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Erkelenz
Mutig und doch bescheiden

Erkelenz. Der Heimatverein der Erkelenzer Lande bewahrt Dechant Emonds aus Terheeg, der Verfolgten während der NS-Zeit half, mit einem Vortrag vor dem Vergessen. Zudem regt er an, zur Erinnerung eine Straße nach ihm zu benennen. Von Thomas Mauer

Beim dritten und letzten Vortrag über Erkelenzer, die nach Ansicht des Heimatvereins aus dem Blick geraten sind, stand ein Mann im Mittelpunkt, dessen Angehörige zahlreich verfolgten, wie über ihren Onkel berichtet wurde. Bei der Vorstellung des Gastredners hatte Hubert Rütten vom Heimatverein die Frage gestellt: "Joseph Emonds – vergessen?"

Der Euskirchener Sozialwissenschaftler und Regionalhistoriker Hans-Dieter Arntz bestätigte bei der Würdigung von Dechant Emonds, dass dieser selbst in Euskirchen, seinem letzten Wohnort, zumeist in Vergessenheit geraten sei. Dabei habe der in Erkelenz-Terheeg geborene Geistliche viel für Verfolgte während des NS-Regimes getan.

Die Menschen kennengelernt

Augenfällig war nach Ansicht von Arntz, der den Dechant einmal persönlich getroffen hatte, dessen starke Religiosität, aber auch die Bescheidenheit, die ihn stets im Hintergrund gehalten habe. Als junger Vikar, mit einer Ausbildung in Aachen, war Emonds zunächst in Dormagen, dann in Köln-Ehrenfeld tätig. Dort lernte er die Armut der Menschen kennen, die einmal seine Hilfsbereitschaft forderte, andererseits ihn aber auch zu einem politisch linksstehenden Menschen formte.

Vom Kölner Klerus "weggelobt" war Essen-Steele sein nächster Wirkungskreis, der ihn mit Menschen wie Gustav Heinemann in Kontakt brachte. Seine politische Offenheit ermöglichte es Emonds, sowohl mit dem Protestanten Heinemann als auch mit einem Funktionär der Düsseldorfer Gestapo-Leitstelle, einem Freund aus Studientagen, in Verbindung zu bleiben.

Diese Offenheit und die damit verbundenen Äußerungen wurden jedoch von den Staatsorganen zunehmend mit Argwohn beobachtet. Zu seinem eigenen Schutz versetzte man den Vikar in die Eifel, um ihn aus der "Schusslinie" zu ziehen. In Kirchheim änderte sich die Betätigung Emonds', nicht aber seine Einstellung.

Den Menschen geholfen

Mit Hilfe des Gestapo-Funktionärs, zu dessen Entnazifizierung er nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich beitrug, erhielt der Gottesmann Listen mit gefährdeten Menschen in der Region, die auf diese Weise vorsorgt werden konnten. "Es waren nicht 600, wie oft behauptet", stellte Arntz klar, "aber es waren einige." Zum Husarenstück geriet eine Aktion in der letzten Kriegszeit, als Joseph Emonds in seinem Haus Juden versteckte, während im Erdgeschoss die Gestapo residierte.

Im an den Vortrag anschließenden Gespräch wurde besonders die Offenheit im Denken von Dechant Emonds betont, eine Haltung, die nicht nur zur damaligen Zeit als sehr ungewöhnlich geschätzt wurde.

(RP/rl)
 
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