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Erkelenz
Wagen und Fußgänger durch eine Röhre

Erkelenz: Wagen und Fußgänger durch eine Röhre
Eng und unübersichtlich ist die Situation an der maroden Eisenbahnbrücke Mühlenstraße (li.). Wenige hundert Meter weiter in Richtung Bahnhof schreckt die triste Fußgängerunterführung (re.) heute viele Passanten ab. Ein Neubau könnte beide Probleme lösen, meint die Stadt. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Die Eisenbahnbrücke Mühlenstraße muss saniert werden, sagt die Bahn. Erkelenz aber wünscht sich für Kraftfahrzeuge, Fahrräder und Fußgänger eine komplett neue Unterführung. Der Fachausschuss gibt grünes Licht für Vorplanungen. Von Angelika Hahn

100 Jahre alt und sanierungsbedürftig ist laut Deutsche Bahn Netz AG inzwischen die Eisenbahnbrücke an der Mühlenstraße - auffallend für Autofahrer die spitzwinklige Verkehrsführung an diesem Nadelöhr. Wenige 100 Meter weiter bildet die abstoßend triste Fußgängerunterführung zur Neusser Straße einen weiteren Problempunkt. Für dessen Beseitigung jedoch nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz die Stadt zuständig wäre - allerdings mit möglicher Landesförderung, wenn man denn beide Sanierungsprojekte verbinden würde, wie Technischer Beigeordneter Ansgar Lurweg dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaftsförderung und Betriebe jetzt vorschlug.

Eng und unübersichtlich ist die Situation an der maroden Eisenbahnbrücke Mühlenstraße (li.). Wenige hundert Meter weiter in Richtung Bahnhof schreckt die triste Fußgängerunterführung (re.) heute viele Passanten ab. Ein Neubau könnte beide Probleme lösen, meint die Stadt. FOTO: Jürgen Laaser

Den von der Bahn dringend erkannten Sanierungsbedarf der Brücke würde die Stadtverwaltung gerne zum Anlass nehmen, gleichsam zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und hat mit Bahn und Bezirksregierung Köln in diese Richtung erste Gespräche geführt. Ziel nach den Vorstellungen der Verwaltung ist die Zusammenführung von Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern in einer komplett neuen Unterführung mit Zufahrt ab Anton-Raky-Allee, die etwa am Fußgängerdurchgang beginnen würde und in sanftem Bogen auf die Neusser Straße treffen würde. Die heutige Brücke würde damit entfallen. So könne aus "zwei maroden Stellen eine sinnvolle neue Lösung" entstehen, warb Lurweg. Ein Verkehrsgutachten sehe dadurch auch eine Verkehrsentlastung des Großbereichs Mühlenfeld-Viertel.

Bei einem Brückenneubau an anderer Stelle habe die Bahn signalisiert, sich aufgrund der "ersparten Sanierungskosten" im Sinne einer sogenannten Ablösungsvereinbarung an den Kosten zu beteiligen. Fördermittel der Bezirksregierung müssten allerdings schnell beantragt werden, hieß es, da das aktuelle Gemeindefinanzierungsgesetz auslaufe und ein Nachfolgegesetz noch nicht zwischen Bund und Ländern ausgehandelt sei.

Lurweg bezifferte die Gesamtkosten für das Projekt auf rund 5,2 Millionen Euro, den Anteil der Bahn auf 800 000 Euro und den (nach 65-prozentiger Landesförderung des Restes) verbleibenden Eigenanteil der Stadt auf rund 1,55 Millionen. Aufgrund der langen Planungs- und Vorlaufzeiten bei Bahn-Bauprojekten wäre dann 2018 mit dem Bau zu rechnen. Immerhin signalisierte laut Lurweg die Bezirksregierung einen Förderbescheid für die zweite Jahreshälfte 2016.

Um das Ergebnis der sich anschließenden kontroversen Diskussion gleich vorwegzunehmen: Eine Mehrheit gab der von Lurweg zuvor skizzierten Marschroute, trotz einigen Gegenwinds, grünes Licht - die sechs Gegenstimmen kamen von SPD und Grünen.

Die wollten den von Lurweg dargestellten Zeitdruck nicht akzeptieren und hielten mit Dieter Spalink (SPD) das Thema für noch keineswegs "entscheidungsreif". Spalink und Fraktionskollege Ferdi Kehren stellten die prognostizierte Verkehrsentlastung der Wohngebiete in Zweifel, sahen sich ohnehin über das angeführte Verkehrsgutachten von der Stadt unzureichend informiert, etliche der Aussagen dort schienen ihnen zudem nicht nachvollziehbar. Stephan Pütz (Grüne) fragte: "Brauchen wir das?" Er sah eine neue Betontrasse als Rennstrecke voraus, die allen Bemühungen, den Bahnhofsbereich zu beruhigen, entgegenlaufen werde. Zustimmung hingegen, auch im Sinne der Anwohner, zu Lurwegs Konzept kam von Markus Gillrath (FDP), Peter Fellmin (FW-UWG) und Karl-Heinz Frings (Bürgerpartei), der allerdings - wie andere auch - den veranschlagten Kostenanteil der Bahn für zu gering hielt. Dem stimmte die Verwaltung zu. Lurweg versprach, in den ohnehin noch fälligen "Verwaltungsvereinbarungen" mit der Bahn auf eine Erhöhung hinzuarbeiten.

Bürgermeister Peter Jansens Appell, "die Chance, in die Förderkulisse zu kommen", zu nutzen und dem Grundsatzbeschluss für das vorgestellte Konzept zuzustimmen, konnte die Gegner dennoch nicht umstimmen.

Quelle: RP
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