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Erkelenz
Preisverfall gefährdet Milchbauern

Erkelenz: Preisverfall gefährdet Milchbauern
Melken macht wirtschaftlich immer weniger Sinn. Darüber sprach Grünen-Landtagsabgeordnete Dr. Ruth Seidl (unten r.) unter anderem mit dem Lövenicher Landwirt Heribert Peters (unten l.). FOTO: Spe/Sey (Archiv)
Erkelenz. Grünen-Landtagsabgeordnete Seidl besuchte gestern bei Lövenich den Hof von Familie Peters. Mit Landwirten sprach sie dort über die Notwendigkeit, in der EU die Produktionsmenge von Milch zu begrenzen, um deren Höfe zu erhalten. Von Andreas Speen

Milchbauern fühlen sich in ihrer Existenz bedroht. Zusehend fällt der Milchpreis. Von der Bundespolitik fehlen ihnen die Signale, ihre Interessen in der Europäischen Union stärker zu vertreten. Sie kritisieren, wie unterschiedlich die Regelungen für die Landwirtschaft innerhalb der EU-Staaten sind. Der Preisverfall muss dringend gestoppt werden. Dazu muss europaweit die Produktionsmenge reduziert werden. Geschieht dies nicht, droht vielen Milchbauern das Aus. Dr. Ruth Seidl, die Landtagsabgeordnete der Grünen aus Wassenberg, besuchte gestern bei Lövenich den Hof von Brigitte und Heribert Peters, wo sie von ihnen und anderen Bauern aus der Region dieses Szenario aufgezeichnet bekam und diese Kritik hörte.

Alle Grünen-Landtagsabgeordneten aus Nordrhein-Westfalen waren am Dienstag unter der Überschrift "Milchbauern in der Krise unterstützen - Krisenursachen bekämpfen" unterwegs. Seidl stellte bei ihrem Besuch in Erkelenz fest, dass die Sorgen der Landwirte ähnlich den Sorgen der Grünen-Politiker in Land und Bund sind und dass die geforderten Maßnahmen ebenfalls in dieselbe Richtung gehen. Dieses die Grünen-Positionen stärkende Wissen werde sie mit in ihre Landtagsfraktion nehmen und ebenso an ihre Bundespartei weiterleiten, versprach Dr. Ruth Seidl. 2013/14 hätten die Milchbauern letztmals auskömmliche Milchpreise erzielt, berichtete Paul Rademacher, Milchviehhalter aus Aachen. Einem Hof mit 150 Kühen fehlten durch den seither fortschreitenden Preisverfall im Monat rund 25.000 Euro. Die aktuellen Hilfemöglichkeiten, wie günstige Darlehen, seien nur "als Tropfen auf den heißen Stein" zu bezeichnen: "Denn dieses Geld muss irgendwann zurückgezahlt werden. Wie wir das machen, ist den Banken egal." Gefallen ist der Milchpreis aufgrund verschiedener Faktoren, rief Seidl in Erinnerung: "Die EU ist weltweit der größte Milchproduzent und hat ihre Produktion in den vergangenen Jahren zunehmend gesteigert. Das zusammen mit dem Ende der Milchpreisquote hat die fallenden Preise zur Folge." Dass Irland seine Produktion inzwischen beispielsweise verdoppelt habe und die Niederlande eine Steigerung von mehr als 15 Prozent herbeigeführt hätten, trägt Rademacher zufolge zum Problem bei: "Der französische Vorschlag der Reduktion der Produktionsmenge, um den Preisverfall zu stoppen, geht in die richtige Richtung. Ich denke, dass das mit Anreizen an die Betriebe funktionieren kann. Leider aber bewegt Deutschland sich nicht in diese Richtung." Es sei eine EU-weite Lösung gefordert, waren sich alle Landwirte einig. Einzelstaatliche Wege führten zu keinem Erfolg.

FOTO: Speen

In dieselbe Richtung gingen die Gedanken der Grünen, berichtete Dr. Ruth Seidl gestern in Lövenich: "Deutschland muss als größter Milchproduzent in der EU Maßstäbe setzen. Deutschland muss sich zur Milchwirtschaft bekennen und in der Europäischen Union in die Diskussion mit den anderen Staaten gehen." Und sie versprach: "Der Bund wird dazu von den Ländern unter Druck gesetzt werden." Denn: "Unser Ziel ist ein gerechter, stabiler Preis für Milch, eine gute Tierhaltung, eine nachhaltige Landwirtschaft und der Erhalt unserer Natur und Kulturlandschaft."

Quelle: RP
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