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Kreis Heinsberg
Vergewaltigung gestanden
Kreis Heinsberg: Vergewaltigung gestanden
Der Serienvergewaltiger von Oberbruch konnte im vergangenen Jahr gefasst werden. FOTO: RPO
Kreis Heinsberg. Gestern begann vor dem Aachener Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Serienvergewaltiger von Oberbruch. Marco S. gestand vier Vergewaltigungen; einen Mordversuch bei Tüschenbroich stritt er dagegen ab. Von Dominik Mercks

Unscheinbar, fast harmlos wirkte Marco S., als er gestern Morgen vor die Schwurgerichtskammer des Aachener Landgerichts geführt wurde. Als er wenig später zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung nahm, stand der Inhalt seiner Worte in krassem Gegensatz zu seiner unauffälligen Erscheinung.

Vier Vergewaltigungen

Leise und stockend legte der 34-Jährige ein Teilgeständnis ab und bestätigte vieles von dem, was ihm die Anklageschrift zuvor vorgeworfen hatte. Der verheiratete Vater von drei Kindern gab zu, zwischen September 2006 und April 2007 vier Frauen in Heinsberg-Oberbruch überwältigt und anschließend vergewaltigt zu haben. Dagegen bestritt er einen Mordversuch im Mai 2007 bei Tüschenbroich. Staatsanwältin Silvia Janser warf Marco S. vor, sein Opfer dort auf einem Feldweg angegriffen zu haben; als sich die junge Frau wehrte, soll er ihr mit einem Messer schwere Verletzungen am Hals zugefügt haben und anschließend geflüchtet sein. Die junge Frau konnte einen Rettungswagen alarmieren und überlebte schwerverletzt.

Marco S. gab zu, die junge Frau angegriffen und in ein Feld gezerrt zu haben. Er könne sich aber nicht an die Stichwunden erinnern; ein Messer habe er nicht bei sich getragen. Auch bei den anderen Taten berief sich der Angeklagte auf Erinnerunglücken: Bei allen Taten habe er unter Alkoholeinfluss gestanden und könne sich an die Tathergänge nur bruchstückhaft erinnern. Bei einigen Taten leide er unter einem „totalen Blackout“. Er sei sich aber sicher, seine Taten nicht geplant zu haben: „Ich hatte nie vor, einer Frau aufzulauern“, erklärte Marco S.

Auch über seine Biographie gab S. Auskunft: Er berichtete vom schwierigen Verhältnis zu seiner alkoholkranken Mutter, die ihn misshandelt habe, von seiner Jugend im Geilenkirchener Kinderheim, von zahlreichen kleineren Straftaten und einer ersten Jugendstrafe mit 18 Jahren. Seit seiner Jugend habe er Alkohol und Haschisch konsumiert; im Tatzeitraum habe er oft einen Kasten Bier pro Tag getrunken.

Seine Frau Elke S. bestätigte als Zeugin den starken Alkoholkonsum ihres Mannes; dies habe die Beziehung stark belastet. Trotz der Phantombilder in der Presse habe sie ihren Mann nie verdächtigt: „Ich hätte ihm das nie zugetraut“, erklärte Elke S. Für sie sei Marco S. immer der „liebevolle Vater“ ihrer Kinder gewesen.

Staatsanwältin Silvia Janser unterstellte dem Angeklagten hingegen eine „anti-soziale Persönlichkeit“, Marco S. sei für die Allgemeinheit gefährlich. Für den Prozess sind neun Verhandlungstage angesetzt, mit einem Urteil wird Mitte April gerechnet.

Quelle: RP
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