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Erkelenz
Neue Unterkünfte für Flüchtlinge

Erkelenz: Neue Unterkünfte für Flüchtlinge
In Neuhaus, am östlichen Stadtrand von Erkelenz gelegen, wird eine neue Unterkunft für Asylbewerber errichtet. Ein bisher dafür genutztes Gebäude aus den 1960er Jahren wurde dafür schon abgerissen (rechter Bildrand). FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Erkelenz muss auf den "sprunghaften Anstieg" der Flüchtlingszuweisung seit Jahresbeginn reagieren und plante vier neue Unterkünfte. Von Andreas Speen

549 Flüchtlinge hat Erkelenz im Vorjahr neu aufgenommen. Allein im Januar und Februar dieses Jahres werden es 345 neue asylsuchende Menschen sein. Prognosen für die folgenden zehn Monate dieses Jahres lassen sich nicht abgeben. Um den als sprunghaft zu bezeichnenden Anstieg bewältigen zu können, ist Erkelenz auf weitere Unterbringungen angewiesen. Donnerstagabend wurde darüber der Hauptausschuss informiert.

"Wir setzen bislang und weiterhin auf die dezentrale Unterbringung", erläuterte Dr. Hans-Heiner Gotzen, Erster Beigeordneter der Stadt. Derzeit leben 804 Flüchtlinge auf Erkelenzer Stadtgebiet, davon 25 in Hotels, 56 in stadteigenen Wohnungen, 80 in selbst gemieteten Wohnungen, 95 in von der Stadt gemieteten Wohnungen, 150 in Amtshilfe für das Land Nordrhein-Westfalen in Lövenich bei zwei Landwirten sowie 162 in Gerderath in einer Turnhalle und 236 in städtischen Übergangsheimen. "Der bisherige Weg ist nun jedoch nicht mehr ausreichend, um die noch zu erwartenden Flüchtlinge unterzubringen", erklärte Gotzen und nannte den Anstieg seit Dezember "sprunghaft" und "eine sehr deutliche Herausforderung".

Diese Situation eint Erkelenz mit anderen Städten, indes muss die Lösung der Aufgabe eigenständig erarbeitet werden. Wie sie aussehen soll, stellte Hans-Heiner Gotzen der Politik vor: "Wir schlagen an drei Standorten im Stadtgebiet vor, Mietcontainereinheiten für bis zu 80 Personen zu errichten. Sie sollen in Orten größer als 2000 Einwohner, also in Gerderath, Kückhoven und Lövenich sowie in Erkelenz-Mitte, auf stadteigenen Liegenschaften aufgestellt werden." Sollten die aufgrund einer weiter steigenden Flüchtlingszahl nicht reichen, würde die Stadt an die nächst kleineren Orte herantreten. "Die Stadt ist insgesamt in ihrem Gebiet gefordert", betonte Gotzen. Seines Erachtens könne mit diesem Vorgehen die Unterbringung der Hilfesuchenden für alle Seiten verträglich geschehen.

Parallel zum noch nicht terminierten Aufbau der Mietcontainereinheiten, für welche der Stadtverwaltung schon Angebote vorliegen, werden die beiden Unterkünfte bei Landwirten in Lövenich geräumt. Zum einen läuft zum Monatsende das Amtshilfeersuchen aus, zum anderen werden die Gebäude wieder für Erntehelfer benötigt; eines jedoch erst zwei Monate später, so dass die Stadt auf dieses solange noch für die Flüchtlingsunterbringung zurückgreifen kann. Ebenfalls aufgelöst werden soll parallel die Unterbringung in der Gerderather Turnhalle. Gotzen zufolge soll diese nur kurzfristig belegt bleiben.

Während die Mietcontainer nicht von Dauer sein sollen, will die Stadt zusätzlich zwei feste Gebäude errichten. Dem stimmten die Politiker mit großer Mehrheit zu. Bereits abgerissen wurde eine bisherige Unterkunft in Neuhaus. An ihrer Stelle wird zeitnah ein zweigeschossiger Neubau in Modulbauweise aus Holz errichtet. Ein zweites altes Gebäude soll im Laufe der zweiten Jahreshälfte auf dieselbe Art ersetzt werden.

Dass die Stadtverwaltung trotz der schnell steigenden Zahlen daran festhält, dezentrale Unterkünfte zu schaffen, lobte Rainer Merkens von der CDU: "Das ist ein guter Schritt auf dem Weg, die Flüchtlinge in Erkelenz gut integrieren zu können." Hans Josef Dederichs von den Grünen bat in diesem Zusammenhang darum, die Bezirksausschüsse und die Vereine in den Orten zügig einzubeziehen: "Wir sollten die Integration der Menschen über die Vereine in den drei Orten schnell vorantreiben."

Dass die drei Bezirksausschüsse bald schon einbezogen werden sollen, bestätigte Gotzen: "Sobald Klarheit über die Angebote für Mietcontainer herrscht, gehen wir auf die Gremien zu." Dann sei es auch an der Zeit, über die denkbaren Standorte zu sprechen: "Die Umsetzung des ersten Mietcontainerprojekts ist in einem Zeitraum von zwei bis drei Monaten realistisch."

Quelle: RP
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