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Erkelenz
Prinzessin rasiert den Bürgermeister

Erkelenz: Karnevalsgesellschaft hat Altweiber das Rathaus eingenommen
Erkelenz. Altweiber in Erkelenz bedeutete nicht nur einen schnellen Machtverlust von Stadtrat und Stadtspitze, sondern zugleich auch eine öffentliche Schnauzbartrasur für Bürgermeister Peter Jansen. Von Kurt Lehmkuhl

Ruck zuck! So schnell kann's gehen - und wird aus Bürgermeister Peter Jansen die Flugbegleiterin Petra. Die Möhneleut' machten an ihrem höchsten Tag unmissverständlich deutlich, wer das Sagen hat in den nächsten Tagen bis Aschermittwoch: die Jecken. So verlor Jansen nach dem Rathaussturm, bei dem Stadtrat und Stadtspitze der mit einem Rammbock ausgestatteten Übermacht der Möhneleut' hinter der Tür zum Alten Rathaus nichts entgegenzusetzen hatten, nicht nur die Macht, sondern während der Übernahmeverhandlungen auch noch die Bartpracht. Kurzerhand wurde dem Ersten Bürger der Stadt auf Geheiß von Prinzessin Kristina bei der Feier im Foyer der Stadthalle die haarige Oberlippenzierde abrasiert. Da stand das abgesetzte Stadtoberhaupt auf einmal ohne sein bestes Stück da, was allerdings seiner zugetragenen Funktion als Flugbegleiterin nur dienlich sein konnte.

Sturm auf das Erkelenzer Rathaus 2018 FOTO: Laaser, Jürgen

Denn auf Befehl des Prinzenpaares Roland I. und Kristina hatten die entmachteten Stadtoberen einen Tag lang als Flugbegleiterinnen zu fungieren, statt Redenschwingen war Getränkeverteilen angesagt, statt zu entscheiden, hatten sie zu helfen. Die Vertreter des Power Service Teams von "AIR-kelenz" und der ERKA-Greenline erfüllten nach Auffassung der Prinzessin, die beruflich als Flugbegleiterin tätig ist, ihre Aufgabe sehr gut. Doch wird zumindest die strohblonde Flugbegleiterin Petra am Aschermittwoch wieder auf ihren Arbeitsplatz im Rathaus zurückkehren und als schnauzbartloser Bürgermeister Peter Jansen darüber nachsinnen, wie er sich für diesen unvermuteten Anschlag auf seinen Gesichtsschmuck revanchieren kann. Er war schon ziemlich blass, als das weibliche Rasurkommando auf der Bühne im Foyer auf ihn zurollte. Erleichtert wirkte er, als er erfuhr, dass das Unausweichliche doch nicht durch die jecke Frauenhand, sondern durch Fachmänner aus einem Friseursalon erledigt werden sollte. So richtig trauten sich Prinzessin und Möhne doch nicht an des Bürgermeisters Schnauzbart ran.

Schon kurz vor Beginn der tollen Tage war die EKG mit allem aufmarschiert, was sie hat: Die Möhneleut' attackierten das Alte Rathaus, die Funken- und die Prinzengarde mühten sich redlich, ihre Fahnen an der Fahnenstange zu installieren, der Elferrat fror derweil in seiner Beobachterrolle. Die neugierigen Jecken warteten ungeduldig darauf, dass es endlich 11.11 Uhr wurde. Nicht lange hielten sich die Rathauseroberer in der Kälte auf. Flugs zogen sie zur Stadthalle, wo in gemütlicher Enge geschunkelt, gesungen, getanzt und gebützt wurde.

Für Stimmung mit viel Musik sorgten die Gruppen "De Kloetschköpp" und "Duo op Kölsch". Zunächst hielten dabei die Oberen der EKG die Fäden in der Hand. Doch wenn sie geglaubt hätten, sie behielten das Kommando, so waren sie auf einem Irrweg. Es dauerte nur eine knappe Stunde, dann übernahmen die Möhne auch hier die Macht. Versöhnlich kam da der Spruch der Prinzessin her: "Prinzengarde oder Funkengarde, das ist doch egal." Zu sagen haben jetzt ohnehin die Möhne im Möhnelenzer Karneval.

Quelle: RP
 
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