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Erkelenz
Wall nicht als Trennstreifen anlegen

Erkelenz: Wall nicht als Trennstreifen anlegen
Studenten der RWTH Aachen erarbeiteten Visionen für den Tagebaurand bei Kaulhausen und Venrath. Der Schutzwall und dessen Integration in die Landschaft spielten in ihren Überlegungen eine große Rolle. FOTO: RWTH Aachen/Stadt Erkelenz
Erkelenz. Studenten der Architektur und Stadtplanung gingen mit unvoreingenommenem Blick an die Situation der künftigen Tagebaurandorte Venrath und Kaulhausen heran, entwickelten zehn Visionen und förderten drei Schwerpunkte zutage. Von Andreas Speen

Zehn Visionen haben Studenten der RWTH Aachen, in Gruppen von jeweils zwei oder drei angehenden Architekten und Stadtplanern, für die Tagebaurandorte Venrath und Kaulhausen in einem dreitägigen Workshop entwickelt. Manche erscheinen realistischer, andere sind verspielter. Sie sind nicht dazu gedacht, in konkrete Projekte umgesetzt zu werden. Sie dürfen aber gerne Impulse auf den laufenden Dorfentwicklungsprozess abgeben. Werden diese zehn Visionen übereinandergeschoben, ergibt sich allerdings ein Bild von drei den Studenten offenbar besonders wichtig erscheinenden Themen: Den derzeit vor den Orten entstehenden Schutzwall für die eigene Entwicklung nutzen. Den Wall formen. Ein Ort für Touristen werden.

Der Lehrstuhl für Städtebau und Landesplanung an der RWTH Aachen schickte seine Studenten am Montag zur Erkundung nach Kaulhausen und Venrath. Anschließend erhielten sie drei Tage, in denen sie aus unvoreingenommener Perspektive über die beiden künftigen Tagebaurandorte nachdenken und Visionen für die Zeit während und nach dem Braunkohlenabbau entwickeln sollten. Anschließend durften die Studenten ihre Ideen in Venrath präsentieren.

Immer wieder tauchte auf, dass der Lärmschutzwall, so wie er momentan vor Venrath und Kaulhausen errichtet wird, als "Schnitt in der Landschaft" empfunden wurde und dass dies vermieden werden könnte. In einer Vision wurde der Wall so ausgedehnt angelegt, dass darin ein Hotel mit Blick auf den künftigen Restsee angelegt werden könnte. In mehreren anderen Visionen wurde der Wall dazu genutzt, um darin untertunnelt die zukünftige Grubenrandstraße zu integrieren. Erreicht werden sollte damit in allen Ideen, dass die Menschen aus Venrath und Kaulhausen vor ihren Orten keinen Wall, sondern ein Areal erhalten, das sie nutzen können: für Wanderwege, einen Kletterwald, Spielplätze, oder um sich heute schon für die Zeit nach dem Tagebau die Option offenzuhalten, die beiden Orte über diese Erhebung hinaus zum Restsee hin entwickeln zu können. All diesen Visionen wäre es wichtig, den Schutzwall "zu formen", "ihn organisch wie etwas natürlich Gewachsenes herzustellen", ihn nicht "wie einen Trennstreifen" anzulegen.

In verschiedenen Varianten sahen die Studenten auch die Chance, schon bald Angebote für Touristen mit Interesse an vor allem Industriekultur schaffen zu können. Ein Wanderweg um die Grube mit Denkmälern , die an die verschwundenen Orte erinnern, wurde angeregt sowie eine Veranstaltungsarena mit dem Tagebau als Kulisse. In mehreren Vorschlägen tauchten ausgediente oder nachempfundene Schaufelradbagger auf, die Aussichtsplattformen und Informationsorte sein könnten oder von denen weitere touristsche oder sportliche Angebote abgeleitet werden könnten. Eine Studentengruppe erklärte, weshalb sie solche Visionen für umsetzbar hält: "Venrath und Kaulhausen sind in der einzigartigen Situation, in der sich die Nähe von ländlichen Dörfern und industriellem Braunkohlenabbau touristisch inszenieren lässt."

Eine Vision ging, den künftigen Restsee betreffend, einen Schritt weiter und erschien den Zuhörern aus den beiden Orten deshalb interessant. Vorgeschlagen wurde, die Zukunft von Kaulhausen und Venrath am Wasser schon jetzt mit einem kleinen, künstlich geschaffenen See zwischen beiden Orten vorwegzunehmen, um darüber die Landschaft vor dem Schutzwall aufgewertet zu gestalten.

Quelle: RP
 
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