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Erkelenz
Tausend Nadelstiche zum Glück

Erkelenz: Tausend Nadelstiche zum Glück
Eine Uhr mit römischen Ziffern, die die Uhrzeit bei seiner Geburt anzeigt, lässt sich Dietmar Krahe von Andreas "Rocc" Moysig (l.) auf den rechten Unterarm tätowieren. Moysig ist Inhaber des Tattoo-Studios "Invictus Ink" am Johannismarkt in Erkelenz. FOTO: JÖRG KNAPPE/Foto: Invictus Ink
Erkelenz. Andreas "Rocc" Moysig und Melanie dos Santos sind Inhaber des neuen Tattoo-Studios "Invictus Ink" am Johannismarkt. Von Hendrike Gierth

Dietmar Krahe geht seine Liebe zur Familie und zu seinem Lieblingsverein im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut - mit einem leisen Surren sticht die Nadel in Sekundenschnelle immer wieder zu, verteilt die schwarze Tinte in seinem rechten Unterarm. Der 45 Jahre alte Erkelenzer ist Stammkunde bei Andreas "Rocc" Moysig. Regelmäßig stattet er dem neuen Tattoo-Studio "Invictus Ink" am Johannismarkt einen Besuch ab, kommt so der Vollendung seiner Tätowierung Schritt für Schritt näher. "Für viele unserer Kunden sind Tattoos ein Luxus, den sie sich gönnen", sagt Moysig, "andere fahren für das Geld lieber in den Urlaub."

Vor 20 Jahren ließ Krahe sich sein erstes Tattoo stechen - von der Bulldogge mit Deutschlandschriftzug ist inzwischen aber nichts mehr zu sehen. Stattdessen ziert den Oberarm als sogenanntes "Cover up" unter anderem eine Borussia-Raute, ein Kompass und einige Sterne - dieses Mal soll eine Uhr folgen, die die Geburtsstunde des 45-Jährigen anzeigt. Andreas "Rocc" Moysig hat für die Sitzung alles vorbereitet: der Entwurf ist fertig, er wird mit einer Schablone auf die Haut aufgetragen. In den nächsten rund vier Stunden braucht der Tätowierer nun eine ruhige Hand und Dietmar Krahe Sitzfleisch. Erst werden die ganz feinen Linien der Umrisse tätowiert, danach folgen immer mehr Details und zum Schluss die Schattierungen und Füllungen. Zum Einsatz kommt dabei nur eine einzige Tätowier-Maschine, bei der Moysig die Aufsätze austauschen kann. So kann er zwischen Modulen hin- und herwechseln, die unterschiedliche viele Nadeln beinhalten. Außerdem kann mit der Maschine, die mit einem kleinen Elektromotor läuft, die Stichgeschwindigkeit sowie -tiefe reguliert werden. "Das ist eins der neuesten Modelle auf dem Markt", sagt Moysig.

Und auch sonst habe sich die Tattoo-Szene in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. "Tattoos sind inzwischen salonfähig und haben ihr Schmuddel-Image längst abgelegt - sie sind fast schon ein Massenphänomen", sagt der 36 Jahre alte Tätowierer. Deshalb plädiert er auch dafür, dass es endlich klare Regeln für Tätowierer und deren Studios geben muss. "Momentan kann jeder ein Studio aufmachen - ohne Auflagen, das macht es auch für die Kunden schwierig, die guten Studios zu erkennen", sagt Moysig.

Tätowierer Rocky Miklo und Mitinhaberin Melanie dos Santos. FOTO: Invictus Ink

Sein Studio "Invictus Ink" am Johannismarkt hat er extra in einer offenen Bauweise gestaltet. Mit dem großen schwarzen Tresen und den vielen leeren Bilderrahmen und Spiegeln an den Wänden wirkt es auf den ersten Blick wie ein Friseursalon. "Und das ist auch so gewollt", sagt der 36-Jährige, "wir haben hier viel Laufkundschaft und Neugierige, die einfach mal reinkommen. Die sollen sich bei uns direkt wohlfühlen."

Und so haben "Rocc" Moysig, seine Freundin und Mitinhaberin Melanie dos Santos - die sich als examinierte Krankenschwester um die Piercing-Wünsche der Kunden kümmert - und Tätowierer Rocky Miklo alle Hände voll zu tun, Kundenwünsche zu erfüllen. "Die Nachfrage ist größer, als wir leisten können", sagt Moysig. Länger als zwei Wochen warte aber keiner auf einen Termin, das Studio hat montags bis samstags von 11 bis 20 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet.

Damit ist die Arbeit von "Rocc" Moysig allerdings noch nicht getan, denn in den späten Abendstunden wird der Tätowierer erst richtig kreativ: Er macht die Entwürfe für seine Kunden fertig. Als ausgebildeter Web-Grafikdesigner arbeitet er dabei viel am Computer - Schriftzüge und andere Elemente werden eingescannt, kombiniert und so zu etwas Neuem, Eigenem kreiert. "Viele Künstler und Menschen aus dem Kreativbereich haben inzwischen ihre Pinsel gegen Tätowiermaschinen eingetauscht, was eine ganz andere Qualität in die Arbeiten bringt", sagt der Heinsberger, der mehr Haut am Körper hat, die tätowiert ist, als nicht, "Arme, Rücken, Brust und Hals sind voll."

Soweit ist es bei Dietmar Krahe noch lange nicht. Mit seiner Leidenschaft für Tattoos hat er aber inzwischen auch seine Frau angesteckt - und beide werden wiederkommen.

Quelle: RP
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