| 13.27 Uhr

Erkelenzer Land
Schatten auf der Sonne?

Erkelenzer Land. Ab 1. Juli werden die Einspeisevergütungen für neu entstehende Photovoltaik-Anlagen gekürzt. Viele sehen darin einen Rückschlag für die derzeit boomende Solar-Branche. Gefördert wird allerdings auch weiterhin. Von Jan Schnettler

Für NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg ist der 1. Juli ein gutes Datum. Zu diesem Stichtag kürzt der Bund die Förderung für die Einspeisung von Strom aus Solaranlagen auf Dächern um 16 Prozent, aus Freiflächen-Anlagen um 15 Prozent. "Es müssen realistische Vergütungen gezahlt werden", sagt Uhlenberg: "Die Reduzierung ist richtig." Auf landwirtschaftlichen Flächen wird die Förderung von Photovoltaik zudem gänzlich eingestellt. Auch das befürwortet der CDU-Mann: "Auf Äckern sollte nur Windenergie gewonnen werden."

"Regierung als Steigbügelhalter"

Markus Palic sieht dem 1. Juli hingegen mit gemischten Gefühlen entgegen – bestenfalls. "In Verbindung mit der Tatsache, dass die Konkurrenz aus China mit billigen Panels in den Markt drängt, wird das der deutschen Solarindustrie schwer zu schaffen machen", sagt der Geschäftsführer der NVV-Tochter NEW Re, die auf regenerative Energien spezialisiert ist.

"Die Bundesregierung agiert als Steigbügelhalter, wenn wir jetzt die Chinesen dafür alimentieren, dass sie deutsche Produkte nachbauen, in die hier Forschungsgelder geflossen sind." Niemand könne etwa sagen, ob die Anlagen aus Fernost qualitativ mithalten können, was langfristige Funktionsgarantien angeht.

Unstrittig ist, dass noch bis zum 1. Juli – ursprünglich war sogar der 1. Juni angepeilt – "Goldgräberstimmung" auf dem Solarmarkt herrscht, wie Palic sagt. Denn: Die deutlich billigeren chinesischen Module sind bereits verfügbar, und die Einspeisevergütung wird nur für Anlagen gekürzt, die nach dem 1. Juli ans Netz gehen.

Für alles, was davor noch gebaut wird, bleibt sie unverändert bei maximal 39,14 Cent pro Kilowattstunde – das garantiert das Erneuerbare-Energien-Gesetz für eine Laufzeit von 20 Jahren. Wegen dieses Booms herrscht derzeit ein Engpass bei den Wechselrichtern, die den Gleichstrom, der in den Solargeneratoren aus Licht entsteht, in den netzüblichen Wechselstrom umwandeln.

"Solarstrom ist am teuersten zu erzeugen, aber am einfachsten zu beherrschen", sagt Palic. In absehbarer Zeit werden die NVV und ihre Töchter über Photovoltaik-Anlagen mit mehr als einem MWp (Spitzenleistung in Megawatt) an installierter Leistung verfügen. Das entspricht einer Energie von rund 850 000 Kilowattstunden pro Jahr. Das Parade-Projekt in Sachen Solarstrom ist die Bürgersolaranlage des Kreises Heinsberg. Diese ist seit Juli in Betrieb und erzeugt im Jahr 322 000 Kilowattstunden Strom.

"Aus den Händen gerissen"

"Wir bewarben uns gemeinsam mit der Kreissparkasse, um in Form einer Genossenschaft die Dächer kreiseigener Gebäude mit Solarpanels auszustatten", sagt Palic. Über die Verpflichtung von mindestens 50 Prozent der Genossenschaftsanteile hinaus wurden letztlich nahezu 100 Prozent an Bürger im Kreis Heinsberg verkauft: "Die hat man uns aus den Händen gerissen. Wir hatten Mühe, überhaupt noch etwas zu behalten." Nach 20 Jahren sollen so rund 4500 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Mit der Volksbank Mönchengladbach sei im Raum Mönchengladbach ein ähnliches Projekt geplant.

Der größere Teil der NVV-Photovoltaik-Anlagen besteht aus Demonstrationsanlagen, die in den Unterricht an Gymnasien und Berufsbildungseinrichtungen integriert werden. Am Gladbacher Wasserwerk Helenabrunn läuft im Modellbetrieb eine "Nachführanlage", die per Computersteuerung der Sonne folgt und so einen, auf die Fläche bezogen, größtmöglichen Ertrag liefert. "Die NEW Re sieht eine wichtige Aufgabe darin, Kunden zu unterstützen, die daran denken, in eine Solaranlage zu investieren", sagt Palic. Dazu gehöre es auch, den ökologischen und ökonomischen Nutzen in der Anlagenplanung zu optimieren. Wer in den Genuss einer Photovoltaik-Anlage kommen möchte, sollte sich die "Goldgräberstimmung" zunutze machen. Zwar mag die Einspeisevergütung für Anlagen, die ab Sommer entstehen, niedriger ausfallen – wer seinen Solarstrom hingegen nicht ins Stromnetz einspeist, sondern selbst verbraucht, soll deutlich höher gefördert werden.

Die Serie "Neue Energie" ist eine Kooperation von NVV und Rheinischer Post.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Erkelenzer Land: Schatten auf der Sonne?


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.