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Erkelenz
Schüler erforschen Nachkriegszeit

Erkelenz: Schüler erforschen Nachkriegszeit
Aufbau von Verwaltung und kommunaler Politik war das Thema von Samantha Cremer, Julia Krieger, Mira Borowski und Cassandra Trimborn. FOTO: Speen
Erkelenz. Stadtarchiv und Berufskolleg haben Schülern einen eigenen Zugang zur Geschichte von Erkelenz ermöglicht. Sie durften recherchieren und eine Ausstellung erarbeiten, wie die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg neu anfing. Von Andreas Speen

Schon rasch nach Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Stadt Erkelenz damit, Schulen zu bauen und der Jugend darüber Perspektiven zu eröffnen. Noch früher ließ die britische Militärregierung in Erkelenz wieder Vereine zu, um jungen Menschen zu ermöglichen, die Schrecken der Kriegsjahre darin gemeinsam mit anderen hinter sich zu lassen. Schüler des Wirtschaftsgymnasiums am Berufskolleg Erkelenz haben seit Mai im Stadtarchiv geforscht, wie Erkelenz nach 1945 den Neuanfang schaffte. Herausgekommen sind Text- und Bildertafeln, auf denen die 17- bis 20-Jährigen einen Teil der Erkelenzer Stadtgeschichte erklären - gründlich recherchiert, prägnant zusammengefasst und anschaulich dargestellt. Jetzt zeigten sie ihre Ausstellung zum ersten Mal.

Schule, Erziehung und Freizeit in Erkelenz nach dem Zweiten Weltkrieg haben Jörn McClune, Dominic Walter und Luis Linnertz Cepeda erforscht. FOTO: spe

Fünf Themen hatten die Lehrerin Verena Gahr und Stadtarchivarin Alice Habersack herausgesucht, die von den Schülern erforscht werden sollten. "Uns ging es darum, Themen auszuwählen, die jugendnah und zugleich für den Bildungsgang relevant sind", erläuterte Gahr. So ging es beispielsweise um "Schule, Erziehung und Freizeit" und "Aufbau von Verwaltung und kommunaler Politik". Beendet ist die Forschungstätigkeit mit diesen fünf Themen allerdings nicht, betonte Habersack: "In unserem Stadtarchiv liegt noch viel Material. Langweilig wird es nicht."

Die Erkelenzer Berufsschule kam nach dem Krieg zunächst in der Volksschule und in einem gemieteten Raum einer Gastwirtschaft unter. FOTO: Speen

Ohne weitere Vorkenntnisse im wissenschaftlichen Arbeiten und im Recherchieren in einem Archiv sind insgesamt 19 Schüler im Mai erstmals ins Erkelenzer Stadtarchiv gekommen, um mit Habersack und Gahr zu lernen. Sie lernten, Quellen zu sichten, zusammenzustellen und daraus eine Ausstellung zu konzipieren, die Menschen anspricht. Begeistert erzählte Julia Krieger von den Tagen im Stadtarchiv, wo sich der Kursus für Gesellschaftslehre und Geschichte wöchentlich traf: "Wir haben neue Eindrücke gewonnen. Wir haben Entdeckungen gemacht, während wir in den Dokumenten wühlen durften." Mit ihrer Gruppe arbeitete sie über die Kommunalpolitik in den Jahren ab 1945 und interessierte sich nicht nur für erste Wahlergebnisse, sondern auch dafür, was die Erkelenzer Politiker für die Jugend taten: "1948 plante die Stadtvertretung, im neu ausgewiesenen Schulviertel ein neues Gymnasium zu errichten. Für drei Bauabschnitte wurden 713.700 D-Mark aufgebracht. Das Land NRW beteiligte sich mit rund 575.000 D-Mark, den Rest trugen sowohl der Landkreis als auch die Stadt Erkelenz", recherchierten die Schüler und gestalteten mit historischen Fotografien anfänglicher Schulgebäude und von den Bautätigkeiten eine Ausstellungstafel. Dafür, dass alle Angaben stimmen, zeichneten sie gemeinsam mit Gahr und Habersack verantwortlich, die erklärte: "Die Tafeln haben wir sehr sorgfältig auf die Informationen hin überprüft und alle Dokumente mit Signaturen versehen."

1949 wurde in Erkelenz an der Gasthausstraße ein neusprachliches Gymnasium erbaut, in dem heute die Hauptschule untergebracht ist. FOTO: Speen

In diesem Schuljahr will das Erkelenzer Wirtschaftsgymnasium weitere Schüler an das wissenschaftliche Arbeiten im Stadtarchiv heranführen. Die Ausstellung ist darauf ausgelegt, ausgebaut zu werden. Uwe Bilski aus der Schulleitung berichtete, dass im zweiten Abschnitt zum Beispiel "die Sprache der Politiker und wie sie sich mit deutlichen Worten vom Nationalsozialismus distanzierten" beleuchtet werden soll. Bürgermeister Peter Jansen, der die Ausstellung besuchte, lobte, wie die Schüler ein Stück Erkelenzer Geschichte sichtbar gemacht hätten. Und Schulleiter Jan Pfülb wies auf die doppelte Nachhaltigkeit dieses Projektes hin. Gerne könne die Ausstellung andernorts in Erkelenz nun gezeigt werden, und dass sie in den nächsten Jahren ausgebaut werden soll, sorge dafür, dass sich möglichst viele Schülergenerationen intensiv mit ihrem historischen Erbe auseinandersetzten.

Quelle: RP
 
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