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Serie Sie Zogen In Die Welt Hinaus - Teil 9
Radschlägerin produziert "Kölsch es Trumpf"

Serie Sie Zogen In Die Welt Hinaus - Teil 9: Radschlägerin produziert "Kölsch es Trumpf"
Links: Katja Baum (l.) und Natascha Balzat, die Produzentinnen von "Kölsch es Trumpf", haben sich die roten Nasen als doppeldeutiges Markenzeichen für ihre Weihnachtsrevue aufgesetzt.
Erkelenz. Katja Baum (37) kann sich immer auf ihre Familie in Houverath verlassen. Sie ist Tänzerin, Sängerin und Produzentin, zog in die Welt, um jetzt am Kölner Millowitsch-Theater eine Weihnachtsshow zu produzieren. Mit Hilfe der Eltern. Von Hans Groob

Eine rote Nasenkugel steht nicht nur für Clownerie und Spaß, sondern auch für weihnachtliche Unterhaltung, unbedingt geprägt durch das rotnasige Rentier Rudolph, dessen musikalische Vertonung eines Malbuches inzwischen Millionenseller-Status erreicht hat. Das knallrote Accessoire soll aber auch doppeldeutiges Markenzeichen für eine Weihnachtsrevue sein, die an vier Abenden im über die Grenzen der Domstadt hinaus bekannten Millowitsch-Theater gespielt wird: "Kölsch es Trumpf - Hillig Ovend alaaf". Als Eyecatcher haben sich die jungen Produzentinnen Katja Baum und Natascha Balzat von der BaBa-Theater & Showproduktion eben diese beziehungsreiche jeck-festliche rote Kugel, die meist aus Schaumstoff besteht, selbst übergestülpt, um auf das Weihnachtsspezial aufmerksam zu machen. Das hat am kommenden Dienstag ab 19.30 Uhr Premiere in der Volksbühne am Rudolfplatz, bietet dann einen Tag später sowie am 22. und 23. Dezember, also ganz nahe am "Hilligen Abend", noch Gelegenheit zum Besuch.

Dass hinter "BaBa-Theater & Showproduktion" die Namen von Katja Baum und Natascha Balzat versteckt sind, ist schnell zu kombinieren, was aber "Kölsch es Trumpf" mit dem Erkelenzer Land zu tun hat, erhellt sich, wenn man weiß, dass das eine "Ba", nämlich Katja, ihre Wurzeln in Houverath hat, wozu es nach wie vor ganz enge familiäre Bindungen gibt, weil die Eltern und auch die jüngere Schwester mit ihrem Mann dort leben. Die enge Verbindung zur Heimat umschreibt Katja Baum aktuell so: "Es ist das liebenswerte und ländliche Umfeld als Kontrast zu den großen Metropolen. Ort zum erholsamen Rückzug." Wohl auch deshalb lebt Katja Baum seit fünf Jahren in Overath ("welch eine zufällige Namensähnlichkeit zu Houverath") im Bergischen Land, das aus der Sicht eines Kölners zwar die "schäl Sick" ist, "aber dennoch nahe am Arbeitsplatz, und ganz wichtig, wie bei meinem früheren Zuhause in Houverath, ich viel Grün, Ruhe und meine Katzen um mich habe".

Rechts: Katja Baum als Grundschülerin.

Geboren wurde der sportlich schlanke Rotschopf am 6. März 1978 im Maria-Hilf-Krankenhaus in Mönchengladbach, aufgewachsen dann aber in dem kleinen Ort zwischen Erkelenz und Hückelhoven, wohin ihre Mutter Hubertine (64) Katjas Vater Gottfried (69) aus Holzweiler "gelockt" hatte, um in Houverath eine Familie zu gründen. Die Kindheit war wohlbehütet, "ich lernte das Miteinander kennen und das füreinander Einstehen". Die Liebe zum Tanz war Katja in die Wiege gelegt, vom Fernsehballett hat sie sich Spagat und Radschlag abgeguckt und auf dem Wohnzimmerteppich geübt. Normales Gehen war für sie zu langweilig, jeder Spaziergang durch Wald und Feld wurde zu einer Choreografie. Auch der Nachhauseweg von der Grundschule Houverath, wie eine Nachbarin der Mutter erzählte: "Katja hat den ganzen Weg nur Rad geschlagen."

Die Eltern erkannten bald, dass Katja gefördert werden müsse, meldeten ihren Wirbelwind in der Ballettschule Halatschev in Erkelenz an, die in der ehemalige Tanzschule Gaspers im alten Union-Kino zu Gast war. Heute sagt die stolze Mutter Hubertine: "Was dann daraus geworden ist, das haben wir uns nicht vorstellen können, obwohl die Prognose aus der Ballettschule für unsere sehr zurückhaltende, aber auch sehr ehrgeizige Tochter sehr, sehr optimistisch war." Katja tanzte bald den Peter im Ballett "Peter und der Wolf", wirbelte auf der Karnevalsbühne oder beim Winterfest in Houverath. Dort war es der erste Musicalauftritt zu selbst zusammengestellter Musik und eigener Choreografie. Katjas Erinnerung: "Meine Mutter nähte das Kostüm, und mein Vater war für das Bühnenbild zuständig und bediente die Nebelmaschine." Dem Genre Musical verfallen war die Houveratherin dann mit 13 Jahren nach einem Besuch des "Starlight Express" in Bochum. Das Berufsbild verdichtete sich mit 16, als ihr ein Zeitungsausschnitt der "Stage School of Drama, Dance and Music" aus Hamburg in die Hände fiel. Heimlich meldete sie sich zu einem Workshop an: "Ich, ländlich schüchtern und ein paar Pfund zuviel auf den Rippen, wollte Tänzerin und Sängerin werden - uiuiui." Auf den Workshop folgten weitere und die Ausbildungszusage. John Lehman, einer der gefragtesten Gesangsdozenten mit Wurzeln in New York, hatte da was in Katja gesehen. Es passte mit der Schule (Abiturklasse am Cornelius-Burgh-Gymnasium), folglich pendelte sie vier Jahre zwischen Houverath und Hamburg, um nach einer Zeit "mit vielen Zweifeln und so mancher Träne" den Abschluss an der Stella-Academy in der Hansestadt mit Bravour hinzulegen.

