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Kolumne
Paradiesische Zeiten

Kolumne: Paradiesische Zeiten
FOTO: Macharski
Erkelenz. Das Finanzamt wird immer misstrauischer. Letztens fragten die mich, woher ich eigentlich das Geld habe, immer so viel Steuern zu bezahlen?! Die sind das offensichtlich nicht mehr gewöhnt, dass man seine Steuerpflicht nachkommt.

Erst recht, seit es ein neuer Leitfaden zur Steuerneutralisierung gibt namens "Paradise Papers". Das ist das Update von die Panama-Papers, wo letztes Jahr drin stand, dass ganz viele Millionäre und Prominente nebenbei Vorstandsvorsitzende von mittelamerikanische Briefkastenfirmas sind, für Steuern zu sparen. Die Empörung war groß - vor allem, weil sich viele geärgert haben, dass die nicht selbst auf die Idee gekommen waren, schließlich ist die Methode völlig legal.

Jetzt hätte man meinen können, dass diese Steuerschlupflöcher nach der Panama-Skandal umgehend gestopft wurden, aber nix ist passiert. Und deshalb geht mit die Paradise Papers jetzt das gleiche Spiel wieder von vorne los: "Was? Bono, der Weltverbesserer und Kämpfer gegen die Armut in der Welt, hinterzieht Steuern mit dubiose Briefkastenfirmas in Litauen?!" Blödsinn! Der Mann hinterzieht keine Steuern, der nutzt lediglich legale Gesetze, für sein Reichtum zu vergrößern, damit der noch besser gegen die Armut ansingen kann. Die Begriffe "legal" und "illegal" sind doch längst verschmolzen zu "scheißegal". Firmas wie Apple, Amazon oder Google bräuchten doch streng genommen gar kein Steuerberater mehr. Die beschäftigen ja schließlich auch kein Spielerberater, weil die nix mit Fußball zu tun haben.

Der Skandal ist aber nicht das Verhalten der Superreichen, sondern das Verhalten der Politiker, die die Gesetze nicht verändern. Und so sind wir ehrlichen, kleinen Leute auch in Zukunft dadrauf angewiesen, uns mit Schwarzarbeit, falsch abgerechnetes Kilometergeld und erfundene Arbeitszimmer über Wasser zu halten. Armes Deutschland.

Euer Hastenraths Will

Quelle: RP
 
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