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Erkelenz
Rechtsextreme in der Region

Erkelenz. Über den Rechtsradikalismus im Grenzland referierte der Aachener Journalist Michael Klarmann. Gerade in der Region sei die Szene sehr aktiv, sagte er. In seinem Fokus lagen NPD und "Kameradschaften". Von Anke Backhaus

Nicht erst der Einzug der NPD in Stadträte und Kreistage der Region nach der Kommunalwahl 2009 hat die Sorge der Menschen vor rechtsextremem Gedankengut geschürt. Die rechtsextreme Szene in der Region Aachen gilt vielmehr seit Jahren als eine der aktivsten in Nordrhein-Westfalen. Interessante, aber auch nachdenkliche und erschreckende Informationen dazu lieferte Michael Klarmann. Der Aachener Journalist beschäftigt sich seit Jahren mit der Szene und hat die Strukturen von NPD und so genannten "Kameradschaften" recherchiert. Dabei sah er sich bereits selbst Attacken der rechtsextremen Szene ausgesetzt.

"Kein Platz für Nazis"

Rund 70 Zuhörer kamen zu Klarmanns Vortrag, eingeladen dazu hatte das Bündnis gegen Rechts. Zum Auftakt erklärte Wilfried Mercks von dessen Sprecherkreis: "Wegen des Erstarkens der NPD und anderer rechtsextremer Gruppierungen gründeten wir dieses Bündnis. Wir möchten, dass es in Zukunft im gesamten Kreis Heinsberg keinen Platz für Nazis gibt."

Klarmann begann mit einer schlichten Feststellung: "Die Rechtsextremen versuchen sich in die Gesellschaft einzuarbeiten. Die Szene boomt und wird stärker." Vor allem den Rechtsrock bezeichnete er als "spannende Erlebniswelt für Jugendliche". Gerade über die Musik, die die rechte Szene in den Stilen Punk, Heavy Metal, Techno und auch Hip Hop veröffentliche, seien die Jugendlichen gut zu erreichen. In den Liedern werde das braune Gedankengut verbreitet, die Texte richteten sich unter anderem gegen Demokratie, Polizei und Justiz. Zudem seien Rechtsextreme sehr selbstbewusst, auch Frauen und Mädchen gehörten zu ihnen. Klarmann stellte jedoch heraus, dass der Rechtsextremismus kein Jugendproblem sei, alle Altersklassen fänden sich in den Reihen wieder.

Klarmann ging auch auf den Aufmarsch der Neonazis in Randerath ein. Dort demonstrierten sie gegen den verurteilten Sexualstraftäter und forderten die Todesstrafe für Kinderschänder. "Dabei sind sie angesichts der Verbrechen des Nationalsozialismus selbst Nachwuchs-Menschenschänder", so Klarmann. Letztlich habe sich jedoch eine Entwicklung vollzogen, die unter anderem das äußere Erscheinungsbild und auch die Begrifflichkeiten neu geprägt haben.

Im Anschluss kam eine lebhafte Diskussion in Gang, an der sich auch junge Zuhörer rege beteiligten. So sei es besorgniserregend, dass sich die Szene in der Mitte der Gesellschaft bewege und vor allem Mitläufern eine Art Familie vorgaukele. Wie groß die Zahl derer ist, die sich in der Region in der Szene organisiert haben, sei nicht bekannt.

Quelle: RP
 
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