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Erkelenz
Schmetterlinge lernen zu landen

Erkelenz: Schmetterlinge lernen zu landen
Weil Don blind ist, kommt es bei der Kommunikation mit Jill immer wieder zu kleinen Verwicklungen und kurioser Situationskomik. Die Schauspieler Christoph Bahr und Lara Christine Schmidt überzeugen in ihren Rollen. FOTO: Jörg Knappe
Erkelenz. Die Burghofbühne Dinslaken eröffnete die Theatersaison in Erkelenz. Mit der romantischen Komödie "Schmetterlinge sind frei" von Leonard Gershe erzählt sie eine Geschichte des Erwachsenwerdens unter besonderen Umständen. Von Johanna Küppers

Don Baker ist ein adrett gekleideter, junger Mann. Sein kariertes Hemd ist in die Hose gesteckt, seine Haare sind zur Seite gekämmt. Die kleine Wohnung in New York, in der er wohnt, ist nicht besonders schön, aber es ist immerhin seine erste eigene. Sie ist ordentlich und pragmatisch eingerichtet. Ganz anders, als die seiner Nachbarin Jill Tanner. Das leichtlebige Mädchen in Blumenrock, roter Strumpfhose, Haarteil und falschen Wimpern bringt das geordnete Leben von Don durcheinander. Schnell findet die angehende Schauspielerin in ihm auch einen Bettnachbarn, sie haben eine gute Zeit gemeinsam.

Einzig mit Dons Besonderheit ist Jill überfordert und verwickelt sich so immer wieder in peinlichen Situationen - denn Don kann nicht sehen. Viele Verwechslungen, Situationskomik und letztlich die Überforderung von Jill amüsiert das Publikum. Der Komödie gelingt die Gradwanderung zwischen lustig und albern. Witzige Pointen, wie: "Haben Blinde einen sechsten Sinn?" "Nein. Und selbst wenn, hätte ich eh nur fünf" oder "Da ist so ein Chaos in meiner Wohnung, sieh bloß nicht hin", sind in die sonst leichten Unterhaltungen eingebaut.

Obwohl eine ganze Zeit lang nur die beiden Schauspieler zu sehen sind, fällt es nicht schwer, den beiden zu folgen. Die Schauspieler Christoph Bahr und Lara Christine Schmidt überzeugen in ihren Rollen. Nur manchmal erscheint Don ein wenig blass neben der quirligen Jill. Zusammen allerdings bieten sie - auch musikalisch - eine gute Show. Leichtlebig singen sie "Butterflies are free - so are we", während Don dazu Gitarre spielt. Weitere musikalische Zwischenspiele, komponiert von Christian Grifa, reißen das Publikum emotional mit.

Im Laufe des Stückes wird deutlich, dass es Don ist, den seine Behinderung am wenigsten stört, er möchte einfach ein eigenständiges Leben führen. Seine überbesorgte Mutter Mrs. Baker ist von dieser Idee nicht überzeugt und möchte ihn wieder nach Hause holen. Ihr Auftreten im zweiten Akt stellt den Wendepunkt, der bisher fröhlich, lustigen Geschichte dar. Sie verwickelt die beiden jungen Leute in reflektierende Gespräche. Denn trotz der Leichtigkeit der romantischen Komödie steckt ein tiefgreifender Sinn hinter der Geschichte. Sie handelt vom Erwachsenwerden, dem Ablösen vom Elternhaus und der Suche nach der Liebe und einer Beziehung. Verantwortung spielt ebenfalls eine große Rolle, denn Jill muss lernen, Verantwortung für andere zu übernehmen und nicht immer wegzulaufen. Sie verlässt Don für ihren Regisseur Ralph Austin und packt ihre Koffer, um bei ihm einzuziehen. Auch Don's Mutter sieht am Ende des Stückes ein, dass sie nicht mehr gebraucht wird. Der sonst so starke und tapfere Don ist zerstört, als beide ihn endgültig verlassen, er sackt zusammen und liegt weinend am Boden.

Besonders dieser Konflikt zwischen Mutter und Sohn kam einigen Zuschauern bekannt vor. "Das war wunderbar aus dem Leben gegriffen, jede von uns hätte sich an die Stelle von Mrs. Baker stellen und sich in die Situation einfühlen können", sagt Beate Schirrmeister-Heinen nach dem Stück. Sie freue sich auf die kommende Spielsaison in Erkelenz, es sei eine gute Mischung geplant.

Zuletzt gibt es ein Happy End - Jill kehrt zu Don zurück.

Quelle: RP
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