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Erkelenz
Strahlende, enthusiastische Akzente

Erkelenz: Strahlende, enthusiastische Akzente
Die Neue Philharmonie Westfalen und Pianist Thomas Duis servierten in der Erkelenzer Stadthalle ungemein farbige Werke in explosiver Fülle. FOTO: JÜRGEN LAASER
Erkelenz. Die Saison ist fulminant eröffnet: Die Reihe der Meisterkonzerte der Kreis Heinsberger Anton-Heinen-Volkshochschule präsentierte in Erkelenz die Neue Philharmonie Westfalen und Pianist Thomas Duis. Von Angela Wilms-Adrians

Die Wurzeln des kulturellen Austauschs zwischen der Alten und der Neuen Welt prägten den Saisonauftakt der Meisterkonzerte in der Erkelenzer Stadthalle. Auf Einladung der Anton-Heinen-Volkshochschule Heinsberg gastierten die Neue Philharmonie Westfalen und der Pianist Thomas Duis. Sie begeisterten ihr Publikum zu ungemein farbig servierten Werken von hierzulande eher unbekannten Komponisten wie auch zu Dvoraks herrlichen Sinfonie Nr. 9 Opus 95 "Aus der Neuen Welt".

Im ausführlichen Programmheft wurde der Prager Jaromir Weinberger als einer der Musiker vorgestellt, die den Erfolg der Heimat in den USA kaum fortführen konnten. Beispielhaft für dessen Verknüpfung von europäischen Kompositionsformen und amerikanischen Themen stellte das Orchester unter Leitung des Generalmusikdirektors Rasmus Baumann Weinbergers Prelude und Fugue on "Dixie" vor. Immer wieder ließ die Neue Philharmonie den Dixie-Song herausleuchten, abgewandelt, überlagert und in unterschiedlichen Instrumentengruppen fröhlich leuchtend herausgestellt. Die Blechbläser setzen strahlende Akzente im enthusiastisch optimistischen Spiel, das zugleich den Elementen der klassischen Formgebung souverän gerecht wurde.

Zu Edward MacDowells Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 d-Moll Opus 23 übernahm Thomas Duis den Klavierpart. Im Gegenzug zu Weinberger ging der New Yorker Komponist MacDowell für viele Jahre den umgekehrten Weg nach Europa.

Grandios zelebrierte Duis die hohen Anforderungen an den Pianisten, meisterte behände virtuos verdichtete Folgen. Aus scheinbar spielerischer Leichtigkeit steigerte er in explosive Fülle.

Folgen, die einem brausenden Wirbelwind gleichkamen, fanden ihren Gegensatz in übermütigen Kapriolen. Ebenso ließ der Interpret den Flügel sanft erstrahlen und in kristallinen Klängen leuchten, um daraufhin bald wieder ausdrucksvoll die Spannung aufzubauen, die sich im Wettstreit mit dem Orchester eindrucksvoll entlud. Die Streicher hatten den ersten Satz Larghetto calmato ungemein fein eröffnet und zur Antwort das sachte, weiche Spiel der Bläser erhalten, bevor sich die Zwiesprache zwischen Flügel und Philharmonie entfaltete.

Die Orchestermusiker überzeugten auch hier mit Bravur und Wandlungsreichtum, der in großzügigen Entwicklungen, sprunghaften Kontrasten und einfühlsamer Sanftmut begeisterte. Spritzig forsch in der lebhaften Ausgestaltung der Instrumentierung geriet etwa das "Presto giocoso" im zündenden Spiel, das im ernsten Largo seinen Gegenpol fand. Das Publikum war hingerissen, dankte mit langem Beifall, den der Pianist mit einer Zugabe von Rachmaninow erwiderte, der ebenfalls in die Neue Welt ging.

Die Philharmonie vollendete das Programm nach der Pause mit Dvoraks Sinfonie. Noch einmal faszinierte sie mit wunderbaren Wechseln zwischen konzertantem Wettstreit und herrlichen Soli aus den eigenen Reihen. Auch hier bewies sie Feuer, Einfühlungsvermögen und ansteckende Intensität. Ein Genuss.

Quelle: RP
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