| 00.00 Uhr

Erkelenz
Vom Praktikum zum Ausbildungsvertrag

Erkelenz: Vom Praktikum zum Ausbildungsvertrag
Auszubildende unter sich: Vanessa Hermandung und Rinas Korkaji beraten die Kunden der Kreissparkasse gemeinsam. FOTO: JÜRGEN LAASER
Erkelenz. Noch vor einem Jahr lebte der junge Syrer Rinas Korkaji in Aleppo. Die Kriegszustände zwangen ihn zur Flucht. In Deutschland hat er schnell nach Beschäftigungen gesucht. Ein Praktikum bei der Kreissparkasse ebnete ihm den Weg. Von Anke Backhaus

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn sich Thomas Pennartz, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Heinsberg, Jahr für Jahr den neuen Auszubildenden vorstellt. Eben jenen jungen Menschen, die ganz am Anfang ihres Berufsweges stehen und bei der Kreissparkasse ein solides Rüstzeug für die Zukunft bekommen. In diesem Jahr war das etwas anders und besonders. Denn in den Reihen der Azubis befindet sich nun auch der 23-jährige Rinas Korkaji.

Noch vor knapp einem Jahr war der junge Syrer in Aleppo zu Hause. Nach seinem Schulabschluss hatte er ein Studium im Finanz- und betriebswirtschaftlichen Bereich aufgenommen. Den Bachelor hat er mittlerweile erreicht. Wegen der Kriegszustände war ein Leben in der syrischen Heimat allerdings nicht mehr möglich. Rinas und seine Familie sahen nur einen Ausweg: Flucht. Im November 2015 kam Rinas so nach Deutschland, und zwar ohne jegliche Deutschkenntnisse. Über Bielefeld ging es für die Familie nach Herzogenrath. "Dort habe ich direkt begonnen, Deutsch zu lernen", erzählt der KSK-Auszubildende. Vor allem hat er das Internet genutzt, um sich sprachlich schnell fortzubilden, so dass er heute ein Level erreicht hat, sich prima zu verständigen.

Ortswechsel: Die Auszubildenden und Ausbildungsleiterin Melanie Liedtke waren auf der Suche nach einem Projekt, für das sich der junge Banknachwuchs engagieren könnte. Gemeinsam kam man auf die Idee, Flüchtlingen die Chance zu bieten, bei einem Praktikum die deutsche Finanzwirtschaft und besonders die Kreissparkasse Heinsberg kennenzulernen. Diverse Gespräche mit Sozialämtern und der Industrie- und Handelskammer haben eine erste Basis gelegt, für den Rest waren die Auszubildenden verantwortlich. "Wir haben sogar die Wochenenden genutzt, um gemeinsam zu überlegen, wie ein Konzept aussehen könnte", erinnert sich Vanessa Hermandung. Als ein solches fertig war, trafen sich schließlich die Wege von KSK und Rinas Korkaji.

Vanessa Hermandung bekennt: "Am Anfang haben wir gemerkt, dass das Ganze viel komplexer werden würde als wir eigentlich gedacht haben." Aber die Azubis sind mutig am Ball geblieben. Bei einem Praktikanten merkten sie, dass er sich etwas langweilt. Das war Rinas. Kein Wunder - bereits mit einer gewissen Ausbildung und Fachwissen ausgerüstet, waren ihm einige Zusammenhänge bekannt. Auch er warf die Flinte nicht ins Korn, sondern zeigte Einsatz. Grund genug für die Verantwortlichen der Kreissparkasse, ihm eine Chance zu geben. Seit dem 1. August ist er offiziell Auszubildender zum Bankkaufmann. Für die Dauer seiner zweieinhalbjährigen Ausbildung ist auch sein Aufenthalt in Deutschland gesichert.

"Mit Menschen wie Rinas Korkaji erhalten Unternehmen einen absoluten Mehrwert. Beide Seiten profitieren voneinander", sagte Thomas Pennartz überzeugt, der zudem noch unterstrich, dass das intensive Kennenlernen des Arbeitsmarktes eine sehr wichtige Voraussetzung zur Integration sei.

In einer Gesprächsrunde bei der Industrie- und Handelskammer traf KSK-Ausbildungsleiterin Melanie Liedtke auf viele Unternehmer. "Es gibt einige, die sich noch schwertun damit, Flüchtlingen eine Perspektive zu bieten. Andere wiederum packen die Sache schlichtweg an. Auch nach unseren Erfahrungen können wir nur betonen: einfach mal machen."

Einfach mal machen - das gilt nun auch für Vanessa Hermandung und Rinas Korkaji in der Kundenhalle der Hauptstelle der Kreissparkasse Heinsberg in Erkelenz. Gemeinsam sind sie für die Kunden da, beraten, wickeln den Zahlungsverkehr ab. Im täglichen Kundenverkehr hat sich schon gezeigt, wie positiv man auf den jungen Syrer reagiert.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Erkelenz: Vom Praktikum zum Ausbildungsvertrag


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.