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Erkelenz
Straßenschild gedenkt jüdischer Einwohner

Erkelenz: Straßenschild gedenkt jüdischer Einwohner
Aus Großbritannien angereist war - stellvertretend für seinen heute 90-jährigen Vater Gerald, - unter anderem Laurence Leyens, ein Enkelsohn von Leopold und Erna Leyens, nach denen die Straße benannt ist. Gemeinsam mit Michael Tüffers enthüllte Leyens (l.) das Straßenschild. FOTO: Jörg
Erkelenz. Stellvertretend für jüdische Mitbürger, die Opfer des Holocaust wurden, ehrt Schwanenberg Leopold und Erna Leyens. Von Natalie Urbig

Es ist mehr als nur ein Straßenschild, das von Michael Tüffers, dem Vorsitzenden des Bezirksausschuss Schwanenberg, und Laurence Leyens im Neubaugebiet-Tichelkamp enthüllt wurde. Der Name "Leyensring" erzählt die Geschichte der Familie Leyens und gedenkt - so verrät es das Zusatzschild - an Leopold und Erna Leyens stellvertretend für alle jüdischen Bürger Schwanenbergs, die Opfer des Holocaust wurden.

Die Idee, einen Straßennamen der Familie Leyens zu widmen, ist nicht neu: Schon bei der Entwicklung des Schwanenberger Neubaugebiets "In der Schlei" vor 14 Jahren wurde vom Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Schwanenberg der Vorschlag gemacht. "Damals ist es nicht dazu gekommen", sagt Michael Tüffers über den Vorschlag, der nun einstimmig vom Bezirksausschuss und Stadtrat befürwortet wurde.

Bei einer Gedenkveranstaltung für ehemalige jüdische Mitbürger mit einem ökumenischen Gottesdienst und anschließendem Empfang im Gemeindehaus wurde das Straßenschild mit dem Namen "Leyensring" nun feierlich enthüllt. Damit hat Schwanenberg - neben den Gedenktafeln an der ehemaligen jüdischen Synagoge und dem jüdischen Friedhof - eine weitere Gedenkstätte für seine ehemaligen jüdischen Mitbürger errichtet.

Mitglieder der Familie Leyens, drei Enkel und eine Urenkelin, waren aus Großbritannien angereist. Als Richard Leyens die Geschichte seiner Familie erzählt, wird es schlagartig ruhig unter den Gästen, die sich um das neue Straßenschild versammelt haben: Seine Großeltern Leopold und Erna Leyens hat er nie kennengelernt. Einst gehörte ihnen das Gebäude in Schwanenberg, in dem heute die Kreissparkasse und die Marktschänke zu finden sind. 1942 wurden sie vom Spießhof in Hetzerath in das KZ Izbica deportiert und gelten als verschollen.

Ihre Kinder Laura und Gerald konnten sie jedoch retten: Mit einem Kindertransport kamen die Geschwister im Alter von 13 und 15 Jahren nach London. Dort wurden sie voneinander getrennt und in unterschiedliche Familien gebracht, so erzählt es Richard Leyens, der Sohn von Gerald Leyens. Trotz der schrecklichen Erfahrungen seien sein Vater und seine Tante Laura, die vor wenigen Jahren verstorben ist, stets liebevolle Menschen mit einem gesunden Humor gewesen. Gerne wäre sein Vater Gerald Leyens bei dem Ereignis selbst anwesend gewesen, doch sei die Reise zu anstrengend für den heute 90-Jährigen.

"Wir fühlen uns besonders geehrt, dass Sie den Namen Leyens als Symbol gewählt haben, um an die Zeit großen Verlustes - nicht nur für unsere Familie - sondern für ein ganzes Gemeinwesen zu erinnern", übersetzt Dieter Neßler die stellvertretenden Worte von Richard Leyens ins Deutsche.

Quelle: RP
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