| 00.00 Uhr

Erkelenz
Tänzerische Höchstleistung

Erkelenz: Tänzerische Höchstleistung
Als Eulen ging die Tanzsportgemeinschaft Lövenich-Baal auf die Bühne, tanzte viereinhalb Minuten unter anderem zu "Rhythm of the Night". In der Erka-Halle an der Krefelder Straße schaffte die TSG die Qualifikation für die Norddeutsche Meisterschaft noch nicht. Am 8. November wird es in Alsdorf erneut versucht. FOTO: Laaser
Erkelenz. Mit dem 12. Qualifikationsturnier in Erkelenz begann am Wochenende die Turniersaison des "Bund Deutschen Karnevals". Unsere Autorin ist aktiv in der Tanzsportgemeinschaft Lövenich-Baal und berichtet über das Wochenende. Von Johanna Küppers

Ewig können wir den Moment nicht herauszögern, sobald alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, geht es Richtung Bühne. Meine leichte Aufregung versuche ich durch Witze und übertriebene Gelassenheit zu überspielen. Es kitzelt überall im Körper, und unweigerlich bewegen sich meine Arme und Beine leicht im Takt der Musik andere Tanzgruppen. Es folgt die Passkontrolle. Wir tuscheln untereinander und urteilen über unsere Konkurrenten: "Die Kostüme sind nicht schön", "Ihre Schritte sind viel zu einfach", aber auch "Die gefallen mir sehr gut".

Es gibt solche, die sich denken, bitte nicht schon wieder Karneval. Doch von den Tänzern und Tänzerinnen des karnevalistischen Tanzsportes wurde das vergangene Wochenende sehnsüchtig erwartet. In Erkelenz fand das erste BDK-Qualifikationsturnier der Saison statt. Das heißt: die erste bundesweite Chance, sich für die Teilnahme an den Halbfinals Nord und Süd der Deutschen Meisterschaften zu qualifizieren. Ich war dabei.

Dabei ist für mich dieser Wettkampf mehr Sport als Karenval. Nicht zu vergleichen sind die Tänze mit den Darbietungen der Kölner und Düsseldorfer Garden. Klare Regeln und Disziplinen bestimmen den Verlauf des Turniers. Die Leidenschaft des karnevalistischen Tanzens lockt nicht nur regionale Tanzgruppen - wie "De Japstöck" aus Kückhoven oder die Tanzsportgemeinschaft Lövenich-Baal - nach Erkelenz. Mit Bussen sind die Tänzer aus Städten ganz Deutschlands gekommen, wie Trier, Mannheim oder Saarbrücken. So schwirren viele Dialekte der deutschen Sprache durch den Raum, doch eines teilen alle Teilnehmer - die Vorfreude in ihren Augen.

Ein halbes Jahr ist es her, dass in Köln die große 44. Deutsche Meisterschaft in der Lanxess Arena stattfand. Seitdem hat sich einiges verändert, es wurde hart trainiert, neue Choreographien wurden einstudiert, Tänzer haben neu zusammengefunden. Alles für diesen Moment. Auch für uns, die Mädchen der TSG Lövenich-Baal, ist der zurückliegende Sonntag ein Moment voller Spannung, Vorfreude und auch Neugierde auf die anderen Gruppen gewesen. Viel Training liegt hinter uns, und in den vergangenen Wochen habe ich meine Mittänzer mindestens drei Mal pro Woche gesehen. Das schweißt zusammen, zehrt schließlich aber auch an den Nerven. Dazu kamen zusätzliche Treffen, um Kostüme zu nähen und Requisiten zu basteln. Meist muss alles schnell sein, dann ist Einsatz gefragt: So passiert es eben auch, dass ich meinen Freitagabend mal damit verbringe, Wolken auf ein zehn Meter langes Banner zu nähen, während ich mit meiner Mutter Krimi gucke.

Sobald in der Turnierhalle die ersten Töne der Marschmusik erklingen, ein angenehmes Durcheinander von aufgeregten Tänzern durch die Halle flitzt und endlich wieder Glitzer überall ist, sind die Mühen vergessen. Dann steht der Spaß im Mittelpunkt. Aber auch Geschlossenheit und Disziplin sind gefragt. Nur wer jetzt zusammenarbeitet, kann sich bereits auf dem ersten Qualifikationsturnier das Ticket für das Halbfinale sichern.

Bis dahin werden erst einmal Haare geflochten und hochgesteckt, Lippen nachgezogen, Perücken und Kostüme angelegt. In der separaten Aufwärmhalle werden die Tänze noch einmal durchgegangen. Tanzpaare üben ihre Hebungen.

Die Nervosität steigt - und dann kommt der Moment. Unser Name wird aufgerufen. Wir treten näher an die Treppe heran. Es geht los. Während des Tanzens durchfließt mich Freude. Ich denke an nichts. Wirklich nichts - und das kommt selten vor. Ich spule diesen Tanz ab. Lege in jede Bewegung so viel Energie und Perfektion, wie ich kann. Wir möchten dem Publikum einen "Wow-Moment" schenken und hoffen darauf, dass die Wertungsrichter diesen ebenfalls erleben, ihn bestenfalls mit einer guten Wertung bestätigen. In diesem Augenblick auf der Bühne steckt unglaublich viel Erfüllung.

So lange ich auf diesen Zeitpunkt warte, er ist schnell wieder vorbei. Die letzte Showtanzgruppe betritt die Bühne. Es folgt eine Siegerehrung. Die Sieger werden gefeiert, bekommen Urkunden und Pokale. Zwei Wettkampftage neigen sich dem Ende zu, die in diesem Jahr vor allem durch die Ausrichter, Vereinigung der Karnevalsgesellschaften der Erkelenzer Lande (VKEL) und TSG Lövenich-Baal, ermöglicht wurde. Von nun an wird es fast jedes Wochenende ein Qualifikationsturnier geben.

Die Saison ist eröffnet.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Erkelenz: Tänzerische Höchstleistung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.