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Erkelenz
Postboten-Azubis - zwischen Traumjob und Familientradition

Erkelenz: Postboten-Azubis - zwischen Traumjob und Familientradition
Christina Lutterberg (22) und Frankleen Jebanesan (20) sind Auszubildende bei der Deutschen Post und werden in Erkelenz eingesetzt. FOTO: Uwe Heldens
Erkelenz. Die Post ist dazu übergegangen, Auszubildende wohnortnah einzusetzen - in Erkelenz sind gerade zehn Azubis unterwegs. Von Andreas Speen

Den Eltern die Post bringen - für Frankleen Jebanesan aus Erkelenz ist das ein besonderer Moment. Er trägt ihnen die Briefe nicht ins Haus. Das machen viele Kinder. Er trägt ihnen die Post zum Haus. Das machen nur wenige Kinder. Der 20-Jährige ist Postzusteller im ersten Ausbildungsjahr und fährt zum ersten Mal den Zustellbezirk ab, in dem seine Eltern wohnen. Er freut sich auf den Moment, wenn er mit dem gelben Fahrrad und seiner Uniform um die Ecke biegt. Und seine Eltern werden sich ebenfalls freuen, hat in ihrer Familie der Beruf des Postboten doch eine Tradition. Jebanesans Opa hat ihn in Sri Lanka ausgeübt, sein Onkel ist Postzusteller in den USA.

Die Deutsche Post ist dazu übergegangen, Postboten nicht mehr an zentralen Standorten auszubilden, sondern wohnortnah. Deshalb sind derzeit in Erkelenz zehn Azubis als Brief- und Paketzusteller unterwegs. Im ersten Lehrjahr dürfen sie, nach einer Einarbeitungszeit, einen Postboten vertreten. Allerdings nur dessen halben Bezirk. Im zweiten Ausbildungsjahr bekommen sie ihren eigenen Zustellbezirk. Erkelenz und Mönchengladbach bilden für die Post eine Ausbildungsregion, in der die Azubis gemeinsam die Berufsschule besuchen und zur Zustellung eingesetzt werden können. Früher hätten sie nach Düsseldorf gemusst. "Wir bilden jetzt in der Region aus und haben damit den Radius der Ausbildungsbewerber erweitert", erklärt Britta Töllner, Pressesprecherin der Deutschen Post AG in Düsseldorf. Insgesamt werden bundesweit 2000 Ausbildungsplätze angeboten. Tendenz steigend - denn: "Wir haben Jahr für Jahr mehr Pakete zu verteilen, so dass wir stets neues Personal suchen."

Ebenso engagiert wie Frankleen Jebanesan ist Christina Lutterberg. Sie hat als Praktikantin begonnen, war Aushilfe und macht seit vergangenem Sommer die Ausbildung zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen. Sie wollte weder drinnen arbeiten, noch ohne Kontakt zu Menschen. Über ihren Cousin war die 22-Jährige dann auf den Beruf des Postzustellers gekommen. "Alles, was ich mir vorgestellt hatte, hat sich bisher bewahrheitet", sagt Christina Lutterberg.

Dass sich die Azubis in den Bezirken weniger auskennen, lösen sie ganz pragmatisch. Sie bekommen den Laufweg auf Zetteln beschrieben, quetschen morgens die Kollegen in der Zentrale an der Alfred-Wirth-Straße aus oder nehmen ihr Mobiltelefon zur Hand und lassen sich von Google-Maps helfen. Vermutlich würden ihnen aber auch die Bewohner ihres Zustellbezirks helfen. Christina Lutterberg erzählt: "Viele nehmen wahr, dass es nicht die Stammzusteller sind, die unterwegs sind. Darauf wird man angesprochen. Die Leute haben ihre Regelmäßigkeiten, zu denen der Stammzusteller gehört." Der werde geradezu gesucht, ergänzt Frankleen Jebanesan.

Zwei Jahre dauert die Ausbildung, die mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer endet. Danach würde Christina Lutterberg gerne noch ganz ander Zustellbezirke kennenlernen als in Mönchengladbach oder Erkelenz. Der 22-Jährigen schwebt das Ausland vor. Derzeit baut die Deutsche Post zum Beispiel in Polen und den Niederlanden ein eigenes Paketnetz auf. Sie stellt aber auch die Feldpostboten in den Bundeswehrcamps im fernen Ausland. Frankleen Jebanesan denkt da anders. Er würde gerne weiterhin in Erkelenz bleiben. Ob er dann seinen Eltern die Post ins Haus oder zum Haus bringt, das wird sich zeigen. Gute Chancen, von der Post übernommen zu werden, hat er jedenfalls, sagt Britta Töllner: "Derzeit werden alle geeigneten Azubis mit Führerschein in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis übernommen."

Quelle: RP
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