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Erkelenz
Ritter bevorzugte das gesellige Reisen

Erkelenz. Die Reisereportage des niederrheinischen Pilgerritters Arnold von Harff aus dem Blickwinkel eines Literaturprofessors. Von Willi Spichartz

"Die ihr Leben auf Reisen verbringen, machen die Erfahrung, dass sie viele Gastfreunde haben, aber keine Freunde!" Den Spruch des altrömischen Dichters und Politikers Lucius Annaeus Seneca (gestorben im Jahr 65 nach unserer Zeitrechnung) stellte Professor Dr. Helmut Brall-Tuchel im Alten Rathaus Erkelenz seinem Vortrag "Geselliges Reisen - zu den Reisekontakten im Pilgerbuch des Arnold von Harff (1499)" voran. Er beleuchtete die Art des Reisens und dessen Gefahren im 15. Jahrhundert aus der Reisereportage des niederrheinischen Pilgerritters, dessen Grabplatte in der Krypta der katholischen Kirche in Lövenich einen möglichen Hinweis darauf gibt, dass er dort auch beerdigt ist.

Der Hinweis auf Seneca ist der Hinweis auf die Gefahren des Reisens in der Frührenaissance - Arnold von Harff hatte sich von 1496 bis 1498 von Köln aus auf eine Reise begeben, die ihn über Rom nach Jerusalem, angeblich nach Afrika und angeblich nach Indien, real nach Santiago des Compostela, an den Mont St. Michel in Frankreich und nach Lövenich geführt hatte.

Günther Merkens als Vorsitzender des veranstaltenden Heimatvereins der Erkelenzer Lande hatte in seiner Begrüßung vor rund 50 Zuhörern darauf hingewiesen, dass man zu von Harffs Zeiten nicht gerne allein reiste. Den Bogen spannte Professor Brall-Tuchel weiter, indem er aus dem vollständig erhaltenen Reisebericht des Pilgerritters als Literaturhistoriker herausfilterte, dass von Harff gerne in Begleitung von Kaufleuten reiste. Deren Sprachkenntnisse empfand er als ausgesprochen nützlich, außerdem ließen sie ihm bei ihren Handelsgesprächen genügend Zeit, Land, Stadt, Leute und deren Gewohnheiten zu studieren. Auf seine Standesgenossen aus dem Adel als Reisebegleiter war von Harff dagegen nicht gut zu sprechen, vor allem deren Unzuverlässigkeit ließ ihn diese in die Gattung der "Gastfreunde" einreihen.

Zu den Reisevorbereitungen Arnold von Harffs und seiner Zeit gehörten die Suche nach Gefährten mit Knechten, Köchen und Barbieren ebenso wie das Einschwören des heimischen Gesindes auf die zurückbleibende Hausherrin. Zur guten Pflicht gehörte es, geistige und materielle Schulden zu begleichen und ein Testament zu machen, eine Patientenverfügung gehörte vermutlich nicht dazu.

"You never walk alone", so Helmut Brall-Tuchel, war die Devise als Schutz gegen mannigfache Gefahren - Arnold von Harff war dennoch nicht gegen dreimalige Ausraubung gefeit. Die allerdings können nicht in Afrika und Indien geschehen sein, denn da ist Arnold von Harff nachweislich nicht gewesen: In die Reportage hat der edle Ritter die beiden Kontinente schlicht und einfach hineingeflunkert.

Quelle: RP
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