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Erkelenz
Urkunde schlummerte lange unentdeckt

Erkelenz: Urkunde schlummerte lange unentdeckt
Sepp Becker (l.) hatte die Original-Urkunde aus dem Jahr 1317 aus Wassenberg mitgebracht. Frank Salewski (Mitte) überreichte er eine Kopie dieser Urkunde; rechts Orts-Chronist Wolfgang Küppers. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. In einem Koffer im Archiv-Keller der Wassenberger Stadtverwaltung befand sich eine Urkunde, die für Gerderhahn eine Schenkung im Jahr 1317 bestätigte. Die Erst-Erwähnung vor 700 Jahren wurde nun gebührend gefeiert. Von Kurt Lehmkuhl

Der mächtige Findling aus dem Braunkohletagebau, der als Gedenkstein an das 700-jährige Bestehen von Gerderhahn erinnern soll, trägt eine Tafel, auf der in Kurzform die Entwicklung dargestellt ist: Aus dem "In ghin Hane" wurde "Ingen Hain", daraus dann "Gerderhaen", später Gerderatherhaen" und schließlich das aktuelle Gerderhahn. Die Enthüllung des Steins nahe der Mehrzweckhalle mit der Einsegnung durch Pastor Dieter Plewnia gestern Morgen war der zweite Höhepunkt der Feierlichkeiten, mit denen Gerderhahn am Wochenende seinen 700. Geburtstag feierte.

Der Stein stelle Tradition und Fortschritt dar und symbolisiere damit das Motto der Stadt Erkelenz, sagte Bürgermeister Peter Jansen. Der Stein sei wichtig für den Ort, führte der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, Franz Salewski aus, "damit das Wissen um die Gründung unseres Dorfes nicht verloren geht und wir immer wieder daran erinnert werden, dass wir auf dem Weg der Gemeinschaft fortfahren sollen, den wir bisher begangen haben."

Schon am Vorabend hatte es im "Wohnzimmer des Ortes", wie Salewski die Mehrzweckhalle bezeichnete, einen Festakt gegeben, der ganz im Zeichen des Gerderhahner Gemeinschaftssinns stand. Alle Dorfvereine nahmen an der von der Dorfgemeinschaft organisierten 700-Jahr-Feier teil, die Gäste von außerhalb wurden mit großer Herzlichkeit empfangen, die gute Laune übertrug sich schnell auf alle Festredner.

Bürgermeister Peter Jansen und Frank Salewski (r.) enthüllten bei der Feierstunde gestern den Gedenkstein zur 700-Jahr-Feier. FOTO: Ruth Klapproth

Salewski betonte das in Gerderhahn herrschende Gemeinschaftsgefühl, dass dadurch entstehe, dass die Menschen und ihre Vereine zusammenhalten. "Sie sind das Herz unseres Dorfes." Den Gemeinschaftssinn der Gerderhahner hob auch der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen vor. "Eigentlich bin ich hier auch ein wenig zu Hause", bekannte er. "Die Gerderhahner nehmen jeden mit ihrem freundlichen Wesen ein und auf."

Zwei Personen sind vornehmlich dafür verantwortlich, dass Gerderhahn in diesem Jahr feiern kann, erläuterte Wolfgang Küppers in seinem Vortrag über die Geschichte des Ortes: Da ist zunächst der Wegberger Realschuldirektor Willi von der Beek, der im Stadtarchiv Wassenberg Hinweise auf eine Urkunde fand, in der Gerderhahn erstmalig erwähnt wurde. Wassenbergs Heimatvereinsvorsitzender Sepp Becker schließlich, wie von der Beek gebürtiger Gerderhahner, entdeckte tatsächlich die Urkunde: in einem Koffer, der in einem Schrank stand, der wiederum im Keller der Stadtverwaltung ein unbeachtetes Dasein fristete. Mit Datum vom 3. April 1317 wird in der Urkunde eine Schenkung bestätigt, bei der Evardus in Genhane erwähnt wird.

Es war es ein besonderer Moment, als Becker diese Urkunde im Original auf der Bühne präsentierte. Der Dorfgemeinschaft überreichte er eine perfekte Kopie, die er wegen ihrer guten Qualität am liebsten auch noch mitgenommen hätte.

Den Reigen der Festredner vervollständigte Kult-Bauer Hastenraths Will (Christian Macharski), mit humoristischem Blick auf die Welt und Gerderhahn als touristischen Hotspot in Erkelenz, das schönste Straßendorf zwischen Golkrath und Tüschenbroich. Und eines schrieb er Gerderhahn ins Stammbuch: "Eine Dorfgemeinschaft ist wie eine Ehe. Die muss man pflegen." Daran wollen die Gerderhahner weiter arbeiten.

Quelle: RP
 
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