Dann ging alles schnell und abwechslungsreich: eine Stelle als Solistin auf den AIDA-Kreuzfahrtschiffen "Cara" und "Aura". "Mit über 14 Shows im Gepäck unterhielten wir die Urlauber abends im Theater oder in der Bar, aber auch morgens am Pool. Und obwohl wir übers Mittelmeer fuhren, fühlte ich mich zeitweise wie Zuhause, denn auch meine Eltern, Schwester Tanja und Schwager Stefan hatten gebucht." Es folgten Engagements als Tänzerin und/oder Sängerin im Tivoli-Schmidt-Theater an der Reeperbahn in Hamburg, bei Firmenevents auf der IAA in Berlin und im Movie-Park in Bottrop als Tänzerin.

Es lief alles wie geschmiert. Doch dann entwickelte sich die zweite Jahreshälfte 2004 quasi über Nacht zu einem Drama: Gerade hatte ein Engagement bei Cats in Hamburg Katja himmelhoch jauchzen lassen, da schlug die gute Stimmung nur wenige Tage später in zu Tode betrübt um: "Ich verließ Cats, um meinem damals 29-jährigen älteren Bruder Marcus eine Niere zu schenken, nachdem ein zuvor von meiner Mutter gespendetes Organ nach vier Jahren abgestoßen worden war." Die vage Aussicht, später wieder als Tänzerin arbeiten zu können, hielt Katja Baum nicht davon ab, "meinem Bruder zu helfen - Familie geht vor". Am 13. Dezember 2004 fand die Transplantation in der Berliner Charité statt, die ihrem Bruder fast auf den Tag genau noch vier Jahre Leben geschenkt hat, in dem er sich auch an der Arbeit seiner Schwester erfreuen durfte.

Die fühlte sich nach nur drei Monaten wieder fit genug für die Bühne. Zwar noch nicht als Tänzerin, aber als Supervisorin für Entertainment im Movie-Park Germany: "Es waren meine ersten Schritte als Produzentin." Sie entwarf Shows, kontrollierte diese und auch die Paraden, war für Künstler und Charakter zuständig. Noch heute ist Katja Baum dem Park verbunden, sorgen ihre Choreografien für eine besondere Note: "Und diese sind bei Tänzern gefürchtet, weil ich es gerne stark mag und mit viel Power." Eine nicht zu missende Erfahrung war die Produktion eines Kindermusicals in der Nähe von Oslo für den amerikanischen TV-Sender Nickelodeon.

War das berufliche Leben bisher eher einem von Vagabunden ähnlich, wurde Katja Baum 2006 als Ensemblemitglied des Scala-Theaters in Köln sesshaft, ein Walter-Bockmayer-Kind, wie schon Veronika Ferres und der unvergessene Dirk Bach. Nach Bockmayers Tod im Oktober 2014 übernahmen Ralf Hubertus Borgartz und Arne Hoffmann das Haus, hielten die "Mannschaft" zusammen, die noch bis Ende Juni 2016 mit "Dä Floch vun Königswinter" für Stimmung sorgt. Katja Baum ist dabei nicht nur als Choreografin tätig, sondern glänzt mit einem akrobatischen Tango an der Stange. Aber auch mit der Stimme: "Houverathisch mit Kölsch gemixt, bringt auch meine Kollegen immer wieder zum Schmunzeln."

Wohl auch deshalb bekamen Katja Baum und ihre Kollegin Natascha Balzat eine Anfrage für die Volksbühne am Rudolfplatz, wie sich das Millowitsch-Theater seit Anfang des Jahres nennt, eine Weihnachtsshow zu produzieren. Katja und Natascha kennen sich seit der Ausbildung in Hamburg und arbeiten seitdem zusammen. Viele Projekte verbinden sie beruflich und privat, weshalb es leicht war, ein Showkonzept zu schreiben. Im Mittelpunkt der 70er-Jahre-Revue stehen Lieder, die sich die Besucher wünschen dürfen. Natürlich alles auf Kölsch, "das ist in einem solchen traditionsgebundenen Haus ein Muss".

Hier schließt sich für Katja Baum aber auch der Kreis zur Heimat: "Mit der ganzen Familie verfolgten wir damals TV-Übertragungen aus dem Millowitsch-Theater. Dass ich in diesem Theater 30 Jahre später selbst spielen würde, war damals ganz weit weg, eigentlich gar nicht da. Und jetzt stehe ich auf dieser geschichtsträchtigen Bühne. Ja sogar noch mehr, denn meine ganze Familie hilft. Mein Papa entwarf und baute mir das Bühnenbild und meine Mutter packte 50 Dekorationsgeschenke ein. Einen Tag schmückten sie Weihnachtsbäume."

Bei den Baums hat sich seit Katjas ersten kleinen Auftritten in den 1980er Jahren sehr viel getan, aber nichts geändert: "Bei uns war und ist immer alles Familiensache."

Quelle: RP
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