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Kreis Heinsberg
Teurer Blick ins Rohr

Kreis Heinsberg. Bis Ende 2015 muss jeder Hausbesitzer in NRW sein privates Abwasserrohr von einem Sachkundigen auf Dichtheit prüfen lassen – auf seine Kosten. Die Kommunen im Kreis denken gerade über ein gemeinsames Vorgehen nach. Von Mario Emonds

Heute treffen sich die Technischen Beigeordneten der Städte und Gemeinden des Kreises Heinsberg. Auf der Tagesordnung steht vor allem die Erörtertung der Frage, ob die Kommunen gemeinsam eine Aufgabe angehen können, die Paragraph 61 a des NRW-Landeswassergesetzes (LWG) zwingend vorschreibt: Bis zum 31. Dezember 2015 muss jeder Hausbesitzer in NRW auf seine Kosten prüfen lassen, ob sein privates Abwasserrohr (also das Kanalstück zwischen Haus und Abwasserkanal) dicht ist.

"Abwasserleitungen müssen geschlossen, dicht und soweit erforderlich zum Reinigen eingerichtet sein", heißt es in Absatz 1 dieses Paragraphen. Und Absatz 3 verpflichtet den Eigentümer, seine Abwasserleitungen von einem Sachkundigen auf Dichtheit prüfen zu lassen – so weit die Gesetzeslage.

Bürgermeisterrunde

Dem heutigen Treffen der Technischen Beigeordneten ging vor kurzem eine Bürgermeisterrunde zum selben Thema voraus. "Der Prozess beginnt gerade. Wir hoffen, uns auf eine gemeinsame Linie verständigen zu können", sagt Wilfried Welfers, der Leiter des Hückelhovener Tief- und Straßenbauamts. Wie alle anderen Kommunen müsse auch Hückelhoven zunächst einmal eine Satzung verabschieden, in der das Vorgehen geregelt wird. "2011 können wir dann konkret loslegen."

Dann werde eine Prioritätenliste erstellt: "Dazu werden Kriterien wie Gebäudealter, Kanalisationsalter, Untergrundbeschaffenheit und Grundwasserstand herangezogen", erläutert Welfers, "dabei müssen wir davon ausgehen, dass die Schäden in den ehemaligen Bergbaugebieten größer als anderswo sind." Die im LWG verankerte Frist 2015 gelte bei diesem Vorgehen nicht: "Der gesamte Prozess kann dann rund zehn Jahre länger dauern."

Bereits seit zwölf Jahren prüfe die Stadt die städtischen Abwasserleitungen – und zwar jährlich zehn Prozent des öffentlichen Netzes. "50 000 bis 100 000 Euro geben wir dafür pro Jahr für Sanierungen aus", sagt Welfers.

Weniger mit Bergbauschäden haben Erkelenz und Wegberg zu tun – dafür haben sie aber mehr Wasserschutzgebiete, für die besondere Regelungen gelten. Wegbergs Technischer Beigeordneter Rudolf Fabry glaubt aber nicht, dass die Zahl der defekten Rohre sehr groß ist: "Wäre das der Fall, dann wäre das schon im Grundwasser festgestellt worden. Wir wohnen hier aber nicht auf einer Kloake."

Und wie Fabry wundert sich auch sein Erkelenzer Amtskollege Ansgar Lurweg ein wenig darüber, dass dazu noch so gut wie kein Bürger die beratende Funktion der Stadt in Anspruch genommen habe. "Das Thema ist ja schon lange bekannt, und in der Fachwelt wird das auch heiß diskutiert. Doch die Resonanz der Hauseigentümer ist bislang noch gleich Null."

Quelle: RP
 
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