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Erkelenz
Senioren mögen die tierischen Therapeuten

Erkelenz. Pro Seniore: Tierphysiotherapeutin Anja Breiding gewinnt mit Hunden und Katze Zugang zu alten Menschen.

"Oh, ein Hund kommt zu Besuch", sind die ersten Worte von Bewohnerin Anita Flesch aus der Pro Seniore Residenz, denn Tiere in einer Senioreneinrichtung sind eine Besonderheit. Sie liefern Gesprächsstoff und stärken so nebenbei den sozialen Kontakt der Bewohner untereinander. Dass Tiere einen positiven Einfluss haben, ist lange bekannt. Anja Breiding, geprüfte Tierphysiotherapeutin, absolviert eine wissenschaftliche Weiterbildung zur Fachkraft für tiergestützte Interventionen (TGI) an der Hochschule Niederrhein. Sie besucht mit ihren ausgebildeten Therapie-Hunden Dino und Sultan sowie ihrer Katze Pünktchen für die nächsten Monate die Pro Seniore Residenz in Erkelenz und führt in dieser Zeit tiergestützte Aktivitäten mit den Senioren durch.

"Tiere urteilen nicht und gehen von sich aus auf die Bewohner zu. Ich würde Pünktchen nie auf den Schoß eines Bewohners setzen. Ich warte immer, bis sie auf die Bewohner zugeht. Diese Akzeptanz ist für viele eine wichtige Erfahrung. Und schon allein durch das Beobachten wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, welches den Aufbau von Vertrauen und Bindung unterstützt", sagt Anja Breiding. Die Arbeit mit den Tieren bringt zudem noch weitere Vorteile. Durch sie haben Menschen, die im Alter oft ein Stück ihrer Selbstständigkeit verlieren, wieder eine Aufgabe und übernehmen Verantwortung für ein anderes Lebewesen - das macht stolz und gibt neues Selbstbewusstsein. Der Kontakt zu den tierischen Therapeuten trägt darüber hinaus zum allgemeinen Wohlbefinden bei und kann auf emotionaler Ebene berühren. Ein anderer Bewohner möchte für das nächste Treffen Fotos seines früheren Haustieres raussuchen, um diese zu zeigen. "Die Kommunikation wird so auch untereinander gefördert", sagt Anja Breiding.

Der Psychotherapeut Levinson begründete die tiergestützte Therapie 1962, die sich sowohl auf Erwachsene als auch auf Kinder bezieht. Voraussetzung für die tiergestützte Therapie (kurz TGI) sind die Formulierung von konkreten Behandlungszielen, die Durchführung mit speziell ausgebildetem Fachpersonal und eine Dokumentation des Verlaufes.

TGIs werden zur Linderung von körperlichen, psychischen und emotionalen Erkrankungen eingesetzt. Die Tiere agieren als Eisbrecher und Türöffner: Sie schaffen Motivation für die Therapie - und werden nicht eingesetzt, nur damit die Bewohner sie streicheln und mit ihnen spielen können. Ziel ist es, die Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Durchführung von Handlungen zu fördern und vor allem das subjektive Wohlbefinden zu verbessern. Dabei gibt es fünf verschiedene Stufen beziehungsweise Methoden, wie die TGI ablaufen kann: Bei der freien Begegnung beobachten Mensch und Tier in einem nicht-definierten Raum einander - es gibt noch keinen direkten Kontakt. Die Hort-Methode beschreibt die gegenseitige Beobachtung in einem fest definierten Raum. Wenn der Mensch ein Tier ohne Zwang mit einem Gegenstand kontaktiert, nennt man dies die Brücken-Methode, wie etwa einen Hund bürsten. Wenn sich die Katze streicheln lässt, beschreibt dies die Präsenz-Methode. Mensch und Tier kommen freiwillig in Kontakt, und das Tier kann jederzeit die Situation verlassen.

Erst bei der Integrations-Methode wird das Tier Bestandteil der Therapie: Durch das Fühlen des Fells werden die Finger wieder geöffnet oder der Mensch richtet sich gerade auf, um dem Hund in die Augen zu sehen. Vor allem werden positive Gefühle, die Konzentrationsfähigkeit, die Mobilisation, die Gemeinschaft und die Kommunikation gefördert.

Vor allem beim Umgang mit älteren Menschen hat sich laut Anja Breiding die Brücken-Methode als sehr vorteilhaft erwiesen. Hiermit werden die sozialen Interaktionen aktiviert, und sie dient darüber hinaus dazu, einen Zugang zu den Menschen zu schaffen.

Quelle: RP
 
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