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Serie Was Macht Eigentlich?
Vom U-Boot in die "Zockertruppe"

Einmal die Woche, montags, trifft sich die "Zockertruppe". Ein gutes Dutzend gut situierter Herren, die in einer Blockhütte im Haiderfeld über Gott und die Welt parlieren, gutes Essen und gute Getränke genießen, ihre nächste Golftour planen. Und das schon seit Jahrzehnten. Der Jüngste, Sebastian Hertl, ist 58, Borusse Rainer Bonhof etwas darüber. Der Älteste ist Bert Jerabeck, stolze 91 und, siehe oben, immer noch springlebendig. "Das hier ist mein Jungbrunnen", sagt er.

Angesprochen wird er, wie früher schon im Tennis bei Rot-Weiß, häufig mit "Kaleu". Das steht für Kapitänleutnant und verdankt er seiner Zeit bei der Kriegsmarine - auch wenn er diesen Rang nie hatte. "Ich war gerade mal Gefreiter. Und dann habe ich unglaubliches Glück gehabt", sagt er. Er war bei der Unterseeboots-Flotille. Bei einem Einsatz vor Norwegen bekam sein U-Boot einen leichten Torpedotreffer, musste in die Werft nach Danzig. Bert Jerabeck (er hatte ja mal Feinmechaniker gelernt) wurde zu einem Elektromechanik-Lehrgang geschickt. Als er zurück zum Flottenstützpunkt Gdingen kam, um wieder an Bord zu gehen, erfuhr er: "U27 ist überfällig", was bedeutete: untergegangen.

Er kam auf die Wilhelm-Gustloff: ein riesiger Kreuzfahrer, der als Lazarettschiff genutzt - und am 30. Januar 1945 von einem sowjetischen U-Boot vor der Küste Pommerns versenkt wurde, mit wohl mehr als 9000 Menschen an Bord. Bert Jerabeck gehörte zu den Wenigen, die von einem Torpedoboot gerettet wurden.

"Ich habe in meinem Leben sehr, sehr viel Glück gehabt", sagt Jerabeck dankbar. Vor allem natürlich im Krieg. Und heute, dass ich mit 91 immer noch so gut drauf bin." Er erlebt mit viel Freude, wie seine Enkelkinder Charlotte (4 Jahre) und Victoria (2) aufwachsen und ihn fast täglich besuchen.

(oes)
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