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Erkelenz
Volksbank prüft Fusion mit Gladbach

Erkelenz: Volksbank prüft Fusion mit Gladbach
2014 eröffnete die Volksbank Erkelenz am Konrad-Adenauer-Platz in Erkelenz ihre neue Hauptstelle. Architekt Rainer Kresing hatte sie entworfen. FOTO: Jürgen Laaser (Archiv)
Erkelenz/Mönchengladbach. Mit einer Bilanzsumme von fast 1,8 Milliarden Euro würde eine der größten Genossenschaftsbanken in der Region entstehen. Die Sondierung dafür hat begonnen. Bis zum Sommer nächsten Jahres soll die Fusion umgesetzt werden. Von Andreas Speen und Ralf Jüngermann

Im Kreis Heinsberg hat es in der jüngeren Vergangenheit mehrere Fusionen von Genossenschaftsbanken gegeben. Jetzt prüft die Volksbank Erkelenz, ob ein Zusammengehen mit einer anderen Volksbank sinnvoll sein könnte. Über die Aufnahme von Sondierungsgesprächen mit der Volksbank Mönchengladbach informierten gestern Vorstandsvorsitzender Dr. Veit Luxem aus Erkelenz und Franz-Dierk Meurers aus Mönchengladbach. Bis zum Jahresende wird entschieden, ob ihre Banken in Fusionsgespräche einsteigen wollen. Stellen beide Seiten darin anschließend fest, dass ein Zusammenschluss der richtige Weg ist, würden die Mitgliedervertreter zur Jahresmitte 2017 dazu aufgerufen, einen entsprechenden Beschluss zu fassen.

Die Raiffeisenbank Erkelenz fusionierte im Mai 2016 mit der VR-Bank Rur-Wurm, die Heinsberger Volksbank AG und Raiffeisenbank eG, Heinsberg, schlossen sich ein Jahr zuvor zusammen, und noch einmal zwei Jahre davor gingen die Spar- und Darlehnskasse Brachelen und die Volksbank Randerath-Immendorf zusammen. Die Volksbank Erkelenz selbst war 2005 aus der Fusion der Volksbank Erkelenz-Hückelhoven mit der Volksbank Wegberg entstanden. Ein noch größerer Zusammenschluss der Genossenschaftsbanken im Kreis Heinsberg erschien für die Zukunft denkbar, jedoch weist der Weg für die Volksbank Erkelenz nun nach Mönchengladbach.

Auch dort ist es nicht der Weg, mit dem an erster Stelle zu rechnen war. Dass die Gladbacher Bank und die Volksbank Mönchengladbach trotz längerer Versuche nicht zusammenfinden, hatte sich dort schon länger abgezeichnet. Das Verschmelzen ihrer Aktiengesellschaft mit einer Genossenschaft stellte sich vor allem für die Gladbacher Bank als zu schwierig heraus. Danach hatten die meisten Experten auf Viersen als Partner für Mönchengladbach gesetzt. Nun wird es also - aller Voraussicht nach - Erkelenz. Mit der Bank hatten die Gladbacher vor einigen Jahren schon einmal zusammengesessen. Damals ergebnislos.

Zwar sind noch etliche spannende Fragen zu klären. So wird es in den Sondierungs- und Fusionsgesprächen in den kommenden Monaten um die Struktur, die Zahl der Vorstände, den Namen und den Verwaltungssitz gehen. Doch niemand aus den beiden Vorständen und Aufsichtsräten, die sich einstimmig für die Sondierungsgespräche ausgesprochen haben, rechnet wohl ernstlich damit, dass die Fusion scheitern könnte.

Beide Parteien begegnen sich mehr oder weniger auf Augenhöhe. Entstehen würde eine Bank mit einem Bilanzvolumen von fast 1,8 Milliarden Euro, davon rund 750 Millionen Euro von der Volksbank Erkelenz. Es fänden 245 Mitarbeiter aus Mönchengladbach und 210 aus Erkelenz sowie 36.000 Kunden von der Volksbank Erkelenz und 46.000 von der aus Mönchengladbach zueinander. Das Einzugsgebiet der Erkelenzer schließt Hückelhoven, Wassenberg, Wegberg, Linnich und Elmpt ein, das der Mönchengladbacher auch Willich und Hochneukirch. "Entstehen würde eine strategische Partnerschaft auf Augenhöhe", sagte gestern Dr. Veit Luxem.

In der traditionell eher kleinteiligen Volksbank-Welt ist das schon ein echtes Pfund und mehr, als beispielsweise die Volksbank Krefeld aufweist. Es ist aber auch die Größe, die es inzwischen mindestens braucht, um zu bestehen. Seit einigen Jahren ächzen die kleineren Banken unter der Regulatorik aus Brüssel, müssen eine Reihe hoch qualifizierter Mitarbeiter bereithalten, allein um den Anforderungen zur Dokumentation der EU zu genügen. Dazu ändert sich auch bei den Banken durch die Digitalisierung das Geschäftsmodell grundlegend. Immer mehr Kunden wollen ihre Geschäfte im Internet erledigen, was es wirtschaftlich immer weniger sinnvoll macht, ein dichtes Filialnetz zu unterhalten. Das ist aber gleichzeitig Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Großbanken. Und schließlich schmelzt das dauerhaft extrem niedrige Zinsniveau die Gewinne aller Banken ab.

Beide Banken gehorchen indes nicht der Not, sondern der Tugend. "Wir beide sind gut aufgestellt", betonte denn auch Luxem gegenüber unserer Redaktion. Es gelte allerdings auch, "die gute Situation unserer lokalen Banken zu halten". Möglicherweise trage eine Fusion dazu bei: "Das möchten wir nun austarieren. Unsere Mitarbeiter haben wir darüber am Montag informiert."

Die Präsenz vor Ort soll nicht leiden. Deshalb legt Luxem schon allein großen Wert darauf, dass der Name Volksbank Erkelenz erhalten bleibt. Grundsätzlich gelte: "Die Volksbank Erkelenz soll als starker Partner der Bürger und der Vereine erhalten bleiben. Und natürlich würden wir Erkelenz bei einer Fusion als Kopfstelle hochhalten." Hier hatte die Volksbank erst 2013/2014 ihre Hauptstelle gegenüber vom Bahnhof neu gebaut. Angesprochen auf die Personal- oder Filialstruktur erklärte Luxem, dass beides auch unabhängig von Fusionsüberlegungen immer wieder überprüft werde, aber: "Die Kundennähe soll erhalten bleiben." Die Mönchengladbacher Volksbank hatte im Sommer einen schmerzhaften Schnitt ins Filialnetz, den viele Regionalbanken gerade tun, hinter sich gebracht.

In der Volksbank-Welt wird man die Fusionspläne sehr aufmerksam verfolgen. Und das nicht nur, weil die Stimme von Veit Luxem Gewicht hat. Er ist Vorsitzender des Verbandsrats des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Sondern auch, weil in diesen Zeiten eh jeder mit jedem spricht. Grevenbroich, Meerbusch, Kaarst, Kempen und Viersen sind weiter eigenständig. Vorerst. Sollte die Fusion von Mönchengladbach und Erkelenz gelingen, ist eines sicher: Es wird nicht die letzte gewesen sein.

Quelle: RP
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