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Erkelenz
Richtig reagieren auf den Online-Boom

Erkelenz: Richtig reagieren auf den Online-Boom
Einkaufen bald nur noch per Internet? Die bekannten Online-Händler verbuchen Umsatz-Rekorde. Damit der stationäre Einzelhandel nicht verschwindet und Innenstädte veröden, sind neue Ideen gefragt. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Wird auch der Einzelhandel in Städten wie Erkelenz in Zukunft künftig immer mehr durch das Internet-Geschäft verdrängt? Nein, sagen Geschäftsleute - sofern die Läden ihre Stärken betonen und dies auch im Internet präsentieren. Von Kurt Lehmkuhl

Die Bilanz des Weihnachtsgeschäfts fällt bei befragten Einzelhändlern der Erkelenzer Innenstadt nicht überschwänglich aus. Christopher Viehausen, Bürobedarf und Buchhandlung, gibt dem Geschäft ein knappes Befriedigend. Mit der Note glatt befriedigend bewertet es Helmut Dahlen von Hut Jansen, die Zufriedenheit von Nadine Forg, Inhaberin von Mama & Mia, hält sich in Grenzen: "Es war durchwachsen, aber das hören wir von den meisten anderen Geschäftsleuten auch."

Die Bilanz ist indes kein Grund, Trübsal zu blasen oder gar vom schleichenden Untergang des Einzelhandels zu reden. Im Gegenteil. "Der Einzelhandel hat Zukunft", sagen die drei Kaufleute übereinstimmend. "Denn es wird immer wieder Verbraucher geben, die jenseits des Internets in der ,realen Welt' den Einkauf als Erlebnis und Genuss sehen", sagt Nadine Forg. Doch dann kommt ein großes "Aber". "Der Einzelhandel muss flexibel sein und sich auf das veränderte Kundenverhalten einstellen. Der stationäre Einzelhandel muss sein Sortiment ständig überdenken", meint Helmut Dahlen. "Ich gehe davon aus, dass auch weiterhin 'bedienende' Menschen ebenso gewünscht werden wie eine Wohlfühl-Atmosphäre in den Läden", ergänzt Christopher Viehausen, der auch sagt, dass das Tempo der Veränderung, bedingt durch die Digitalisierung, "stetig, eigentlich irrsinnig" zunimmt.

Insofern kann der Einzelhandel am Internet und den Onlinebestellmöglichkeiten gar nicht vorbei. "Man sollte aber hinterfragen, ob es den im Internet gesuchten Artikel nicht auch im örtlichen Handel gibt", regt Nadine Forg an. Darüber hinaus legt sie Wert auf eine große Auswahl liebevoll ausgesuchter Artikel, "die ich als Kunde nicht überall finden kann". Der Einzelhandel komme nur dann in Probleme, wenn der Verbraucher ihn nicht unterstützt und stärkt. Aber wie sähe eine Innenstadt ohne Geschäfte und Einkaufsbummel aus?

Außerdem, so Christopher Viehausen, hätten inzwischen viele Kunden, besonders im Buchhandel, erkannt, dass der heimische Geschäftsinhaber im Wettbewerb mit dem Internethandel zeitlich und preislich mithalten kann, sie aber vor Ort den großen Vorteil der persönlichen Beratung haben. Darauf weist auch Helmut Dahlen hin: "Im Internet kann ich kein Produkt vor mir sehen, fühlen oder ausprobieren." Insofern seien das Internet und der Onlinehandel Fluch und Segen zugleich. Der Einzelhandel muss das Internet für sich nutzen. "Bist du mit deinem Laden nicht im Netz, existierst du nicht", sagt Christopher Viehausen deutlich. "Eine gepflegte Internetseite oder eine kompetente Social-Media-Präsenz sind unabdingbar, damit der Kunde den Einzelhandel im Internet findet", fügt Helmut Dahlen hinzu.

Der Einfluss des Internethandels könne gravierend sein und Folgen haben. Das düstere Bild mit Leerständen, verödeten Innenstädten, Arbeitslosigkeit und gescheiterten Existenzen zeichnet Christopher Viehausen. Dass dieses Bild nicht zur Wirklichkeit wird, daran arbeiten die Einzelhändler in Erkelenz tagtäglich. Jeden Tag müsse sich der Händler hinsichtlich Strategie und Sortiment hinterfragen. "Gute Ideen, Kreativität, Freude am Job bringen Erfolg und zufriedene Kunden." Und auch verkaufsfördernde Aktionen sind nicht zu verachten. Helmut Dahlen nennt dabei in der Vorweihnachtszeit ausdrücklich das Erkelenzer Adventsdorf, das "für mehr Frequenz in Erkelenz gesorgt" habe.

Angst vor der Zukunft haben jedenfalls die Händler nicht. Die Nutzung des Internets und der neuen Medien verbunden mit der Kompetenz der persönlichen Beratung und einem attraktiven Warenangebot werde die Kunden locken. "Ein großer Vorteil in Erkelenz ist die zurzeit noch recht hohe Anzahl der inhabergeführten Fachgeschäfte", meint Nadine Forg. Dies sei ein Garant für eine sichere Zukunft. Bedauerlich sei, dass in vielen Städten diese individuellen Geschäfte immer mehr anonymen Ketten weichen.

Quelle: RP
 
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