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Erkelenz
"Radwandertag traf Tour" - bei Keyenberger Gastfreundschaft

Erkelenz: "Radwandertag traf Tour" - bei Keyenberger Gastfreundschaft
Mit dem neuen Einsatzwagen für den Führungsdienst der Erkelenzer Feuerwehr waren Helmut van der Beek (l.) und Michael Schnitzler bei Immerath (alt) an der Strecke. "Auch wenn der erst zum 1. August in Dienst gestellt wird, ist das heute eine gute Gelegenheit, einmal die Technik zu probieren", sagte Feuerwehrchef van der Beek. Löschfahrzeuge hatte er in Keyenberg, Immerath (alt) und Jackerath postiert: "In Nähe zur A 61 habe ich sogar einen Rüstzug mit 15 Kräften stationiert, weil unsere Wehr dafür zuständig ist, sollte etwas auf der Autobahn passieren. Sonst kämen wir dort während des Rennens nicht schnell genug hin." FOTO: Speen
Erkelenz. Die Tour de France rückte Keyenberg in den Fokus. Das Dorf, das dem nahenden Tagebau wird weichen müssen, bereitete den Besuchern einen herzlichen Empfang. Von Kurt Lehmkuhl

Der Auftakt war wenig verheißungsvoll: In Keyenberg regnete es in Strömen, als der Niederrheinische Radwandertag gestartet wurde. Gerade einmal fünf Teilnehmer hatten sich am Start- und Zielpunkt an der Borschemicher Straße in die Liste eingetragen, als es punkt 10 Uhr losging. In Anbetracht dieser unwirtlichen Umstände verzichtete Bürgermeister Peter Jansen auf einen offiziellen Startschuss.

Auch die vielen Freiwilligen der katholischen Frauengemeinschaft, Messdiener und Pfadfinder schauten zu dem Zeitpunkt skeptisch gen Himmel, derweil das Erkelenzer Ordnungsamt die rund 20 Helfer instruierte, die von 11 bis 16 Uhr den sechs Kilometer langen Streckenabschnitt der Tour-Etappe von Wanlo nach Titz absichern sollten.

"Radwandertag trifft Tour de France" lautete das Motto, das die Stadt auf einem großen Banner ankündigte, das an der Landstraße zwischen Keyenberg und Lützerath am Rand postiert war. Und es wurde tatsächlich ein großes Aufeinandertreffen, obwohl am Morgen nicht viel dafür sprach. Wenig Menschen verkrümelten sich da in Keyenberg. Die ab 11 Uhr gähnend leere Tourpassage wurde von Polizeifahrzeugen unentwegt abgefahren. Endlich zeigten sich erste Wohnmobile mit niederländischen und französischen Kennzeichen, die an einem Feldweg standen. Langsam trudelten einige Schaulustige ein. Die Tagebaugegner bezogen ihre Position, die vom BUND bei Wanlo, die von der Erkelenzer Gruppe "Kreativ gegen Kohle" an der Kreuzung zwischen Keyenberg und Borschemich.

Mit jedem Sonnenstrahl, der mehr aus den Wolken lugte, wuchs die Schar der Radfahrer und Radsportfreunde. "Es war die richtige Entscheidung, den Start- und Zielpunkt aus der Innenstadt nach Keyenberg zu verlegen", sagte Bürgermeister Jansen in einem Zwischenfazit. Zwar gab es weniger Starter beim Radwandertag, aber immens viele Radfahrer, die gegen Mittag Keyenberg ansteuerten, um einen Blick auf das Tourgeschehen zu werfen. Sie alle kamen unweigerlich zur kleinen Budenstadt an der Meldestelle des Wandertags und genossen die Gastfreundschaft der Dorfvereine. Am Getränkestand, bei den Messdienern, die Hotdogs und Zuckerwatte anboten, am Imbiss und am Kuchenstand bildeten sich lange Schlangen. "Das ist heute ein Fest, durch das Keyenberg bei vielen Besuchern dauerhaft in Erinnerung bleibt", sagte Jansen. "Es ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass wir als Dorf präsent sein werden", bedauerte der Keyenberger René Wagner, und Hans-Josef Pisters war zufrieden, dass bei der ersten Führung viele Ortsunkundige sich über Keyenberg informieren ließen.

Je näher der Zeitpunkt heranrückte, an dem zunächst die große Werbekarawane und eine Stunde später die Radfahrer am Ort vorbeirauschen würden, umso voller wurde es an der Rennstrecke. Eine schier endlose Zahl von Radfahrern fuhr aus Richtung Erkelenz in den Ort. Autofahrer hatten Probleme, in Keyenberg Stellplätze zu finden. Immer dichter wurden die Zuschauerreihen, die sich von der Kreuzung nach Borschemich aus in beide Richtungen ausdehnten. Die Polizei hatte das Geschehen stets im Blick, hielt sich aber zurück. Nur einmal sah sie Grund zum Eingreifen, als sie Braunkohlegegner aufforderte, ihre Aktion vom Straßenrand zurück zu verlagern.

Doch wer einmal am Streckenrand stand, der harrte weiter aus, auch wenn es noch fast eine Stunde bis zur Ankunft der Rennradfahrer dauerte. Kurz vor Ankunft der vier Ausreißer in Keyenberg öffnete jedoch der Himmel seine Schleusen. Doch tat das der Begeisterung keinen Abbruch. Die Anfeuerung für das Quartett, das von einem großen Tross von Autos und Motorrädern begleitet wurde, war riesengroß. Und kaum war die Begeisterung abgeebbt, wuchs sie wieder, als endlich das Hauptfeld vorbeischoss. Nach rund drei Minuten war der Spuk vorbei; war die Tour de France im Erkelenzer Land Geschichte. Die Karawane der Rennfahrer raste weiter in Richtung Titz und Jülich. Die Karawane der Zuschauer zog es zunächst zurück ins Dorf, in die Budenstadt, zum Stellplatz des Autos oder zum abgestellten Auto. "So voll war es hier noch nie in Keyenberg", sagte ein Anwohner.

"Wir hatten die kleine Verschnaufpause bitter nötig", sagte Wagner, der bei den Messdienern aushalf. Nur wenige Minuten während der Passage der Sportler waren die Messdiener ohne Arbeit geblieben. Als der Tour-Tross Erkelenz verlassen hatte, war es mit der Ruhe vorbei. Wieder herrschte Andrang an den Ständen. Die Frauengemeinschaft und die Messdiener wurden restlos leergekauft. Die Getränkevorräte neigten sich langsam dem Ende zu. Zufriedenheit gab es auch an der Meldestelle zum Radwandertag. Bis zum späten Nachmittag hatten 300 Teilnehmer ihre Tour entweder in Keyenberg begonnen oder den Ort als Zwischenstopp gewählt.

Keyenberg wird allen Besuchern in guter Erinnerung bleiben. Die Helfer bei der Organisation besitzen nunmehr als bleibende Erinnerung ein Shirt mit der Aufschrift "Radwandertag trifft Tour de France". Und der Bürgermeister sieht sich in seiner Ansicht bestätigt, dass es richtig war, sich nicht in die Tour "einzukaufen" und den Radwandertag nach Keyenberg zu verlegen.

Quelle: RP
 
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