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Erkelenz
Schüler diskutieren über Europa

Erkelenz. Das Cusanus-Gymnasium hat mit seinen Schülern auch in diesem für die EU schwierigen Jahr ein fächerverbindendes Projekt zu Europa durchgeführt. Die 180 Schüler aller neunten Klassen haben an einem "Europatag" ihre Haltung zu Europa getestet. Ein solcher Projekttag findet an dem Erkelenzer Gymnasium, das den Titel "Europaschule" trägt, im siebten Jahr statt, berichtet Dr. Kenan Holger Irmak, Lehrer und Europabeauftragte der Schule.

Mit Planspielen widmeten sich die Klassen jeweils einem Thema, entwickelten Zukunftsentwürfe und simulierten Verhandlungen bis zur Entscheidungsreife. Es standen praktische Probleme im Vordergrund, welche die Schüler im Ringen um den besten Kompromiss zu lösen versuchten: Sie schlüpften in eine ihnen zufällig zugewiesene Rolle eines der EU-Mitgliedsstaaten, eines Ministers oder eines Europa-Abgeordneten, um die Mechanismen in den Institutionen Europas selber handelnd kennenzulernen. Schon Wochen zuvor bereiteten sowohl die Politik- als auch die Erdkundelehrer in ihrem Unterricht die Klassen auf diesen Tag vor. In einer der sechs Klassen übernahmen speziell für die Planspiele ausgebildete Studenten vom "Team Europa" der Landeszentrale für Politische Bildung NRW das aktuelle Thema "Flucht und Asyl in Europa".

Mit Herzblut vertieften sich die Jugendlichen in ihre Rolle und diskutierten, ob es eine europäische Hauptstadt geben solle, was von einem europäischen sozialen Pflichtjahr für junge Menschen zu halten sei, wie ein europaweites WLan-Netz finanziert und dabei der Datenschutz gesichert werden könnte oder wie eine europäische Asylpolitik auszusehen habe, die den Schutz der Grenzen und der Flüchtlinge gleichermaßen garantiert. Die Beteiligten merkten, wie mühsam es ist, mit vielen unterschiedlichen Interessen eine gemeinsame Schlussformel zu finden, die allen zusagt, berichtetet Irmak. Eine große Gemeinsamkeit sei die Erkenntnis der meisten Schüler gewesen, dass der Weg zu Europa nur über gute Kompromisse geht. Politiklehrer Daniel Rütten: "Dabei wurde ihnen bewusst, dass europäische Politik gerade bedeutet, nationale und gemeinsame Ziele in Einklang zu bringen, ernsthaft und sachorientiert zu diskutieren, Zweckbündnisse zu schmieden und Verhandlungsgeschick unter Beweis zu stellen." Dass darunter die Diskussionskultur sachlich und konstruktiv bleiben kann, hoben Moritz Eyrich und Lina Eigelshoven aus der 9f hervor.

Eine weitere Besonderheit bot sich der Klasse 9c, die auf Einladung des Politiklehrers Hans Lenzen-Tomberg Besuch des Kreis Heinsberger Bundestagsabgeordneten, dem ehemaligen Cusaner Wilfried Oellers, bekam.

Die Schüler befragten ihn zum Verhältnis des Bundestages zur EU. Ihre Frage beantwortete Oellers mit einem konkreten Beispiel seiner Arbeit, in der es um die Entsenderichtlinie für Arbeitnehmer ging. Verschiedene EU-Staaten hätten sehr unterschiedliche Interessen beim Arbeitsschutz und der Bezahlung ihrer Arbeitnehmer im EU-Ausland. "Schaut Euch den Euro in Eurem Portemonnaie und Eure Möglichkeiten in einem geeinten Europa an und bedenkt, welche Vorteile uns die EU gebracht hat. Die EU ist die größte Friedensinstitution der Welt!", gab Oellers den Schülern am Ende mit auf den Weg.

Quelle: RP
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