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Erkelenz
Sommerparty für 15.000 "Elektrisierte"

Fotos: So war das Electrisize Festival 2017 in Erkelenz
Fotos: So war das Electrisize Festival 2017 in Erkelenz FOTO: Michael Heckers
Erkelenz. 80 DJs und rund 15.000 Besucher waren dabei: Zum achten Mal ging das Mega-Musikevent Electrisize-Festival am Haus Hohenbusch über die Bühne. Oder besser: über fünf Bühnen. Dazu gab es einen Campingplatz mit etwa 1300 Schlafmöglichkeiten. Von Renate Resch

Begeisterte Fans bewegen sich im Rhythmus, klettern auf die Schultern ihrer Freunde und wiegen sich über der Menge mit erhobenen Armen im Beat. Lichtinszenierungen im Takt der Musik erleuchten punktuell die Menge. Feuerspektakel mit lodernden Flammen inszenieren die Klänge. Die Stimmung steigt mit einbrechender Nacht.

Fünf Bühnen unterschiedlicher Musikschwerpunkte sind über das weitläufige Gelände verteilt - Besucher können je nach Stimmung und Vorlieben wählen. 80 DJs legen auf. Jede Bühne hat ein unterschiedliches Musikkonzept. Für den größten Tanzboden wird relativ eingängige Mainstream-Musik gespielt, um möglichst viele unterschiedliche Besucher anzusprechen, die weniger wegen einer bestimmten Musikrichtung als wegen des Events dabei sind. Die kleineren Bühnen sprechen spezielle Zielgruppen an. So ist die kleine Bühne Fantasie eine Kooperation mit dem Radiosender Fantasie FM, auch in Zusammenarbeit mit den Discos Himmerich und Starfish, die bereits im zweiten Jahr eine Bühne bespielen.

Die Mainstage am Herrenhaus Hohenbusch ragte gigantisch in den Himmel. Ein Spektakel mit Videos, Licht und Flammen. FOTO: RENATE RESCH

Mädchen mit Blumenkränzen und weiten Blusenärmeln sind ebenso auf dem Gelände zu finden wie Tanzende mit wippenden Luftballons im Haar oder Masken und langen Kleidern. Gemischtes Publikum wird von der Musik angezogen. Der Altersschwerpunkt liegt wohl zwischen Anfang 20 und Anfang 30, jedoch geht es nach oben weiter und es kommen jedes Jahr mehr ältere Besucher - eine ganz gute Mischung. Die jüngsten Dancer müssen allerdings bereits 18 sein.

Weit Angereiste sind auf dem Festival zu finden, die einfach Fans der Musik sind und die Karten gezielt nach den DJs aussuchen und kaufen. Ebenso sind ganz viele Besucher aus der Umgebung da, aus dem Erkelenzer Land, die einfach das Event spannend finden. Der Radius des Publikums wächst mit jedem Jahr, die Aufmerksamkeit des Festivals wird größer. 80 bis 85 Prozent der Menschen kommen aus NRW, zunehmend reisen Fans über Grenzen des Bundeslandes hinweg an.

Fantasievoll geschminkt, mit Federbusch und Spitzen-Schirm und in langen Kleidern waren diese Ladys Hingucker auf dem Festivalgelände. Die Musik zieht gemischtes Publikum an. FOTO: Renate Resch

"Wir schnippen nicht mit dem Finger, und eine große Veranstaltung steht auf der Wiese", erklärt einer der Veranstaltungsköpfe, Dominik Mercks. Das Event wächst organisch, "wir schauen von Jahr zu Jahr, was der realistische nächste Schritt ist". Vor zwei Jahren wagten sie den großen Schritt, das Festival auf zwei Tage auszudehnen. Voriges Jahr kam eine dritte große Bühne dazu. Dieses Jahr soll das Design der Bühnen nochmals überarbeitet werden. "Wir haben den Anspruch, in der ersten Liga des Bühnendesigns mitzuspielen", erklärt er. Zum dritten Mal wird neben dem Festivalgelände ein Campingplatz angeboten, für alle Leute mit weiterem Anfahrtsweg. Im ersten Jahr wurde er als Test eingerichtet mit Platz für 300 Leute. 2016 waren es dann 700 Plätze, inzwischen wuchs er auf etwa 1300 Schlafmöglichkeiten an.

Entstanden ist dieses Megaevent aus einer Ferienlaune heraus. Es war die Idee von zwei Jungs, beide Freizeit-DJs, die gerne mit Freunden gemeinsam eine Party machen wollten. Beide Jungs sind heute noch mit dabei, einer davon ist Michael Frentzen, bis heute einer der Hauptorganisatoren, der andere Tim Lindenlauf, TIMBO, inzwischen in der Region einer der bekanntesten DJs. "Ein Team von Leuten fand sich zusammen, die diese Sommerparty organisierten", so Dominik Mercks. Von diesen sieben oder acht sind heute noch alle bei den Veranstaltern dabei - es sind weitere dazugekommen, heute besteht das Team aus etwa 30 Leuten. Zu Beginn konnte das entstehende Festival nebenher organisiert werden, inzwischen ist das nicht mehr zu schaffen. Deshalb entstand eine Veranstaltungsfirma, die Kulturgarten GmbH, die das Kern-Electrisize-Team, also Raphael Meyersieck, Michael Frentzen und Dominik Mercks gegründet haben. 2009 fand zum ersten Mal das Electrisize-Festival statt, zunächst im Lahey-Park in Erkelenz, dann in Geilenkirchen, seit 2013 in Hohenbusch. "Da es lokal kein vergleichbares Festival gibt, mussten wir es eben selbst machen," folgert Mercks.

Um internationale Top-DJs zu buchen, fehlen dem Team die finanziellen Mittel. "Unsere Chance ist, einen guten Riecher zu haben", erklärt der Veranstalter. Frühzeitig Trends erahnen, DJs mit Potenzial, die auf dem Sprung stehen, finden. Einige Male ist es bereits gelungen in den letzten Jahren. Das größte Beispiel ist vermutlich AVICI, der 2010 auf dem Festival auflegte (und in Bellinghoven im Schwanenhof übernachtete) - zwei Jahre später war er Weltstar. Auch mit Oliver Heldens und Don Diabolo, also DJs, die heute in der ersten Liga spielen, gelang dies. Das Konzept lautet also Top-DJs zu finden, die in der Szene bereits einen Namen haben und Potenzial besitzen, aber noch nicht in der Masse etabliert sind.

Und das Wetter? "Wir sind gar nicht mehr anspruchsvoll, wir wollen nicht unbedingt 25 Grad und Sonne, entscheidend ist, dass es trocken ist! Das tut der Stimmung einfach gut", erklärt Dominik Mercks. "Am Tag vor Veranstaltungsbeginn hat es einfach durchgeregnet, wir sind komplett abgesoffen, das Gelände war ein Desaster," erinnert er sich. "Deshalb wurden am Veranstaltungsmorgen 150 Quadratmeter Rindenmulch aufs Gelände gekarrt und alles abgedichtet. Glücklicherweise ist das Wetter jetzt bei der Veranstaltung stabil." Das nächste Festival wird bereits geplant. "Wir fühlen uns hier sehr wohl und wenn alles mitspielt, machen wir gerne weiter und bleiben mit dem Electrisize-Festival in Hohenbusch."

Quelle: RP
 
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