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Erkelenz
Neue Heimat für Kreuzigungsgruppe

Erkelenz: Neue Heimat für Kreuzigungsgruppe
FOTO: Laaser, Jürgen (jl)
Erkelenz. Die knapp zweijährige Sanierung der Venrather Kirche St. Valentin sieht ihrer Vollendung entgegen. Ein Meilenstein war dabei die Montage der restaurierten Kreuzigungsgruppe aus der entwidmeten Kirche St. Lambertus in Immerath (alt). Von Mario Emonds

Der elektrische Seilzug leistet ganze Arbeit: In knapp fünf Minuten hat er im Chorbogen der Venrather Kirche St. Valentin die Kreuzigungsgruppe vom Boden aus in sieben Meter Höhe auf den Gerüstboden befördert. Dort ist ein mit Holz verkleideter Stahlträger montiert worden, um der aus der Kirche St. Lambertus in Immerath (alt) stammenden 3,40 Meter hohen und 2,50 Meter breiten Kreuzigungsgruppe aus dem Jahr 1892 eine neue Heimat zu geben.

Seit November 2014 hatte diese ihr zwischenzeitliches Zuhause im Atelier der Diplom-Restauratorin Diana Grass in Leverkusen-Opladen. "Wir haben die Kreuzigungsgruppe in erster Linie konservatorisch behandelt, haben sie von Verkrustungen und Staub befreit", erläutert Grass und schaut interessiert den folgenden Arbeiten zu.

Dabei ist Muskelkraft gefragt - den letzten Meter müssen die Gottesmutter Maria und der Apostel Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, manuell auf den Stahlträger gewuchtet werden. Als erstes ist Johannes dran, es folgt Maria - beide jeweils rund 100 Kilogramm schwer. "Maria und Johannes nennt man kunsthistorisch die Assistenzfiguren", erläutert fachkundig Rainer Merkens von der Gemeinde St. Valentin. Der packt ebenso kräftig mit an wie die Architekten Dr. Arno Lennartz und sein Sohn Carsten, deren Büro mit der Sanierung der Kirche beauftragt worden ist.

Der letzte Gottesdienst im Immerather Dom FOTO: dpa, Oliver Berg

Im Juli 2013 hatten die Arbeiten mit dem Ausräumen des Kirchenmobiliars begonnen. Ursprünglich sollten sie Ostern 2014 abgeschlossen sein. Warum das nun ein gutes Jahr länger dauert, erläutert Arno Lennartz: "Die Risse im Gewölbe und im Turm waren weit gravierender als gedacht. Schnell war daher klar, dass wir mit einer Teilsanierung nicht hinkommen."

Um keine bloße Flickschusterei zu betreiben und um vor allem auch zu vermeiden, dass in wenigen Jahren die Kirche erneut saniert werden muss, wurde die "große Lösung" beschlossen. Die schlägt mit rund 1,7 Millionen Euro zu Buche - und damit nur um rund 200 000 Euro weniger als die aufwändige Sanierung des Erkelenzer Lambertiturms.

"Die Finanzierung ist aber gesichert", versichert Merkens. Das Bistum Aachen beteilige sich daran in differenzierter Art und Weise. "Das Bistum übernimmt mal 60 Prozent der Kosten, mal 70 Prozent und mal null Prozent - je nach Dringlichkeit der Maßnahmen."

Zu letzteren gehören die bereits erfolgten - und dringend erforderlichen - substanzerhaltenden Arbeiten. Dazu zählen die Fundamentisolierung gegen aufsteigende Feuchtigkeit, die Natursteinsanierung der Kirchenfenster infolge brüchigen Materials, die Gewölbesanierung wegen der Risse und die Dachstuhlsanierung aufgrund von Holzfäulnis. "Und auch die Glocken können nun wieder geläutet werden, da die Schwingungsmessungen nach der Sanierung gute Ergebnisse gebracht haben", berichtet Arno Lennartz.

Das ist die neue Kapelle St. Lambertus in Immerath (neu) FOTO: Jürgen Laaser

Neu erstellt worden ist eine Rampe mit Freifläche vor dem rechten Seiteneingang, um einen barrierefreien Zugang zur Kirche zu ermöglichen. In Folge der Arbeiten an den Gewölberissen wurde zudem ein neuer Anstrich erforderlich. Die Untersuchung der vorhandenen Anstrichschichten ergab, dass insgesamt sechs Ausmalungen stattgefunden haben. "In enger Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde, der Bauabteilung des Bistums Aachen und der Denkmalpflege haben wir uns entschieden, die Erstausmalung aus dem Jahr 1868 für die neue Ausmalung zugrunde zu legen", erläutert Arno Lennartz.

Genau daran wird nun noch gearbeitet. "Mit dem Fortschritt der Ausmalung können dann nach und nach die Gerüste abgebaut werden", sagt Lennartz. Als eine der letzten Maßnahmen werde im Mai eine neue Beleuchtung installiert. Statt der bisherigen Pendellampen werden dann Strahlenkränze das Mittel- und Seitenschiff von St. Valentin erhellen.

Quelle: RP
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