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Erkelenz
Reanimationshilfe am Telefon ist gefragt

Erkelenz: Reanimationshilfe am Telefon ist gefragt
Alexander Heinrichs, Leitstellendisponent in Erkelenz, hilft Anrufern im Notfall, indem er sie bei der Ersten Hilfe unterstützt. 2014 hatte der Kreis Heinsberg mit der Reanimation-Unterstützung per Telefon begonnen. Die steigenden Fallzahlen geben dieser Initiative Recht. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Tendenz steigend: In mehr als 120 Notfällen hat die Leitstelle des Rettungsdienstes im Kreis Heinsberg dieses Jahr schon Ersthelfer über das Telefon unterstützt, bis die Rettungskräfte vor Ort waren. Neu ist die Ortung per Whats-App. Von Andreas Speen

2014 hat die Rettungsleitstelle im Kreis Heinsberg damit begonnen, telefonisch bei der Reanimation zu helfen, bis die Rettungssanitäter vor Ort eingetroffen sind. Die Zahlen belegen, wie wichtig dieses zusätzliche Angebot ist und wie stark es benötigt wird. Nach 125 Telefonreanimationen im ersten Jahr waren es 2015 schon 150 und sind es in diesem Jahr bereits 122. Ausgeweitet worden ist diese Hilfe aus der Rettungsleitstelle inzwischen auch auf andere Bereiche der Ersthilfe.

2014 wurden die Telefonreanimationen bei der Leitstelle für Feuerschutz, Rettungsdienst sowie Katastrophenschutz in Erkelenz zusammen mit einem neuen Qualitätsmanagement eingeführt. "In den bis zu acht Minuten zwischen dem Notruf und dem Eintreffen der Rettungssanitäter vor Ort war der Patient zuvor in der alleinigen Betreuung des Ersthelfers", berichtet Alexander Heinrichs, Leitstellendisponent in Erkelenz. Aus Österreich stamme die Idee, "diese Zeit telefonisch zu überbrücken. Viele Menschen habe die Erste Hilfe einmal gelernt, benötigen im akuten Fall aber Impulse oder Instruktionen." Diese wurden aus der Leitstelle in Erkelenz zunächst bei notwendigen Reanimationen gegeben. Inzwischen ergibt sich, in Papier ausgedruckt, ein kleiner Ordner, in dem weitere Hilfehandreichungen beschrieben sind. "Alle Maßnahmen sind mit der Ärztlichen Leitung des Rettungsdienstes Kreis Heinsberg, RDHS, und der Feuerwehrdienstleitung abgesprochen", erläutert Heinrichs.

Geht es nicht um die Reanimation, wird am häufigsten bei der Seitenlage geholfen, sagt die Erfahrung des Leitstellendisponenten. Das Anlegen von Verbänden komme ebenfalls vor, oft müsse außerdem bei gestürzten Personen der Hinweis gegeben werden, dass diese bis zum Eintreffen des Rettungswagens nicht mehr bewegt werden sollen. "Oft sind es nicht die weltbewegenden Maßnahmen, mit denen wir unterstützen", sagt Alexander Heinrichs, jedoch seien es für die Gesundheit der Patienten möglicherweise entscheidende. "Inzwischen hat sich diese Unterstützung rumgesprochen und wird schon konkret nachgefragt."

Statistisch hilft die Leitstelle des Kreises jeden zweiten Tag bei einer Reanimation. "Wir sind dazu geschult worden", berichtet Heinrichs. "Wichtig ist es zunächst einmal, den Anrufenden zu beruhigen, um ihn dann zur Ersthilfe anleiten zu können." Manchmal seien auch Hemmnisse abzubauen, zum Beispiel gegenüber der Mund-zu-Mund-Beatmung: "Wenn der Ersthelfer sich diese zutraut, soll er sie unbedingt einsetzen. Allerdings ist sie laut den novellierten Reanimationsrichtlinien nicht mehr unbedingt in der Ersthelferphase nötig."

Ruft ein Hilfesuchender in der Leitstelle an, wird er zunächst nach dem Ort des Geschehens gefragt. Und gleich danach nach Bewusstsein und Atmung des Patienten, erst später zum Beispiel nach Schmerzen. "Das läuft in dieser Reihenfolge ab, damit wir bei einer nötigen Reanimation keine Zeit verlieren", erklärt Alexander Heinrichs. Früher seien erst die fünf W-Fragen gestellt worden, wo? was? wer? wann? wie?, heute stünden das Wo und die möglicherweise nötige Reanimation im Vordergrund, um Menschenleben zu retten.

Zwei weitere Neuerungen im Kreis Heinsberg haben dasselbe Ziel: Derzeit wird ein Defibrillatoren-Kataster aufgebaut, um Hilfesuchenden schnell eine solche Maschine in deren Nähe nennen zu können. Außerdem setzt der Kreis Heinsberg inzwischen die Whats-App-Ortung ein. Heinrichs erklärt: "Über ein Smartphone mit Whats-App kann schnell und sehr genau an ein Handy der Leitstelle der Standort übermittelt werden, was uns sehr hilft, Patienten zu finden. Zuletzt hatten wir einen dieser Fälle, wo ein Radfahrer in einem großen Wald verunglückt war und wir ihn auf diesen Weg finden konnten oder einen gestürzten Radfahrer in einem Feld, der ortsunkundig war."

Quelle: RP
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