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Erkelenz
Neues aus Herzforschung und Therapie

Erkelenz: Neues aus Herzforschung und Therapie
Dr. Klaus-Dieter Winter, Chefarzt der Kardiologie. FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Erkelenz. Zehn Tage nach dem Jahreskongress der deutschen Kardiologen lädt die Kardiologie am Erkelenzer Krankenhaus wieder Ärzte der Region zur Tagung ein. Live übertragen wird das Einsetzen einer selbstauflösenden Gefäßstütze. Von Angelika Hahn

Rund 200 Teilnehmer erwartet Chefarzt Dr. Klaus-Dieter Winter heute Nachmittag zur mittlerweile 14. Erkelenzer Kardiologie-Tagung. Wie jedes Jahr, möchte die Klinik für Kardiologie am Hermann-Josef-Krankenhaus zehn Tage nach dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) Ärztekollegen und medizinisches Fachpersonal aus Praxen und Kliniken der Großregion über Neues bei der Behandlung von Herzkrankheiten informieren.

Nach Beginn im kleineren Kreis findet die Tagung nun schon zum 9. Mal in der Stadthalle statt. Und wird zum 7. Mal mit einer Live-Übertragung aus dem Erkelenzer Herzkatheter-Labor aufwarten. Die ebenfalls, wie Winter gestern im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterte, mit einer interessante Neuheit aufwartet. Oberarzt Dr. Christian Memmesheimer wird einen neuartigen selbstauflösenden Koronarstent (Röhrchen, das Herzkranzgefäße offen hält) implantierten. Winter: "Seit knapp zwei Jahren werden diese Stents, die vor allem für jüngere Patienten eine gute Alternative zur Therapie mit klassischen Metallstents bieten, in Krankenhäusern eingesetzt, seit anderthalb Jahre auch hier in Erkelenz." Nach rund sechs Monaten habe sich eine solche Gefäßstütze aufgelöst. In der überwiegenden Zahl der Fälle sei anschließend unmittelbar keine weitere Stentbehandlung mehr nötig. Für seine Kollegen sei die Demonstration auch deshalb interessant, so Winter, weil selbstauflösende Stents eine andere Technik vom Operateur erfordern, wie live zu erleben sein wird.

Neu und besonders praxisorientiert sei diesmal auch ein EKG-Workshop zu Beginn der Tagung. Vier erfahrene leitende Kardiologen aus Kliniken in Düsseldorf, Lüdenscheid, Viersen und Würselen werden im Fachgespräch mit ihren Kollegen dabei "ans Eingemachte" der alltäglichen EKG-Befundung gehen, mit Hilfe aktueller Geräte, wie sie in jeder Praxis heute Standard sind. Aber auch das Alltagsgeschäft hat manchmal seine Tücken, weiß Winter. "Vorsicht ist geboten bei den Computerdiagnosen der Geräte, die nicht immer richtig sind." Da sei ärztliche Erfahrung unumgänglich.

Neben den Fachvorträgen zu Neuem aus Therapie und Forschung nutzt die Erkelenzer Kardiologie die Tagung natürlich auch wieder zu einer Vorstellung ihres Leistungsspektrums - und Neuem aus der eigenen Klinik. Thema Herzrhythmusstörungen. Hier sind Winter und sein Team beim Rückblick auf 2015 besonders stolz auf das neue Zertifikat als Fortbildungsstätte für die Behandlung mittels Invasiver Elektrophysiologie (Elektrische Herzkatheter), Herzschrittmachern und Defibrillatoren. Nur 95 (davon 80 Unikliniken) von insgesamt 700 Kardiologien in Deutschland verfügten über diese von der DGK bestätigte Qualifikation. Winter: "Da kann man ohne Übertreibung sagen: Wir zählen zu den Spezialisten im Bereich Herzrhythmusstörungen." Stichwort Qualitätskriterien: Bei einer ebenfalls von Fachgesellschaft unterstützten Analyse, die deutschlandweit die Zeitspanne von der Einlieferung ins Krankenhaus bis zur erfolgreichen Intervention bei Herzinfarkt bewertet, lag Erkelenz mit "41 Minuten von der Tür bis zur Gefäßöffnung" laut Winter deutlich über dem Mittelwertwert von 50 Minuten. Angesichts der Faustregel "Zehn Minuten kürzer retten ein Leben bei Herzinfarkt" sei das ein tolles Ergebnis.

Weitere Akzente aus der Kardiologie-Jahresbilanz: 4350 Patienten wurden 2015 stationär behandelt, eine Zahl, die nach deutlichem Anstieg bis 2013 seitdem in etwa gleich blieb. "Hier sind wir, was Personal und Bettenkapazität angelangt, auch am Limit unserer Möglichkeiten angelangt", sagt Winter, der zugibt, dass eine Konzentration auf schwerere Fälle da zwangsläufig nötig geworden ist. Mit 5,8 Tagen durchschnittlicher Liegezeit schneide Erkelenz im Vergleich zu den Kardiologien der Nachbarkliniken, die alle darüber liegen, gut ab. Um gleich nachzuschieben, dass dabei die berüchtigte "blutige Entlassung" natürlich kein Thema sei.

6191 Patienten versorgte die Kardiologie 2015 ambulant, 2410 ambulante Katheteruntersuchungen gab es, rund 100 weniger als 2014.

30 Prozent der Patienten kamen aus Erkelenz, 24 Prozent aus Hückelhoven, 11 Prozent aus Wegberg, acht Prozent aus Wassenberg, 18 Prozent aus dem übrigen Kreisgebiet und acht Prozent aus den Nachbarkreisen.

Das Thema Konkurrenz sieht Winter entspannt: Die Kardiologie arbeite gut mit den Internisten-Kollegen der Kreis Heinsberger Krankenhäuser zusammen, deren Patienten nach der Akutbehandlung meist in die Heimatkliniken zurückkehrten. Das gelte umgekehrt auch für die Herzchirurgie am Aachener Klinikum, der man 2015 70 Patienten überwiesen habe.

Quelle: RP
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