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Erkelenz
Heimatverein: "Evangelisch in Erkelenz"

Erkelenz. Überwiegend katholisch geprägt ist Erkelenz. Dennoch: "Evangelisch in Erkelenz" gibt es auch, und das nicht nur im Stadtzentrum. Der Heimatverein der Erkelenzer Lande hat sich dem Thema gewidmet. Eine rund 30-köpfige Gruppe traf sich zu einer Radtour, das Motto lautete : Evangelisch in Erkelenz.

Mit dem Hinweis auf den Band 19 der Schriftenreihe des Heimatvereins, den Pfarrer Günter Wild und Hans Josef Broich im Jahr 2003 geschrieben haben, "Evangelisch in Erkelenz", begrüßte Günther Merkens, der Vorsitzende des Heimatvereins, die Fahrradbegeisterten, die sich auf einer 30 Kilometer langen Radtour über dieses Thema informieren wollten. Die Tour führte zu den evangelischen Gemeinden Schwanenberg, Lövenich und Erkelenz. Unter der Leitung von Wilfried Mercks legten die Radler die teilweise sehr anspruchsvolle Strecke zurück und wurden in den drei Gemeinden nicht nur herzlich, sondern auch mit vielen Informationen empfangen.

Die Radtour des Heimatvereins war aber nicht "lupenrein evangelisch". Als Startort wurde der "Ort der Begegnung" gewählt - ein ursprünglich "katholischer Ort", wie Gemeindereferentin Ursula Rothkranz in der Begrüßung erläuterte. Der Ort der Begegnung wird heute, wie Heidi Breidt von der evangelischen Gemeindediakonie ergänzte, für vielfältige gemeinsame Angebote wie das "Café International" für die Flüchtlingshilfe genutzt.

Weiter ging es nach Schwanenberg, Urzelle des Protestantismus im Erkelenzer Land. Dieter Neßler gab nicht nur ausführlich Auskunft über die Gebäudesituation und die Entwicklung der Kirche. Ihm war es auch wichtig, auf das früher praktizierte und heute wieder gepflegte Miteinander mit Juden hinzuweisen. Wurde es bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten im täglichen Leben praktiziert, gehen heute von Schwanenberg wichtige Impulse zur Kontaktpflege mit Nachkommen der Vertriebenen und eine hoch entwickelte Erinnerungskultur aus. Auf dem Weg nach Lövenich ging es dann auch an einigen Erinnerungsorten, die auf der "Route gegen das Vergessen" liegen, vorbei: ehemaliger jüdischer Friedhof in Lentholt und Spießhof in Hetzerath.

Pfarrer Sven Dreiser erläuterte vor und in der Hofkirche in Lövenich dann die Entstehung der Kirche und der Gemeinde. Damals, Ende des 17. Jahrhunderts mussten die Reformierten in den überwiegend katholischen Regionen noch "unsichtbar" bleiben. Er erläuterte auch die Entwicklung der Kirche in den zurückliegenden Jahrzehnten, in denen der Denkmalschutz eine wichtige und teilweise auch einschneidende Rolle spielte.

Über Einwirkungen des Denkmalschutzes konnten am Tour-Endpunkt in Erkelenz am Martin-Luther-Platz Pfarrer Günther Wild und Buch-Mitautor Hans Josef Broich nichts berichten, denn die Kirche am Martin-Luther-Platz wurde erst nach dem Krieg erbaut. Architekt war Horst Neßler, der Vater von Dieter Neßler. Wild veranschaulichte die im Februar 1945 zerstörte Vorgänger-Kirche mit Hilfe einer filmischen Animation von Willi Wortmann, bevor Broich das Innere der Kirche und die Glocken erläuterte. Und spätestens bei den Glocken wurde es wieder ökumenisch: Bei den Ergänzungen der Glocken nach dem Krieg wurde bei der Stimmung der Glocken auf das Geläut in der katholischen Kirche St. Lambertus Rücksicht und Bezug genommen.

Neben den vielen Details über die drei Gemeinden - die vierte evangelische Gemeinde in Gerderath soll zu einem späteren Zeitpunkt einmal angeradelt werden - war bei allen Erläuterungen wichtig, dass die evangelischen Gemeinden in der Vergangenheit durch den Zuzug von Flüchtlingen gewachsen sind. Und die unterschiedlichen Richtungen im Protestantismus spiegeln sich über die drei Gemeinden auch in Erkelenz wider.

Quelle: RP
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