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Erkelenz
Sachlich streiten lernen

Erkelenz: Sachlich streiten lernen
Sie debattierten mit sachlichen Argumenten über ein festes Grundeinkommen (v.l.): Michael Wagner (belegte den 2. Platz), Hamza Börek (3.), Florian Lindwehr (1.), Lars Rapp (4.) FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Am Berufskolleg Erkelenz fand der Schulentscheid statt. Vier Jungen debattierten lebhaft und sachlich. Von Anke Backhaus

Michael Wagner (17 Jahre), Hamza Börek (18), Florian Lindwehr (22) und Lars Rapp (16) sitzen sich gegenüber. Das Quartett führt ein lebhaftes, aber faires Streitgespräch. Das Thema: Soll es in Deutschland ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von 1000 Euro für jedermann geben? Die Jungs sind nicht alleine im Raum, sie debattieren in einem Klassenzimmer des Erkelenzer Berufskollegs, dort sitzt auch Schulleiter Paul-Günther Threin. "Jugend debattiert" lautet das Motto an diesem besonderen Schultag. Das Berufskolleg ist jedes Jahr mit seinen Schülern dabei, los ging es nun mit dem schulinternen Wettbewerb.

Die vier jungen Debattierer besuchen alle das Wirtschaftsgymnasium. Schnell wird klar, dass sich jeder akribisch auf die Debatte vorbereitet, sich bestens in das komplexe Thema eingearbeitet hat. Michael Wagner und Hamza Börek vertreten die Pro-Seite, Florian Lindwehr und Lars Rapp sind dagegen.

Was während der Debatte auffällt: Die jungen Leute diskutieren auf sehr sachlichem Niveau, es wird nicht laut, stattdessen bauen sie eine logisch sortierte Debatte auf. Vor allem Schulleiter Paul-Günther Threin ist es, der besonders interessiert zuhört. "Mir ist es sehr wichtig, dass sich die Schüler damit auseinandersetzen", sagt Threin. Bürgermeister Peter Jansen, der die Schirmherrschaft übernommen hat, pflichtet ihm bei: "Das ist ein gesellschaftlich schwieriges Thema. Demokratie funktioniert nur, wenn man miteinander kommuniziert. Und das beweisen die Schüler hier vortrefflich."

Michael und Hamza sind der Meinung, dass das Grundeinkommen für eine finanzielle Absicherung sorgt. "Es bietet eine Chance zur Selbstverwirklichung", finden sie. Zudem sehen sie darin eine finanzielle Unterstützung junger Familien. Florian und Lars sehen das ganz anders, denn: "Das ist doch gar nicht finanzierbar", sagen sie überzeugt. "Statt des bedingungslosen Grundeinkommens sollten spezielle Bereiche gezielt gefördert werden. Beispielsweise alleinerziehende Mütter."

Die vier Jungs bereiten der Jury, die aus vier Lehrerinnen des Berufskollegs Erkelenz besteht, jede Menge Schreibarbeit. Nachdem sich die Jury zur Beratung zurückgezogen hat, kehren sie mit einem positiven Fazit zurück. Jeder junge Debattierer hat die Lehrer nämlich auf seine ganz eigene Art und Weise überzeugt. Hier und da gibt es noch wertvolle Tipps zur Verbesserung, doch insgesamt hören alle vier Jungs gute Beurteilungen ihrer Beiträge. Doch am Ende kann nur einer gewinnen: Es ist der 22-jährige Florian, der auf Rang eins kommt, Zweiter wird Michael - beide haben sich für die nächste Runde qualifiziert, die am 18. Februar im Aachener Couven-Gymnasium stattfinden wird.

Quelle: RP
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