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Erkelenz
Ruhiger erster Aktionstag

Erkelenz: Ruhiger erster Aktionstag
Eine Fahrraddemo war gestern vom Klimacamp bei Kückhoven gestartet. Die Gewerkschaft IG BCE hatte eine Mahnwache, eine Motorraddemo und eine abendliche Kundgebung vorbereitet, um für gewaltfreie Proteste zu werben. Die Polizei ist derzeit mit mehr als 1000 Kräften in der Region zugegen. Polizeipferde wurden gestern zur Tagebaukante bei Immerath (alt) gefahren. FOTO: Speen
Erkelenz. 2000 Menschen haben sich inzwischen beim Klimacamp in Erkelenz versammelt. Weiteres Camp wurde bei Bedburg eingerichtet. Der erste  Aktionstag stand im Zeichen kleinerer Proteste. IG BCE-Mahnwache gut besucht. Von Andreas Speen und Wiljo Piel

Die Nacht und der gestrige Tag sind rund um das Klimacamp bei Kückhoven, wie auch im gesamten rheinischen Braunkohlenrevier, ruhig verlaufen. Für mehrere Tage, von Donnerstag bis Dienstag, haben die Umweltaktivisten unterschiedliche Proteste angekündigt. Mit Ablauf eines Ultimatums, das RWE Power für einen vollständigen und sofortigen Ausstieg aus der Braunkohle gestellt worden war, habe es gestern keine direkten Reaktionen gegeben, fasste Polizeipressesprecher Paul Kemen den ersten Aktionstag zusammen. Und am Abend hieß es von der zuständigen Aachener Polizei mit Blick auf die nächsten Stunden und Tage weiter: "Wir bleiben mit ausreichend Kräften im Einsatzgebiet und warten ab."

Seit einer Woche diskutieren im Klimacamp neben dem Lahey-Park Umweltschützer über Klimaschutz, notwendige Veränderungen in der Gesellschaft und damit verbunden einen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen wie der Braunkohle. Sie kündigten gestern zum Start der vier Aktionstage noch einmal an, ihre Haltung ab sofort über das Klimacamp hinaus in die Region tragen zu wollen: "Das Rheinische Braunkohlenrevier wird bis zum 29. August eine Vielzahl an Aktionen erleben, vom legalen Protest bis zu zivilem Ungehorsam." Dazu versammelt haben sich laut Organisatoren inzwischen 2000 Menschen. Die Kennzeichen an Autos und Bussen zeigen, dass sie aus ganz Europa angereist sind.

Die Polizei ist seit gestern mit mehr als 1000 Kräften im Rheinischen Revier zugegen. Sie sollen Demonstrationen und Mahnwachen schützen wie auch 90 Kilometer Abbruchkante der drei Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden sowie die 130 Kilometer lange Strecke der Hambach-Bahn. Und auch die Kraftwerke Frimmersdorf, Neurath und Niederaußem stehen im Fokus - vor allem, nachdem gestern von einer Privatperson aus Hamburg ein weiteres Klimacamp für bis zu 500 Personen im nahegelegenen Bedburg angemeldet worden war, das "Camp gegen Kohle - für eine soziale Transformation".

FOTO: Speen

Im Zeichen kleinerer Auftaktaktionen stand der Donnerstag aufseiten der Klimaschützer. In Grüppchen sollten ab mittags beispielsweise Aufgaben einer Rallye gelöst werden, die unter dem Motto "Fang den goldenen Bagger" stand. Die Teilnehmer sollten Polizeiautos beschäftigen, eine Barrikade errichten oder die Infrastruktur des Energiekonzerns RWE Power verschönern, wurde auf einem Handzettel aufgefordert.

Eine weitere Gruppe von 80 Radfahrern hatte sich auf einen 40 Kilometer langen Rundkurs aufgemacht. Angesteuert wurden verschiedene Stätten der Tierproduktion. "Unser Ziel ist es, auf die Klimaschädlichkeit der Tierproduktion hinzuweisen", erklärte ein Teilnehmer während einer Mittagspause in Hasselsweiler bei Titz. Halt gemacht worden sei unter anderem an einer Abdeckerei, einer Hähnchenmast und einer Biogasanlage. Aus der Gruppe heraus habe es vor Ort jeweils Redebeiträge gegeben. "Wir wollen mit dieser Fahrraddemo ein niederschwelliges Angebot machen", sagte eine Teilnehmerin.

FOTO: Speen

Geplant hatten andere Klimacamp-Teilnehmer für den Nachmittag ferner, mit roten Blumen symbolisch eine Linie zu pflanzen. "Wir wollen damit zeigen, dass die Braunkohle nicht weiter abgebaggert werden darf", erklärte Ilmari Thömmes. Die Aktion sei aus der Initiative "Psychologie im Umweltschutz" hervorgegangen, die während des Klimacamps bei der Degrowth-Summerschool verschiedene Kurse angeboten hatte. "Wir haben das Ziel, mit Mitteln der Psychologie für den Umweltschutz zu werben", sagte Thömmes. Betrieben wird von der Initiative außerdem ein Postamt auf dem Klimacamp: "Dort können Karten an Entscheider, aber auch innerhalb des Camps geschrieben werden. Zusätzlich konnten bereits Motivationskarten auf Vorrat geschrieben werden, die in den nächsten Tagen zu Teilnehmern an beispielsweise Blockaden gebracht werden können."

Großen Zuspruch erhielt gestern die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), die bis heute Abend eine Mahnwache am Autobahnkreuz Jackerath abhält. Früh waren zunächst knapp 100 Motorradfahrer der IG BCE zu einer Demonstration gegen gewalttätige Proteste und für sichere Arbeitsplätze durch das Revier aufgebrochen. Bis zum Mittag hatte die Gewerkschaft dann ihre Mahnwache und eine Bühne für eine Kundgebung am Abend aufgebaut, zu der sich unter anderen auch Michael Vassiliadis, der Vorsitzende der IG BCE, angekündigt hatte. Zu Besuch waren am Mittag bereits Lutz Kunde, der Direktor des Tagebaus Garzweiler II, wie auch für einen Gedankenaustausch eine Delegation aus dem Klimacamp. "Die Mahnwache werden wir im Wechsel mit 150 bis 200 Teilnehmern abhalten, und für den Abend erwarten wir bis zu 500 Besucher", erläuterte Manfred Maresch, IG BCE-Vorsitzender des Bezirks Alsdorf, und erklärte das Ziel dieser Veranstaltung: "Wir sind hier, um gegen gewaltsamen Protest zu demonstrieren und um ein Zeichen zu setzen, dass niemand in die Tagebaue und Kraftwerke eindringen darf." Mahnwache in Jackerath schob auch Jürgen Linges, Vorsitzender der Vertrauensleute im Tagebau Garzweiler, - aus gutem Grund, wie der Frimmersdorfer meinte: "Nachdem die Aktivisten vor zwei Jahren in den Tagebau eingefallen sind, gehen viele Kollegen mit einem mulmigen Gefühl in die nächsten Tage - sie sind mächtig angespannt. Da ist es wichtig, im Vorfeld gegen Gewalt zu demonstrieren."

Die Camp-Teilnehmer kündigten gestern an, ihre Aktionen heute ab 7 Uhr starten zu wollen. Verletzen wollen sie niemanden, sagte eine Sprecherin, aber man sei bereit, Delikte wie Hausfriedensbruch in Kauf zu nehmen. Das Projekt, den Klimawandel zu stoppen, sei dringend.

Quelle: RP
 
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