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Serie Mit Liebe Gemacht - Teil 5
"Verheiratet" mit der Glaskunst

Serie Mit Liebe Gemacht - Teil 5: "Verheiratet" mit der Glaskunst
Seit 30 Jahren widmet er sich der Glaskunst: Toni Hilgers in seiner Erkelenzer "Keller-Werkstatt". FOTO: JÜRGEN LAASER
Erkelenz. Alles begann vor 30 Jahren mit der Teilnahme an einem Tiffany-Kursus - seitdem hat sich der Künstler Toni Hilgers der Glaskunst mit Leib und Seele verschrieben. Zu Hause hat er sich extra eine Keller-Werkstatt eingerichtet. Von Natalie Urbig

Im vergangenen Jahr hatte Toni Hilgers Jubiläum: "30 Jahre Faszination Farbglas und Halbedelsteine" - so fasst es der Bildband zusammen, den sich der 78-Jährige für diesen Anlass erstellt hat. Toni Hilgers macht Kunst aus Glas: Er verarbeitet es in Bildern und Spiegeln, fertigt daraus Mobiles, Kerzenleuchter und Lampen. Der Bildband stellt für Toni Hilgers einen Querschnitt der vergangenen drei Jahrzehnte da: Auf über 120 Seiten zeigen Fotografien darin, welche Stücke seinen Arbeitskeller als fertige Kunstwerke verlassen haben.

Die Auswahl ist enorm - und doch gibt es keine Doppellungen: "Jedes Teil ist für sich ein Unikat", sagt Hilgers. Er zeigt Engel, Landschaftsbilder, Tierfiguren, biblische Motive, Kompositionen im Jugendstil und ausgefallene Lampenschirme. An jedes Werk knüpft er eine Erinnerung, zu jedem kann Hilgers etwas erzählen: "Der Arbeitsprozess dauert lange, da entwickelt man automatisch einen Bezug", sagt der Glaskünstler. So zeigt er etwa ein Bild von Florian, dem Schutzpatron der Feuerwehrleute, das nun im Rheinischen Feuerwehrmuseum in Lövenich hängt oder der heiligen Katharina von Alexandrien, die nun in Wien ihren neuen Besitzer gefunden hat. Auch die Wappen von Lövenich, Erkelenz und den Partnerstädten Saint James, Bad-Windsheim und Thum hat Hilgers aus Glas angefertigt. Der 78-Jährige blättert weiter und zeigt auf ein Glasbild. "Das war ein Fantasiegebilde von mir", sagt er. In seinem Bildband nennt er es Indiana: Denn das Original, das er auf dem Erkelenzer Weihnachtsmarkt verkauft hat, war ein Geschenk für eine Hochzeit in Indien. "Man kann also sagen, ich verkaufe weltweit meine Sachen", sagt Hilgers. Ein großes Projekt des Glaskünstlers war auch die Gestaltung von zwei Fensterfronten: Dreieinhalb Monate dauerte die Arbeit, mehr als 5000 kleine Scherben hat er zu einem Motiv mit Blumenranken zusammengesetzt.

Toni Hilgers erinnert sich noch gut an seine Anfänge: Es war 1985 als sich sein Leben nach der Diagnose Krebs für einige Monate verlangsamte. Während dieser Zeit entdeckte er das Plakat für einen Tiffany-Kursus. Um der Langeweile zwischen den Behandlungen zu entgehen, meldete er sich an: Sein Erstlingswerk, das er während der ersten Kursstunden entworfen hat, hat er aufbewahrt und auf die Titelseite seines Bildbandes gesetzt: Es ist ein ovales Fensterbild, eine Rose im blauen Rahmen. Auch heute noch arbeitet Hilgers, der mittlerweile selbst Workshops leitet, viel mit Tiffany, aber auch mit Eisblumen-, Uroboro- und Barockglas, um nur einige Arten aus seinem großen Materialfundus zu nennen. Als zusätzliches Element nutzt er den Achat.

Seit 2001 widmet Hilgers sich der modernen Glaskunst: Er fügt seinen Glasbildern eine dritte Dimension zu, indem er etwa auf Barockglas Drahtgeflechte mit Glaskugeln aufsetzt. Die eigene Struktur, die das Barockglas mitbringt, versucht er dabei nachzuempfinden, das Facettenglas im Rahmen sorgt für interessante Lichtbrechungen.

Toni Hilgers, der zuvor nie kreativ tätig war, hat das Arbeiten mit Glas gepackt und seitdem nicht mehr losgelassen. Viele Stunden verbringt er in seinem kleinen Werkkeller - seit 30 Jahren. "Ich bin mit dem Hobby verheiratet", sagt er scherzhaft. Oft werde er gefragt, wie lange er für ein Werk braucht - eine genaue Antwort kann er nicht geben, und so hat er in diesem Jahr angefangen, sich die Stunden zu notieren. Denn es sind viele Schritte, die gemacht werden, ehe ein Werk fertig ist: Am Anfang steht die Idee, die in einer 1:1-Zeichnung festgehalten wird. Daraus werden dann Schablonen gefertigt, mit denen Hilgers das zuvor ausgesuchte Glas zuschneidet. Dabei achtet er auf die Farbgebung, er spielt mit der Glasstruktur und ihrer Wirkung. Jedes Teil wird geschliffen, es folgt das Einwickeln in Kupferfolie und das Löten.

Auch außerhalb des Werkkellers beschäftigt Toni Hilgers das Hobby. Denn seine Vorlagen und Inspirationen findet der Glaskünstler im Alltag: In Zeitungen, Schaufenstern, auf Plakaten und sogar auf Tapetenmustern. Kehrt er mit einer Ideen nach Hause zurück, muss sie direkt in einer Zeichnung festgehalten werden. "Oh, das ist ganz schlimm", sagt er über sich selbst und lacht. Oft laufen bei ihm mehrere Projekte parallel. Hilgers arbeitet sowohl auf Anfrage als auch nach eigenen Ideen: "Es gibt nichts, was nicht möglich ist", ist sein Motto. Nur etwas sei zu beachten: "Alle Glasbilder brauchen Licht. Nur so können sie ihre ganze Wirkung entfalten."

Quelle: RP
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