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Erkelenz
Viele wollen Alissa helfen

Erkelenz. Hunderte Teilnehmer an der Typisierungsaktion in der Erkelenzer Stadthalle - die Familie des leukämiekranken Mädchens ist überwältigt. Von Daniela Giess

Ihr Blick schweift zufrieden durch das gut gefüllte Foyer der Erkelenzer Stadthalle. "Die Resonanz ist einfach überwältigend", sagt Katharina Schulz. Die junge Mutter (26) hat mit Ehemann Andreas (28) gerade Alissa aus der Düsseldorfer Uniklinik abgeholt, wo das an einer seltenen Form der Leukämie erkrankte Baby die dritte Chemotherapie überstanden hat.

Während Alissa zu Hause in Erkelenz mit dem Opa spazieren fährt, sind die jungen Eltern mit ihren 30 Helfern gestern im Dauereinsatz gewesen. Alle haben ein Ziel: Dass der passende Spender gefunden wird bei der Typisierungsaktion für die Knochenmarkspenderzentrale an der Universitätsklinik in Düsseldorf (KMSZ.de). Dass Alissa wieder gesund wird und ein ganz normales Leben führen kann.

Jetzt darf sich die Kleine erst einmal zu Hause erholen. Der Aufenthalt im Krankenhaus in der Landeshauptstadt war nicht einfach. "Nebenan hat ein kleiner Junge geschrien, weil er starke Schmerzen hatte", berichtet Alissas Mutter. Auch Alissa ging es nicht gut. Die Chemotherapie griff die Schleimhäute an, das sieben Monate alte Mädchen verweigerte deshalb Nahrung und Flüssigkeit, musste schließlich über einen Tropf künstlich ernährt werden. Nach der zweiten Chemotherapie setzte hohes Fieber ein, 39,8. Dazu starke Übelkeit, häufiges Erbrechen.

"Es tut so weh, das eigene Kind leiden zu sehen", sagt Katharina Schulz. Die Diagnose hat die kleine Familie aus Ratheim aus der Bahn geworfen. Der geplante Hausbau in Schaufenberg musste erstmal verschoben werden. Die Mietwohnung war aber bereits gekündigt, die Eltern kamen mit Baby Alissa in Erkelenz bei Alissas Großeltern unter.

Kurz nach 13 Uhr hat Alissas Onkel Frank Wischnewski bereits fast 500 freiwillige Spender registriert. Der Familienvater, der stolz seine kleine Tochter auf dem Arm hält, koordiniert die Helfer und gönnt sich keine Pause. Wie die anderen Helfer - Familienangehörige, Freunde und Bekannte - hofft auch er, dass für seine kleine Nichte alles gut ausgeht. "Wir waren schon im Vorfeld total überwältigt", gesteht er ein. So habe es zahlreiche Angebote gegeben, die weißen T-Shirts für das Helferteam, Flyer und Plakate kostenlos zu drucken. Gastwirt Mevlüt Uludag schloss kurzerhand sein Lokal "Murphy's Oriental" an der Aachener Straße, verteilte mit seinen Servicekräften die Getränkespenden, die die Organisatoren von verschiedenen Herstellern erhalten hatten. Andreas Haas, Vorsitzender des FC Dynamo Erkelenz, mobilisierte kurz vor einem Auswärtsspiel gegen Millich fast die komplette Mannschaft, die im rot-schwarzen Fußballerdress in der Stadthalle erscheint. "Alle, die heute können, sind hierher gekommen", sagt Haas. Doris Rausch und Ralf Rüffgens haben in der Zeitung den Aufruf gelesen. Sie ist bereits typisiert, er noch nicht. "Meine Tochter kommt später nach. Sie hat mit Alissas Mutter mal im Krankenhaus gelegen", erzählt Doris Rausch. "Hier zu spenden, ist für mich eine Selbstverständlichkeit", ergänzt Ralf Rüffgens und lässt sich Einverständniserklärung und einen Plastikbecher mit Wattestäbchen geben, mit dem 30 Sekunden lang über die Innenseite der Wange gestrichen wird, um die Speichel-Probe zu entnehmen.

Aufgerufen sind Spender zwischen 17 und 55 Jahren, die nicht schwer chronisch krank sind. "Heuschnupfen ist zum Beispiel kein Problem", erläutert Frank Wischnewski. Weil der Körper ab etwa Mitte 50 anfange, Stammzellen abzubauen, gebe es diese Altersgrenze. Alissas Onkel weiß, dass nur ein geeigneter Spender dem schwer kranken Mädchen helfen kann. "Alissa leidet an einer seltenen Blutkrebs-Mutation, die durch eine Chemotherapie nicht heilbar ist."

Quelle: RP
 
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