauer acht erfahrene Oratoriensänger, unter ihnen der Kollege und Bariton Manfred Bühl, sowie die Philharmonie Düsseldorf um sich gesammelt.

In einer dem Programm beigefügten Erläuterung stellt Bühl fest, dass in der Musikwissenschaft Uneinigkeit bezüglich Keisers Autorschaft herrscht. Pfarrer Werner Rombach griff in der Begrüßung diesen Hinweis auf. Er betonte, dass diese Frage für das Erleben nicht so entscheidend sei als vielmehr die musikalische Ausdeutung des biblischen Passionstextes.

Rombach bat die Zuhörer, die Aufführung als Hinführung zum Osterfest zu verstehen und auf den Schlussapplaus zu verzichten. Tatsächlich erinnerten sich nach dem 90-minütigen Passionskonzert alle Besucher an die stumm gegebene Zustimmung und dankten den Künstlern durch die respektvolle, stille Geste des Erhebens.

Denn Anerkennung hatten die Interpreten Susan Kuhlen und Dorothee Wohlgemuth (Sopran), Katharina Georg und Mechthild Georg (Alt), Patrick Brandt und Fabian Strotmann (Tenor) sowie Manfred Bühl und Wolfgang Georg (Bass) wahrlich verdient. Tenor Strotmann gestaltete hochkonzentriert und eindrucksvoll die Partien des Evangelisten. Dank seiner durchweg klaren Artikulation waren die Texte sehr gut verständlich. Strotmann wechselte feinsinnig zwischen schlichtem Ausdruck und behutsam dosierten dramatischen sowie besinnlichen Momenten. In kunstvoll gestalteter Dynamik nahm er seine gut tragende Stimme bis hin zum transparent anmutenden Piano zurück.

Bei Manfred Bühl war die Rolle des Jesus sehr gut aufgehoben. Auch er überzeugte in klarer Artikulation sowie in einfühlsam gestalteten Arien. Seine Stimme strahlte Wärme aus und wurde im Ausdruck den Facetten von Jesu Vorwurf an die schlafenden Jünger bis zum erlösenden Tod gerecht. In zerbrechlich scheinender Schönheit ließ Mechthild Georg die Aria "Was seh' ich hier, ist dies mein Auserwählter" als eindrucksvollen Gegenpol zu den Partien über Spott und Hohn sanft erstrahlen.

In der Philharmonie Düsseldorf hatten Sängerinnen und Sänger einen einfühlsam agierenden Partner, der versiert die musikalisch-rhetorischen Figuren der Klage ausführte, im fein bewegten Spiel mitunter aber auch schon die Vorfreude auf die Auferstehung ahnen ließ. Zu Choral und Chorus vereinten sich die acht Solisten zur homogenen Chorgemeinschaft.

In nachfolgenden Einsätzen gestalteten sie lebendig die Empörung des aufgehetzten Volkes, expressiv die kurzen Rufe "Kreuzige ihn". Innig und weich hingegen stimmten sie den Choral "So gehst du nun mein Jesus" an.

Die Markuspassion schließt mit einem "Amen". Die Oratoriensänger ließen dieses "Amen" sanft leuchten, einem Versprechen gleich, das Hoffnung schenkt. Passend zum kommenden Osterfest.

Quelle: RP
 
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